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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

08.09.2021

Was bedeutet das: sich selbst verleugnen?

Vorbild Jesus: Das Kreuz annehmen

Vorbild Jesus: Das Kreuz annehmen. Foto: Kreitmeir

Kreuz, Leiden, Sich-Verleugnen, das Leben verlieren – heute mutet uns Jesus viel zu. Wir hören diese Begriffe nicht gerne, noch dazu, wenn gesagt wird, dass das zum Leben des Christen dazugehört. Wir haben meist Angst vor dem Leid, und bei dem Gedanken an das Kreuz (des täglichen Lebens) wird uns unwohl.

Den Jüngern, und besonders sehen wir das im heutigen Evangelium bei Petrus, ist es da nicht anders gegangen. Er schlägt Jesus vor, einen menschlich „geschickteren“ und angenehmeren Weg zu gehen – doch Gottes Pläne sind anders. Jesus spricht in aller Freimut von seinem Schicksal: Er wird gefangen, von den obersten religiösen Autoritäten verworfen und schließlich getötet werden. Warum? Warum wählt Gott diesen Weg der Erlösung? Wären ihm in seiner Allmacht nicht auch andere Möglichkeiten offen gestanden? Warum der schwere Weg der Erlösung über den Tod am Kreuz und warum sollen wir Jesus auf einem solchen Weg nachfolgen?

Die Kirchenväter und -lehrer geben oft die Antwort, dass dieser Weg des Leidens und des Opfers die Größe der Liebe Gottes zu den Menschen auf besondere Weise offenbart. Ein spanischer Kirchenlehrer, der heilige Johannes von Ávila, bringt das Unfassbare der Erlösung in ein etwas ungewöhnliches, aber passendes Bild. Er sagt, die Erlösung des Menschen durch Gott sei ähnlich verrückt, wie wenn ein Mensch für ein Würmlein aus Liebe sterben würde – und dabei ist der Abstand zwischen Gott und Mensch noch unendlich größer.

Die Liebe Gottes zum Menschen macht vor nichts Halt. Sie lässt sich auch nicht durch Ablehnung, Leiden und einen grausamen Tod am Kreuz abbringen. Sie ist unwiderruflich. Gott hält das Ja zu uns, zu jedem Einzelnen, durch, koste es ihn, was es wolle, selbst einen grausamen Tod. Jesus fordert heute nicht nur seine engsten Jünger, sondern die ganze Volksmenge dazu auf, ihm auf diesen Weg der Liebe nachzufolgen, das heißt sich selbst zu verleugnen und das Kreuz auf sich zu nehmen und hinter ihm herzugehen – und sozusagen seine Liebe zu erwidern. Was aber heißt das konkret?

Wenn man ehrlich in sein Herz blickt, dann sieht man, dass oft die Liebe und der Egoismus die treibenden und sich widerstreitenden Kräfte unserer Entscheidungen sind. Sich selbst verleugnen heißt, weniger auf sich selbst und seinen Vorteil zu schauen, sondern darauf, was die anderen brauchen, was sie mir erzählen möchten, wo sie Zeit und Unterstützung brauchen – was nicht heißt, dass man nicht achtsam gegen sich selbst sein soll. Die vielen Widrigkeiten des Alltags lassen sich gut ertragen, wenn ich sie in Liebe als mein „tägliches Kreuz“ annehme.

Und: Ich weiß, dass ich mit meinem Kreuz nicht allein bin. Jesus geht nicht nur mit mir, sondern geht voraus. Wenn ich müde bin, kann ich bei ihm Kraft und Trost finden. Es geht also nicht darum, sich irgendwelche selbstgebastelten Kreuze zu suchen oder in eine passive Haltung zu verfallen, sondern seinen Alltag aus Liebe zu Gott zu gestalten und der Liebe immer mehr Platz vor dem Egoismus einzuräumen. Wenn wir so leben, werden wir merken, dass unser Leben auf eine ganz neue Weise glücklich wird, dass wir unser Leben vielleicht Stück für Stück an die anderen „verlieren“, dass mich aber ein neues  göttliches Leben immer mehr mit echter Freude und Liebe erfüllt.

Pia Sommer, Nr. 37 vom 12. September 2021– Evangelium: Mk 8, 27-35


24. Sonntag – im Jahreskreis

Wer nach Jesus fragt, wird vor die Entscheidung gestellt:
Und du, wer bist du, was glaubst du, was tust du?
Der Glaube ist nur als Tat des ganzen Menschen möglich.
Der Ort des Glaubens ist die Mitte des Menschen, das „Herz“.
Aus dem Herzen kommt das gute Wort und die gute Tat.

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