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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

24.08.2022

Mut zur Demut für die neue Gemeinschaft

Aber nur zum Demütigen kann Gott sagen: Mein Freund, rücke weiter hinauf.

Foto: pixabay

Wer möchte schon gerne der Letzte sein, bei einem Turnier, bei einem sportlichen Wettkampf, bei einem Spiel, bei einer Prüfung? Welche Stadt möchte ganz hinten sein beim Städteranking, was die Wirtschaftskraft und die Bevölkerungsentwicklung angeht? Welcher Fußballclub möchte den letzten Platz in der Tabelle einnehmen? Keiner. Wir sind so erzogen und das gesellschaftliche Umfeld hat uns so geprägt, dass wir vorne mitspielen wollen, dass wir es zu etwas bringen, dass wir Einfluss gewinnen und wichtige Positionen einnehmen. In diesem gesellschaftlichen Kontext klingt das heutige Evangelium vom „Sich selbst erniedrigen“ und vom „untersten Platz“ als Zumutung. Wenn wir das Evangelium ganz anschauen, dann finden wir darin gleich zwei Zumutungen.

Die erste Zumutung hat mit der neuen Ordnung des Reiches Gottes zu tun. Die Reich-Gottes-Botschaft Jesu stellt irdische Kategorien auf den Kopf. Da heißt es: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Lk 14,11) Es geht hier um den Weg der Erniedrigung oder, anders ausgedrückt, um den Weg der Demut. Wer das Reich Gottes gewinnen will, muss den Weg der Demut zu gehen bereit sein, er muss sich selbst zurücknehmen können und eine gehörige Portion Bescheidenheit an den Tag legen. Im Wort Demut steckt Mut. Man könnte sagen: Es geht um den Mut zum Dienen. Ja, es gehört tatsächlich Mut dazu, sich auf einen geistlichen Wachstumsprozess einzulassen, damit die Haltung der Demut wachsen und in einem heranreifen kann. Das ist ein anstrengender Prozess; denn der Egoismus, das Fixiert-Sein auf das Ego, stehen diesem geistlichen Wachstumsprozess im Wege. So ergibt sich die Aufgabe, an sich zu arbeiten, den eigenen Charakter zu bilden, bis das „Ich“, das Ego den Platz findet, der ihm angemessen ist, und das ist die Haltung der Demut gegenüber dem Schöpfer und den Mitmenschen. Das ist wahrlich kein leichter Weg, und er dauert ein Leben lang. Und wenn dieser Weg konkret wird, dann wird es richtig schwer, wenn es zum Beispiel darum geht, jemand anders den Vortritt zu lassen, im Beruf, im Sport, in der Schule oder in der Freizeit.

Die zweite Zumutung hängt mit der neuen Gemeinschaft nach der Botschaft des Evangeliums zusammen. Im heutigen Evangelium kommt Jesus auf die Einladung zum Gastmahl zu sprechen. Er sagt: „… wenn du ein Essen gibst, dann lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein, … sondern lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten.“ (Lk 14,12ff)

Man muss sich dieses Wort Jesu auf der Zunge zergehen lassen. Zu einem Fest nicht oder nicht nur Bekannte und Freunde einzuladen, sondern vor allem Menschen, die am Rand der Gesellschaft sind. Das ist bestimmt kein leichtes Unterfangen und wird zumindest am Anfang Überwindung kosten. Aber wenn wir es versuchen wie Bruder Martin in der Straßenambulanz in Ingolstadt, dann mag uns vonseiten der Armen und Obdachlosen eine Welle der Dankbarkeit entgegenkommen. Papst Franziskus ruft uns als Kirche ja unermüdlich dazu auf, gerade zu den Menschen am Rande zu gehen. So kann Kirche zum Werkzeug des Heils und „Feldlazarett“ für die Menschen werden.

Dompropst Alfred Rottler, Nr. 35 vom 28. August 2022 - Evangelium (Lk 14, 1.7–14)


22. Sonntag im Jahreskreis

Ein Mensch, dem nichts daran liegt, reich zu werden und aufzusteigen,
der einfach gut sein und dienen will, das kommt so selten vor, dass es geradezu verdächtig erscheint.
Verdienen, besitzen, sich behaupten:
das scheint wichtiger und sinnvoller zu sein, als gut zu sein und nichts zu haben.
Die Demut hat in unserer Welt so wenig einen Stellenwert wie die Unschuld.
Aber nur zum Demütigen kann Gott sagen:
Mein Freund, rücke weiter hinauf.

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