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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

29.12.2021

Seid keine Rettungsverweigerer!

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ – so griffig bringt Johannes das Weihnachtsgeschehen auf den Punkt. Andere übersetzen diese Stelle so: „Er hat unter uns gezeltet!“ Das ist eine korrekte Übersetzung aus dem Griechischen. Und sie hilft mir das Gesagte noch besser zu verstehen.

Wer zeltet, lebt auch bescheiden, hat keine Bodyguards und anderes Hauspersonal, verzichtet auf Komfort und Luxus. Und dieser Wohnstil zieht sich bei Jesus Christus durch, von der Geburt an bis zum Kreuz. Wäre Jesus in einem Palast auf die Welt gekommen, dann hätten die Hirten, das Gesocks von damals, keine Chance gehabt ihn zu besuchen. Der Blick auf ihre Herkunft und Kleidung hätte genügt, sie wieder weg-zuschicken. Und wegen der Konfessionsverschiedenheit hätten die Weisen auch keinen Zugang bekommen. 

Jesus hat nie jemandem seine Nähe und sein Wohlwollen vorenthalten. Was für ein Aufruhr unter den Frommen, als er mit Sündern isst. Redet am Jakobsbrunnen mit einer stadtbekannten Hure, dass sich sogar seine Jünger, die schon einiges von ihm gewohnt sind, wundern. Und dem Verbrecher an seiner Seite, der ihn bittet doch auch an ihn zu denken, wenn er im Himmel ist, hat er ohne Prüfung seiner Bußfertigkeit auf den Kopf zugesagt: „Heute noch, wirst du bei mir im Paradies sein!“ (Lk 23, 43)

Dostojewski hat das in seinem Buch „Schuld und Sühne“ treffend formuliert: „Und Jesus wird sprechen: Kommt zu mir, ich werde euch vergeben. Und alle wird er richten und allen vergeben, den Guten und den Bösen, den Weisen und den Toren. (...) Und er wird sagen: Schweine seid ihr, aber kommt auch ihr! Und alle Weisen und Klugen werden fragen: Herr, warum nimmst du ausgerechnet diese hier auf? Und er wird antworten: „Darum nehme ich sie auf, ihr Klugen, weil sich kein einziger von ihnen dessen für würdig gehalten hat!“

Hat nicht schon Petrus Jesus aufgefordert: „Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch! Und obendrein hat er bei der Verurteilung eine fiese Rolle gespielt. Auf einmal stellte er sich so doof, dass er sich zur Aussage hinreißen lässt: Ich kenne diesen Menschen nicht! Wegen Illoyalität würde der heute aus jedem Betrieb hochkantig rausgeschmissen.

Und wieder eine andere Schriftstelle fasst das Weihnachtsgeheimnis so zusammen: „Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes. (Titus 3, 4) Zählten nicht die hochkarätigen Sünder zur Stammkundschaft Jesu? Er hatte ein Herz für seine Stammkundschaft, die ihm schon im Stall von Betlehem und dann auch am Kreuz „treu“ blieb. Der heidnische Hauptmann, der das Martyrium mit ansah, bekannte: „Dieser Mann war Gottes Sohn!“

Vom Kreuz und von Betlehem habe ich verstanden, dass dort Jesus für die Sünder den roten Teppich ausgerollt hat. Wenn das so ist, dann habe ich eine Top-Adresse. Nur zu singen: „Christ der Retter ist da“, und keiner geht hin, das ist zu wenig. Ich brauche nicht auf meinem Scherbenhaufen sitzen zu bleiben. Sonst bin ich nichts anderes als ein Rettungsverweigerer. Was für eine Botschaft! Habe ich sie schon kapiert oder ziere ich mich noch?

P. Josef Lienhard Nr. 1 vom 2. Januar 2022 – Evangelium (Joh 1, 1–5.9–14)


Zweiter Sonntag nach Weihnachten

Die guten Anfänge kommen aus der Stille.
Im unfassbaren Schweigen spricht Gott sein Wort, den ewigen Sohn.
Das Licht leuchtet, es rettet und richtet.
Im Licht des ewigen Wortes steht unsere Zeit,
auch dieses neu begonnene Jahr.

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