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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

22.06.2022

Loslassen und aufbrechen in der Nachfolge Jesu

Wie soll so ein Leben gehen, wie es im heutigen Evangelium mit Blick auf Jesus und die Nachfolge anklingt? Ohne eine feste Bleibe – ohne Abschied zu nehmen von den Angehörigen – ohne den Dienst der Bestattung von Angehörigen? Wie soll so etwas gehen? Keine Frage, die „Nachfolgeworte“ im heutigen Evangelium sind eine enorme Herausforderung und nicht leicht einzulösen.

Und doch haben einige dieser Worte eine große Wirkungsgeschichte entfaltet. Die iroschottischen und die angelsächsischen Missionare waren vom Ideal der asketischen Heimatlosigkeit und der Peregrinatio für Christus begeistert. Angelsächsische Missionare wie Willibrord, Bonifatius, Willibald, Wunibald und Walburga waren vom Wort Jesu berührt: „… der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ – also keine Bleibe.

Die genannten Angelsachsen haben als junge Leute ihre Heimat verlassen, sind die gefährliche Reise nach Europa und Germanien angetreten und haben im fremden Land als Missionarinnen und Missionare gewirkt. Sie waren persönlich angesprochen von Jesu Wort: „Du aber geh und verkünde das Reich Gottes“ (Lk 9, 60b). Der Ruf des Herrn hat sie persönlich getroffen. So sind sie aufgebrochen, immer wieder aufgebrochen, um das Evangelium zu verkünden. Und ihr Wirken brachte Frucht: Mithilfe von Gottes Gnade konnten sie das Evangelium in die Herzen der Menschen unseres Bistums einpflanzen. Das Beispiel und das Zeugnis unserer Bistumsgründer sind uns ein bleibender Ansporn, uns für den Aufbau des Reiches Gottes im Heute immer wieder neu senden zu lassen.

Schauen wir uns die Nachfolge-Worte genauer an. Da werden drei Begegnungen erzählt, die mit unserem Leben zu tun haben. Es wird deutlich: Jesus nachfolgen hat Konsequenzen. Die drei Personen verkörpern aus meiner Sicht verschiedene Vorbehalte gegenüber entschiedener Nachfolge. Die erste Begegnung erzählt von der Versuchung, sich zu sehr im Diesseits einrichten zu wollen, von der Bequemlichkeit und vom Rückzug ins Private. Gefordert ist: loslassen und aufbrechen.

Die zweite Begegnung, wo es um das Begräbnis von Angehörigen geht, kann auf die vielleicht starre Erfüllung von Konventionen gedeutet werden, auf die wohl zu starke Rücksichtnahme auf zweitrangige Dinge, die zwar sein müssen, aber nicht zu viel Bedeutung erlangen sollen.

In der dritten Begegnung geht es um Nachfolge ohne „Rückspiegel“. Es kann ja sein, dass familiäre Bindungen so stark sind, dass sie einem entschiedenen Aufbruch im Wege stehen. Deshalb sagt Jesus: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes“ (Lk 9, 62). Wieder ist gefordert: loslassen und aufbrechen.

Diese Nachfolgeworte, die bestimmt einschneidend sind, sind nur zu verstehen im Kontext der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu. Die Verkündigung des Evangeliums ist eine ganz und gar drängende Aufgabe und duldet keinen Aufschub. Sie ist zu tun, und zwar jetzt und heute, nicht morgen oder irgendwann.

Ein mir gut bekannter Mitbruder hat zu mir einmal gesagt: „Wegen der Reich-Gottes-Botschaft Jesu bin ich Priester geworden. Ich bemühe mich mein ganzes Leben, sie zu verkünden. Und was unvollkommen geblieben ist und bleibt, möge Gott durch seine Gnade ergänzen.“

Dompropst Alfred Rottler, Nr. 26 vom 26. Juni 2022 - Evangelium (Lk 9, 51–62)


13. Sonntag im Jahreskreis

Die Entscheidung für Christus ist den meisten von uns zunächst abgenommen worden;
andere haben bei der Taufe für uns geantwortet:
Ich glaube. Ich widersage. Ich gelobe.
Aber dann haben wir auch selbst die Frage gehört.
Wir haben ja gesagt.
Die große Entscheidung verringert nicht unsere Freiheit,
aber sie bestimmt unsere Richtung.

Ausgabe Nr. 33/34 vom 14./21. August 2022

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