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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

01.09.2021

Von Gottes unvergleichlicher Heilkraft

"... nichts, aber auch gar nichts uns von der Liebe, die Gott zu uns hat, trennen kann"

Von Gottes unvergleichlicher Heilkraft. Foto: pixabay

Bei der Meditation über dieses Evangelium blieb ich zunächst an dem Satz hängen:„Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren.“ Nicht aus Verzweiflung lief dieser Taubstumme zu Jesus, sondern man schleppte ihn dorthin, damit Jesus ihn berühre. Und das alles geschieht in einem heidnischen Gebiet! Was hat Jesus dort bei dem Heidenpack zu suchen, fragen sich viele.

Berührungängste kannte Jesus nicht. War es nicht auch ein heidnischer Hauptmann, der Jesus bat, einen seiner Soldaten zu heilen? Und Jesu ging darauf ein und heilte ihn. Was für ein Riesenvertrauen hatte doch dieser Hauptmann zu Jesus, von dem er gehört hatte, dass er imstande sei, Kranke zu heilen. Und ausgerechnet von diesem Mann sagt Jesus, dass er in ganz Israel, das so viele fromme und bibelfeste Frauen und Männer hatte, nicht so einen gläubigen Menschen gefunden hat. Ein Heide überbietet und toppt die Frommen!

Während eines Heimaturlaubes bekam ich plötzlich einen Hexenschuss. Ich hatte dort keinen Hausarzt, zu dem ich jetzt hätte gehen können. Und die Schmerzen waren sehr groß. Jetzt war schnelle Hilfe angesagt. Meine zupackende Nichte Ulli „schleppte“ mich kurzerhand zu einem Physiotherapeuten. Dieser Mann, sagte sie mir, habe heilende Hände: „Dem kannst du vertrauen!“

Er ging ans Werk und sagte dabei zu mir: „Die Menschen werden oft nicht geheilt, weil die Ärzte immer weniger ihre Hände gebrauchen. Hände sind zum Heilen da.“ Das hatte ich bis dahin noch von keinem in dieser Branche gehört. Sprechen wir bei Ärzten nicht von „Halbgöttern in Weiß“, weil wir von ihnen Heilung erhoffen? In den Augen meines Physiotherapeuten benutzen sie zu wenig die Hände, weil sie zu schnell zum Rezeptblock greifen.

Interessant, dass wir bei den meisten Sakramenten die Menschen mit den Händen salben. Was Gott in die Hände nimmt, verwandelt, heilt er. So werden wir gesalbt – und nicht angeschmiert. Die Heilkunst, die von Jesus ausgeht, ist vielfältig. Er „hat ein Händchen“ sogar für Fälle, die andere schon aufgegeben haben. Aus dem Halsabschneider Zachäus wird ein großzügiger Menschenfreund. Aus einem Vielfachmörder Paulus wird einer, der uns an seiner Erfahrung teilnehmen lässt, dass „nichts, aber auch gar nichts uns von der Liebe, die Gott zu uns hat, trennen kann“ (Röm 8, 38). Er möchte in die Hände Gottes fallen, um nicht hinsondern aufgerichtet zu werden.

Trauen wir dieses Wunder Gott zu? In Worten schon. Mit vollem Brustton beten wir vor dem Empfang der heiligen Kommunion das Bekenntnis des heidnischen Hauptmanns nach: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort und meine Seele ist gesund!“

Und was passiert danach? Viele gehen zur Kommunion, manche ziehen es vor, nicht zu gehen. Haben wir danach das Gefühl, dass Jesus uns berührt hat? Begreifen wir, dass Gott in unseren inneren Saustall kommt, um auszumisten, um uns zu heilen und uns eine neue Lebensqualität zu geben, die niemand sonst uns geben kann? Wenn Jesus zu uns kommt, ist Heilung angesagt. Jesus ist kein Halbgott, sondern ein Vollgott, weil er uns in jeder Hinsicht rehabilitiert.

Der Maler Rembrandt hat dem Vater, dessen Hände den verlorenen Sohn umarmen, eine mütterliche und eine väterliche Hand gegeben, umden ganzen Reichtum göttlicher Liebe „auszumalen“. Wenn kein Mensch mehr sich für mich den Finger krumm macht, vielleicht mit dem Finger auf mich zeigt, bleibt die Hand Gottes ausgestreckt. Er nimmt mich sogar in den Arm. Es ist ein Wunder!

P. Josef Lienhard, Nr. 36 vom 5. September 2021– Evangelium: Mk 7, 31–37


23. Sonntag – im Jahreskreis

Dialog heißt Gespräch. Das Wort wird „gesendet“ und vielleicht kommt es an.
Dann schafft es Beziehung, Gemeinschaft, Einheit.
Der Mensch verwirklicht sich im Gespräch; ohne Gespräch verkümmert er.
Wenn Menschen aneinander vorbeischweigen, steht es schlecht.
Gott selbst ist wesentlich Gespräch: er spricht das ewige Wort,
und er sendet es in unsere Zeit, in mein Leben hinein.
Das Wort aber wartet auf Antwort.

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