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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

06.10.2017

Träume mich, Gott!

Als ich am vorvergangenen Wochenende bei der Vollversammlung des Diözesanrats von meiner Tätigkeit als Flüchtlingsreferentin berichtete, konnte ich der Tagesordnung entnehmen, dass die Mitglieder sich bei dieser Versammlung auch intensiv mit dem Wort der Deutschen Bischöfe „Gemeinsam Kirche sein“ beschäftigt haben. An diesem Dokument beeindruckt mich immer wieder das Kapitel, in dem es um die Charismen als Reichtum der Kirche geht. Charismen sind nicht das, was ein Mensch sich angelernt hat und nun gut beherrscht, sondern Gaben des Heiligen Geistes, die jedem Menschen geschenkt sind, damit durch ihn oder sie Gottes Geist überraschend lebendig wird. Bei der Vorbereitung auf meinen Vortrag wurde mir deutlich, wie viele Charismen in  den vergangenen Jahren in den Gemeinden geweckt wurden, als Menschen sich für  Geflüchtete eingesetzt haben und als in ihnen Fähigkeiten geweckt wurden, von denen sie vielleicht selbst noch nichts ahnten. 

Die Gaben des Heiligen Geistes kommen oft dann zur Entfaltung, wenn um uns herum alles ein wenig in Unordnung geraten ist, wenn das Gewohnte durchbrochen wird und frischer Wind durch offene Türen weht. Nicht immer fällt es uns leicht, uns auf Neues, Ungewohntes oder Fremdes einzulassen. Durch die vielen geflüchteten Menschen wurden Gemeinden und viele ehrenamtlich Engagierte vor große Herausforderungen gestellt. Doch fast alle bestätigen mir in Gesprächen, dass sie sich, trotz aller Mühen, beschenkt fühlen durch die vielen Impulse, die ihr eigenes Leben durch die Begegnung mit den neuen Bürgerinnen und Bürgern erfahren hat. 

Ich verstehe das heutige Evangelium, das Bezug auf das Weinberglied des Propheten Jesaja nimmt, so: Gott träumt von einem lebendigen Weinberg, der offen ist für die vielen Charismen, die die Kirche überraschen und in Freiheit und Vielfalt bereichern.

Dies geschieht natürlich nicht nur in der Flüchtlingshilfe, sondern genauso in jedem anderen Bereich unserer Gemeinden. Vielleicht könnte die Offenheit für die Charismen auch dadurch zum Ausdruck kommen, dass wir weniger nach unseren eigenen Vorstellungen fragen, sondern danach, wie der Traum Gottes von einem lebendigen Weinberg durch die ganz unterschiedlichen Charismen Wirklichkeit werden kann. Diese Hoffnung auf eine Entfaltung der Charismen, der Träume Gottes von uns Menschen, findet sich auch in einem Gebet von Dorothee Sölle: 

„Du hast mich geträumt gott / wie ich den aufrechten gang übe / und niederknien lerne / schöner als ich jetzt bin / glücklicher als ich mich traue / freier als bei uns erlaubt 

Hör nicht auf mich zu träumen gott / ich will nicht aufhören mich zu erinnern / dass  ich dein baum bin / gepflanzt an den wasserbächen / des lebens“

Cordula Klenk, Kirchenzeitung Nr. 41 vom 8. Oktober 2017

Dr. Cordula Klenk. Foto: Anita Hirschbeck

Dr. Cordula Klenk stammt aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sie studierte Diplomtheologie  und Lehramt Religionslehre und Musik für  die Realschule. Nach ihrer Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Religionspädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt promovierte sie 2005 in katholischer Theologie. Von 2013-16 war sie Pastoralassistentin in Weißenburg, St. Willibald. Seit Juli dieses  Jahres arbeitet sie als Referentin für die Flüchtlingshilfe im Malteser-Diözesanverband.

Lesungen zum 27. Sonntag im Jahreskreis 

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 51 vom 17.12.2017

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