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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

02.11.2022

Was geht im Himmel ab?

Sicher ist nur unser Tod. Und trotzdem ist das Thema Tod ein Tabuthema, das bestens verdrängt wird. Wann, wo und wie wir sterben, weiß keiner. Viele sterben einsam und verlassen. Wie dramatisch das Sterben sein kann, hat uns die Corona-Zeit nachhaltig gelehrt, weil Besuche bei Sterbenden verboten waren. Wenn ich den Umfragen trauen darf, dann glauben nur 50 Prozent der Gläubigen an ein Leben nach dem Tod. Bert Brecht hat ganze Arbeit geleistet, wenn er in seinem Gedicht „Gegen Verführung“ schreibt: „Lasst euch nicht verführen! / Es gibt keine Wiederkehr. (...) Ihr sterbt mit allen Tieren. Und es kommt nichts nachher“.

Ähnlich dachten auch die Sadduzäer. Mit einem konstruierten Fall wollten sie Jesus beweisen, wie absurd der Gedanke an die Auferstehung ist. Die Reaktion Jesu: „Gott ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden, denn für ihn sind alle lebendig!“ Aber was heißt das? 

Eine Lehrerin einer Gesamtschule hatte mich eingeladen mit 15-16-jährigen Schülerinnen und Schülern über den Tod zu reden. Ich fand eine lustlose Truppe vor. Was tun? So fing ich einfach an zu berichten, was ich bei Sterbenden erlebt habe. Überraschenderweise hörte man mir interessiert zu. Am Ende der Stunde klatschten die Schüler und baten mich, noch einmal zu kommen, um mehr über dieses Thema zu hören. 

Aber was geht im Himmel ab? Jesus hat diesen Zustand nicht im Detail geschildert. Wir dürfen uns überraschen lassen: „Wenn schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern so viel Gutes zu geben wisst, wieviel mehr euer Vater im Himmel“.

Oft schon habe ich mich gefragt. Warum beten wir immer „Schenke ihnen ewige Ruhe!“ Ich will doch im Himmel nicht im Sessel hocken und schweigen oder den ganzen Tag Halleluja singen. Wahrscheinlich würde ich auch dort aus dem Chor fliegen, weil ich den Ton nicht halten kann und das niemandem zuzumuten ist. Mein Musiklehrer hat mich damals vom Mitsingen dispensiert.

Ich weiß, dass wir uns bestenfalls den Himmel ein wenig ausmalen können. Wir sind wie Raupen, die auch keine Ahnung haben, wie ihr Schmetterlingsdasein aussehen wird. Wenn nach den Worten Jesu also niemand eine Ahnung hat, was „im Himmel“ abgeht.

Ich weiß nur so viel: Wir sind nicht dazu verdonnert, „dumm sterben“ zu müssen. Vor einigen Jahren bekam ich einen „Abschiedsbrief“ von einem befreundeten Arzt. Er war kirchenfern, und doch gläubig. Schon in der ersten Zeile stockte mir der Atem: „Wenn du diesen Brief liest, bin ich tot“. Die Polizei, die ich anrief, bestätigte ein paar Stunden später meinen Verdacht. Mein Freund wollte nicht mehr leben und nahm sich das Leben. Was er mir in der letzten Zeile des vierseitigen Briefes schrieb, hat mich in meiner großen Trauer getröstet. Diese Freude im Leid wollte ich in der Predigt an die Trauergemeinde weitergeben. Mein Freund schrieb: „Ich komme von Gott, ich gehe zu Gott und ich freue mich darauf!“

Und diese Freude hat Gott ihm sicherlich gegönnt. Hat nicht auch Jesus dem Verbrecher an seiner Seite den sofortigen Eintritt ins Paradies versprochen?

Pater Josef Lienhard, Nr. 44 vom 30. Oktober 2022, Evangelium - (Lk 20, 27–38)


32. Sonntag im Jahreskreis

Bevor es auf der Erde Menschen gab,
vollzogen sich in der Natur gewaltige Veränderungen.
Aber niemand staunte, niemand erschrak,
niemand sprach von Katastrophen.
Es gab weder das Wort noch die Furcht noch die Hoffnung.
Der Mensch aber fragt nach dem Sinn, nach gestern und morgen.
Er lebt von der Hoffnung
von vielen kleinen Hoffnungen und von der einen großen:
Ich lebe, und ich werde leben.
Die andere Möglichkeit ist die Verzweiflung:
Alles vergeht, auch ich vergehe; nichts wird bleiben, und vielleicht ist es besser so.
Für den Menschen aber, der zum Leben erwacht ist, gibt es Hoffnung:
im Glauben an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

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