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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

30.07.2021

Warum suchen wir Jesus?

Worauf kommt es wirklich an? Wofür lohnt sich unser Einsatz? Was zählt letztendlich im Leben? Das heutige Evangelium gibt Antwort auf diese Fragen – und hinterfragt uns dabei selbst. Es wird berichtet, dass Menschen, die Jesus nach der Brotvermehrung aus den Augen verloren und nach hartnäckiger Suche wieder gefunden haben, von Jesus scheinbar zurückgewiesen werden. Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr satt geworden seid. Diese Menschen suchen bei Jesus nur rein Äußeres. Sie suchen Brote, die schnelle und leichte Abhilfe ihrer Sorgen, materielle Gaben. Sie suchen aber nicht Jesus um seiner selbst willen, der sich als eigentliche Gabe geben will. 

Liebe aber will nicht nur etwas geben, sondern sich selbst. Warum suchen wir Jesus? Was erwarten wir von ihm? Suchen wir bei Jesus tatsächlich den wahren Freund für unser Leben? Einen Gott, der unser Leben in seiner Hand hält? Dem wir uns anvertrauen können, weil wir sicher wissen, dass er das Beste für uns will, auch wenn wir manches nicht verstehen? Jesus ist nicht gekommen, um „nur“ den materiellen und leiblichen Nöten abzuhelfen. Er hat während seines irdischen Lebens nicht alle Kranken in Palästina geheilt, nicht alle Hungernden gespeist. Auch wenn das leibliche und materielle Wohl ein hohes Gut ist, so geht es nicht in erster Linie darum. 

Gott ist auch und gerade in der Not gegenwärtig. Im Folgenden weist er uns auf das Entscheidende hin: Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt. Seit der frühen Kirche hat man in dieser Speise, die ewiges Leben gibt, die Eucharistie gesehen, in der sich uns unter der äußeren Gestalt von Brot und Wein ganz real Jesus in seiner Gottheit und Menschheit schenkt. Jesus selbst gibt sich uns zur Nahrung, er gibt nicht nur Brote, sondern ist selbst das lebendige Brot. Bei der Kommunion kommt also der unendliche Gott selbst in unser Herz und wartet darauf, aufgenommen zu werden, um uns mit seiner göttlichen Kraft und Liebe zu erfüllen. 

Der große Kirchenvater Augustinus berichtet von einer göttlichen Stimme, die er sprechen hörte: „Du wirst mich nicht wie eine leibliche Speise in dich verwandeln, sondern wirst in mich verwandelt werden.“ In der Eucharistie lädt Gott ein, uns immer mehr von ihm durchdringen, ja vergöttlichen zu lassen, ihm immer mehr Raum in unserem Herzen zu geben und ihn durch uns wirken zu lassen. 

Doch wenn wir ehrlich sind: Wie viel Gedanken und Mühen richten wir darauf? Sind unsere Aufmerksamkeit und Sorge nicht eher auf die äußeren, materiellen Dinge gerichtet, auf Gesundheit, Schönheit, Karriere, Ansehen und Beruf? Die heilige Teresa von Avila rät uns, sich bei der Kommunion ganz real das Kommen Jesu in unser Herz vorzustellen. Es ist derselbe Jesus, der zu seinen Lebzeiten Kranke geheilt, Wunder gewirkt und dem als verherrlichten Herrn alle Macht gegeben ist. Sie lädt ein, Jesus wie eine wirkliche Person bei sich im Herzen aufzunehmen, ihn zu begrüßen, sich zu seinen Füßen zu setzen, ihm zu lauschen und ihm das eigene Herz zu öffnen oder ihn im Schweigen anzusehen, zu lieben und sich lieben zu lassen. Mühen wir uns um diese Speise, die für das ewige Leben bleibt.

Pia Sommer Nr. 31 vom 1. August 2021 – Evangelium: Joh 6, 24-35


Achtzehnter Sonntag im Jahreskeis

Die Werbung sagt uns jeden Tag, was wir alles kaufen müssen, um modern zu sein. Sie sagt uns aber nicht, was wir brauchen, um Menschen zu sein. Der moderne Mensch ist noch lange nicht der neue Mensch, wie Gott ihn haben will. Der neue Mensch lässt sich weder auf das Diesseits einschränken noch auf das Jenseits vertrösten. Er ist nicht damit zufrieden, dass er „noch“ lebt; er weiß, dass er „schon“ lebt: das ewige Leben hat schon begonnen.

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