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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

23.11.2022

„Wachet auf! – adventliche Parole gegen Blindheit

„Wachet auf! – adventliche Parole gegen Blindheit

„Wachet auf! – adventliche Parole gegen Blindheit Foto: epd

Kann es eigentlich noch schlimmer kommen? Energiekrise, Coronakrise, Klimakrise, Inflationskrise, Hungerkrise, Flüchtlingskrise, und dann noch die vielen Konfliktfelder in der Politik und die vielen kriegerischen Auseinandersetzungen auf der ganzen Welt. Wer hält das noch aus?

In solch einer krisengeschüttelten Zeit griff Friedrich von Spee (1591-1635) zur Feder und hat uns dieses Adventslied geschenkt: „Wo bleibst du Trost der ganzen Welt? (...) komm tröst uns hier im Jammertal!“ Zu seiner Zeit tobte der 30-jährige Krieg und obendrein kam die Pest. 40 Prozent der europäischen Bevölkerung starben. Und dann noch die Hexenverbrennungen, sodass Friedrich von Spee ergraute, wie er schrieb. Wegen seiner Kritik am Umgang mit sogenannten Hexen verlor er seine Professur in Paderborn, sollte sogar exkommuniziert werden, floh nach Trier, versteckte sich nicht, sondern verschrieb sich, trotz bodenloser Traurigkeit, schließlich der Betreuung von Pestkranken, wurde infiziert und starb mit 34 Jahren. Trotz großer Verbitterung, Verfolgung durch kirchliche Behörden, packte er an. Er protestierte und riskierte sein eigenes Leben. Er benutzte Kopf und Herz, um die dämonische Logik des „Immer weiter so“ zu knacken.

„Wutbürger“ kennen wir heute auch. Sie schreien lautstark auf unseren Straßen. Und jetzt treten junge Leute auf, die unter dem Selbsterkennungszeichen „die letzte Generation“ die Menschen zur Verhinderung einer globalen Umweltkatastrophe auffordern wollen – zugegeben mit fragwürdigen Mitteln, aber medienwirksam.

Sensibel und wachsam für die mögliche Umweltkatastrophe durch Erderwärmung sind viele Menschen. Wahrheitswidrig gibt es auch viele Leugner, die ein „Weiter so!“ propagieren. Haben nicht schon die Propheten geklagt: „Die Menschen haben Augen und sehen nicht. Ohren und hören nicht!“ Ist es möglich, dass Menschen betriebsblind werden und sich einfach wegducken? Und nach einer politischen Katastrophe schieben sie dann noch hinterher: „Wenn ich das gewusst hätte“!?

Die Propheten der biblischen Schriften waren Störenfriede und riskierten ihr Leben. Sie hatten einen lebensgefährlichen Job. Jeremias klagte, weil er erfolglos blieb, in tiefster Depression: „Verflucht die Stunde als ich geboren wurde!“ Prophet mit Selbstmordgedanken. Und sagte nicht Jesus selbst einmal: „Jerusalem, Jerusalem du mordest die Propheten, die zu dir geschickt sind!“, um dann selbst genau dieses Schicksal zu erleiden – weil er den Mund eben nicht halten konnte.

Dietrich Bonhoeffer hat es auf den Punkt gebracht: „Man darf nur gregorianisch singen, wenn man auch für die Juden schreit“! Der Christ soll ein Störenfried sein, auch wenn er riskiert, weggesperrt zu werden. Die oft vorgebrachte These: „Da kann man sowieso nichts machen“, darf uns nicht in die Selbstisolation treiben. „Nach uns die Sintflut“ ist ein Gift, das uns lähmt. „Wachet auf!“ – diese adventliche Parole ist das Gegengift, unser Aufputschmittel. Die Schöpfung und ihr Schutz sind uns anvertraut und zugemutet. Ausbildungszentrum und Einsatzort für die Apostel, wie für uns, ist nicht irgend ein abgeschotteter Schutzraum, es ist das Leben, der Alltag, die Straße. „Geht hinaus“, hat Jesus gesagt. Der Schlafwagen darf für adventliche Menschen nicht zum Lieblingsaufenthaltsort werden. Die Folgen wären verheerend!

Pater Josef Lienhard Nr. 48 vom 27. November 2022 – Evangelium (Mt 24, 37–44)   


Erster Adventssonntag

Der Anfang der Geschichte und ihre Vollendung durch Christus,
das Kommen des Herrn und seine Anwesenheit in unserer Welt:
Im Advent wird uns das alles gegenwärtig.
Gott kommt uns entgegen.
Wir brechen auf in die Zukunft,
die er uns bereitet.

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