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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

10.08.2022

So sorgte Jesus immer wieder für Zündstoff

Ist „brav soll ich sein, fromm soll ich sein“, ein christliches Erziehungsideal? Wir kennen die Schlafzimmerbilder, auf denen die „heilige Familie“ dargestellt ist: Maria, Josef und der „liebe Jesus“.

Aber war Jesus lieb? War er nicht schon mit zwölf Jahren rotzfrech, als seine Eltern ihm Vorwürfe machten, sie hätten ihn gesucht? Das war keine pubertäre Trotzreaktion, Jesus berief sich ausdrücklich auf den Willen seines himmlischen Vaters, dem er alles unterordnen wollte. Auch bei der Hochzeit von Kanaan entpuppte sich Jesus nicht als pflegeleichter Sohn, als er seiner Mutter unmissverständlich erklärt, dass „seine Stunde noch nicht gekommen sei“.

Drangen bei seinen öffentlichen Auftreten nicht die „lieben Verwandten“ auf Maria ein, ihren so frechen Sohn, der selbst gegenüber religiösen Autoritäten forsch auftrat, endlich wegen seiner peinlichen Aktionen aus dem Verkehr zu ziehen? Die ganze Verwandtschaft schämte sich für ihn. Ja, er nennt die Hochwürden Natterngezücht, vergleicht sie mit übertünchten Gräbern, die nach außer tipptopp sind, aber innen faul und stinkig. Behauptet sogar, dass eine Prostituierte eher in den Himmel kommt als die frommen Priester. Und was ist im Haus des frommen Pharisäers passiert? Jesus lässt sich vor aller Augen von einer zwielichtigen Dame die Füße waschen. Und Berührungsängste mit den so verhassten kriminellen Zöllnern hatte er auch nicht.

Kann man noch mehr provozieren? Jesus – der Rebell gegen religiöse Traditionen, der Kämpfer gegen falsche religiöse Denkweisen und Praktiken, der Kritiker der Reichen und Mächtigen, er passt nicht in das Bild vom „lieben Jesulein“.

Und wenn wir im Evangelium vom heutigen Sonntag lesen: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen“, dann überrascht uns das natürlich. Das klingt wie aus dem Mund eines Rebellen. So sorgte Jesus für Zündstoff: Die einen sind Feuer und Flamme, wenn sie Jesus hören, die anderen kochen vor Wut. Jesus, ein Brandstifter, der nicht mit den Mächtigen kuschelt, um lieb Kind zu sein. Er weiß um die Wirkung seiner Worte. Er weiß, dass sie eine Entscheidung verlangen: „Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, ich sage euch, nicht Frieden, sondern Spaltung“.

Ein Umstand, der durch die gesamte Kirchengeschichte ins Auge fällt. So hatte die sogenannte konstantinische Wende, durch die das Christentum sozusagen Staatsreligion wurde, in ihrem Schlepptau nicht nur Gutes, sondern auch die Versuchung es immer mit den Mächtigen zu halten. Auf diesem „Altar“ wurden allzuoft die Werte des Evangeliums geopfert! Unsere katholische Kirche hat es oft mit den Mächtigen gehalten und hat die Auseinandersetzung gescheut. Und der orthodoxe Patrirarch Kyrill I. von Moskau kuschelt mit Putin, um nicht in Ungnade zu fallen.

Wenn die Frauen und die Apostel, die im Pfingstsaal versammelt waren, den Feuerlöscher betätigt hätten, wäre der Pfingstgeist verpufft. Sie wurden zu „Feuermeldern“, weil sie plötzlich „Feuer unterm Hintern hatten“ und nicht als Stubenhocker in die Geschichte eingingen.

Im Gegenteil: „Wie können wir schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ sagten Johannes und Petrus, als sie nach einer Auspeitschung aufgefordert wurden, ab jetzt den Mund zu halten.

Wie oft wurden und werden Menschenrechte verletzt, weil wir Christenmenschen uns weggeduckt haben, angeblich nichts gesehen und gehört haben. Als die Flüchtlingskrise kam, haben wir vergessen, dass die heilige Familie in Ägypten Asyl bekam. Dies wohl wissend, hatten wir keine Scheu Flüchtlinge als Asyltouristen zu beschimpfen. Hat Jesus uns nicht aufgefordert „Fremde zu beherbergen, Nackte zu bekleiden“?

P. Josef Lienhard

 

Nr. 33 vom 14. August 2022 - Evangelium (Lk 12, 49–53)


20. Sonntag im Jahreskreis

Symbole des Lebens wie des Todes sind Wasser und Feuer.
Das Wasser reinigt und erfrischt,
es kann aber auch zerstören und töten.
Das Feuer wärmt, löst und verwandelt oder es richtet und verbrennt,
was nicht länger bestehen soll.
Jesus ist mit Wasser getauft worden,
und er ist in das Feuer des Gottesgerichts hineingegangen,
um uns alle zu retten.

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