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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

10.11.2021

Komm, Herr Jesus, jetzt schon in mein Leben

Weltgerichtsfenster im Mortuarium des Eichstätter Doms

Er kommt, zu richten ... – Weltgerichtsfenster (Ausschnitt) im Mortuarium des Eichstätter Doms. Foto: Kreitmeir

Angenehm scheint es uns nicht, was wir heute im Evangelium hören. Die liturgischen Texte am Ende des Kirchenjahres erinnern uns immer wieder an das Ende der Welt – oder positiver ausgedrückt: an die Wiederkunft Jesu Christi. Der Menschensohn, Jesus Christus, wird kommen „zu richten die Lebenden und die Toten“, wie wir jeden Sonntag im Glaubensbekenntnis beten. Wenn wir ehrlich sind, überkommt uns bei diesem Gedanken wohl meist ein gewisses Unbehagen. 

Im frühen Christentum wünschten die ersten Christen die Wiederkunft Christi sehnsüchtig herbei: „Maranatha – Komm, Herr Jesus“, so lauten die letzten Worte der Heiligen Schrift. Die ersten Christen freuten sich auf das Kommen Christi, bedeutete es doch für sie, mit Christus in sein Reich und das ewige Leben eingehen zu dürfen. Und genau das ist es ja, was Christsein bedeutet: von der Sünde, der Schuld und dem Tod erlöst zu sein, als Kind Gottes in Ewigkeit in der Gemeinschaft mit Gott und seinen Heiligen zu leben. Wieso sollte man sich also fürchten, wenn diese Verheißung Wirklichkeit wird? 

Vielleicht merken wir, wenn wir uns ernsthaft mit dieser Realität auseinandersetzen, wie schwach unser Glaube manchmal ist. Glauben wir wirklich daran, dass wir als Erlöste, Gerettete wahrhaft Kinder Gottes sind, denen die ewige Gemeinschaft mit Gott verheißen ist – und leben wir auch aus dieser froh machenden Perspektive heraus? Dieses Bewusstsein mag manchmal von der Hektik des Alltags verschüttet werden. Wie gut ist es daher, von Zeit zu Zeit an das eigentliche Ziel unseres Lebens als Christ erinnert zu werden. 

Vielleicht empfinden wir aber auch bei der Vorstellung, am Ende der Zeiten wirklich vor Jesus Christus zu stehen, Unbehagen, weil wir ihm gar nicht so recht unter die Augen treten wollen. Doch zeigt uns nicht gerade das die Schwachheit unseres Glaubens? Sagt uns der Glaube nicht, dass wir ihm schon jetzt unter vielerlei Gestalt ganz real begegnen? In besonderer Weise in der Eucharistie, aber auch im „Geringsten“ der Mitmenschen, in den Sakramenten, in der Gemeinschaft der Glaubenden ... Wenn wir dies wirklich ernst nehmen – wieso sollten wir uns dann fürchten, demselben Christus zu begegnen, dem wir schon jetzt Tag für Tag begegnen? 

Das Evangelium will unseren Glauben erneuern, uns aufrütteln, zur Wachsamkeit mahnen, denn wir wissen weder den Tag noch die Stunde des Kommens Christi. Sind wir bereit, ihn zu empfangen? Vielleicht finden wir am Ende des Kirchenjahres die Zeit, über das Grundlegende und letztlich Entscheidende unseres Lebens, über seinen Sinn und sein Ziel, nachzudenken. Vielleicht finden wir den Mut, jene Dinge in unserem Leben zu ändern, die unter der Perspektive des letzten Ziels eine andere Wertigkeit erhalten. Vielleicht kann das Evangelium aber auch ein Anstoß dazu sein, die verhüllten Begegnungen mit Jesus Christus in unserem Alltag mit neuer Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu erleben in dem Bewusstsein, dass es derselbe Herr ist, der kommen wird. Wenn wir aus dieser Perspektive auf seine Ankunft schauen, dann können auch wir wie die ersten Christen vertrauensvoll rufen: Komm, Herr Jesus! Komm schon jetzt in mein Leben und erhelle es mit deiner Gegenwart. 

Pia Sommer, Nr. 46 vom 14. November 2021 – Evangelium (Mk 13, 24–32)


33. Sonntag – im Jahreskreis

Die Katastrophen der Natur und der Geschichte sind noch nicht das Endgericht.
Sie laufen ihm voraus.
Das Ereignis, das wir erwarten und für das wir uns bereitmachen sollen,
ist das Kommen des Menschensohnes.
Wie das sein wird, wissen wir nicht; es wird sicher nicht so sein,
wie es auf alten und neuen Gemälden dargestellt wird.
Es wird größer sein, göttlicher und menschlicher.

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