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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

26.10.2022

Wandel-Wunder: Vom Geldeintreiber zum Teilenden

Wandel-Wunder: Vom Geldeintreiber zum Teilenden

Foto: pixelio/Dieter Schütz

Wer schon einmal im Heiligen Land war, kam bestimmt auch nach Jericho, wo nach der Überlieferung der Baum steht, auf dem Zachäus Jesus erwartet hat. Es ist ein großer Maulbeerfeigenbaum, der die Menschen bis heute an diese Geschichte erinnert. Tief hat sich diese Begegnung des Oberzöllners mit Jesus in das kollektive Gedächtnis der Christen eingeprägt. Was ist so besonders daran?

Zunächst verwundert es schon, dass ein Zöllner überhaupt die Begegnung mit Jesus sucht. Zachäus hat sich ja mit der römischen Besatzungsmacht arrangiert. Er hat sich langsam nach oben gearbeitet und in Kauf genommen, dass er von vielen seiner Landsleute gehasst wurde, weil er mit den Römern zusammenarbeitete. Und nun will er unbedingt den Mann sehen, von dem alle Welt fasziniert ist und redet. Warum, so fragt man sich. Woher kam dieses Bedürfnis? Was hat Zachäus gefehlt? Hat er vielleicht gespürt, dass Geld allein nicht glücklich macht? Auf jeden Fall hat sich Zachäus etwas Kindliches im Herzen bewahrt, so dass er auf einen Baum steigt, weil er Jesus sehen will. Irgendwie hat er eine unbändige Sehnsucht, mit ihm in Kontakt zu kommen. Und genau das merkt Jesus. 

Als der an dem Baum vorbeikommt, auf dem der Zöllner sitzt, sagt er: „Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben.“ Und Zachäus fackelt nicht lange, er steigt eilends vom Baum und nimmt Jesus freudig bei sich auf. 

Eine weitere Besonderheit im Evangelium von diesem Sonntag ist, dass Jesus bei einem Sünder einkehrt. Er nimmt es in Kauf, dass die Menschen, die das mitbekommen, murren und Kritik an seinem Verhalten üben. 
Sie kritisieren, dass Jesus mit einem Sünder Kontakt pflegt und so nach jüdischem Gesetzesdenken unrein wird. Jesus setzt sich über diese Denke hinweg, denn er blickt tiefer, auf das Herz des Menschen. Und da hat er offensichtlich bei Zachäus einen guten Kern entdeckt. 

Man erkennt es daran, dass der Besuch Jesu bei Zachäus eine gewaltige Wirkung zeigt. Zachäus erfährt eine innere Umkehr und bekennt: Herr, die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.“ Die Begegnung mit Jesus hat Zachäus gewandelt: Aus einem Geldeintreiber ist ein Teilender geworden. Zachäus hat Wesentliches der Botschaft Jesu begriffen, die tätige Nächstenliebe. Zachäus hat erfahren, dass die Begegnung mit Jesus ungemein prägend sein kann und das bisherige Leben auf den Kopf stellt. 

Eine ähnliche Erfahrung machen Menschen auch heute noch. Ich komme immer wieder mit Menschen in Kontakt, die erzählen, dass sie zu Jesus Christus eine persönliche Beziehung gefunden haben und dass diese Beziehung ihr Leben total verändert hat.

Aus der Zachäusgeschichte können wir lernen. Wir dürfen uns nicht vorschnell von einer Denke leiten lassen, die die Menschen eher äußerlich betrachtet und dann in gut und böse einteilt. Wir dürfen vielmehr von Jesus lernen, tiefer zu blicken, auf das Herz des Gegenübers zu schauen und den guten Kern im Andern zu entdecken versuchen. Es gilt, was ich einmal auf einem Kalenderblatt gelesen habe: Menschen, die lieben, sehen tiefer.

Dompropst Alfred Rottler, Nr. 44 vom 30. Oktober 2022 - Evangelium (Lk 19, 1–10)


31. Sonntag im Jahreskreis

Es gibt in der Welt Sünder und Heilige, auch in der Kirche.
Wir selbst rechnen uns wohl nicht zu den Heiligen,
aber auch nicht eigentlich zu den Sündern.
Es muss da doch noch einen mittleren Weg geben, so denken wir.
Nur – Jesus war froh, wenn er einen Sünder fand,
dem er helfen und den er umarmen konnte.

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