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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

11.08.2017

Wenn im Gegenwind die eigene Kraft nicht ausreicht

Christenverfolgung ist keine Erscheinung der Vergangenheit. In vielen Ländern sind die Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung der Christen gängige Praxis. Besonders in Ländern, in denen islamistische Fanatiker Macht ausüben. Es gibt aber noch andere Staaten, in denen Christen wegen ihres Glaubens leiden. Das Christentum ist heute die meist verfolgte Religionsgemeinschaft. 

Der Evangelist Matthäus wendet sich an Christen, die wegen ihres Glaubens bedroht und verfolgt werden. Er beschreibt diese bedrohliche Lebenssituation im Bild des Bootes, das in Seenot geraten ist. Der „Gegenwind“ ist so stark, dass die eigenen Kräfte der Jünger nicht mehr reichen. In dieser Bedrohung kommt Jesus auf sie zu. Der Wind legt sich, die Gefahr ist vorüber.

Das Bild sagt uns: Der Glaube an Jesus trägt in den Stürmen des Lebens. Wir dürfen nur den Blick nicht von ihm abwenden. Der Apostel Petrus, der Jesus auf dem Wasser entgegenkommen will, beginnt in dem Moment zu sinken, als er nicht mehr Jesus im Blick hat, sondern nur noch die bedrohlichen Wellen. 

Hierzulande kennen wir keine Christenverfolgung. Gegenwind gegen den Glauben allerdings schon. Er kommt nicht nur von denen, die gegen jede Religion sind oder vom Glauben nichts halten. Manchmal sind es auch widrige Lebensumstände, die uns in Angst versetzen. Die Wellen gegen unseren Glauben, von woher sie auch kommen, machen uns zu schaffen. Wie die Jünger im Boot vergessen wir dann schnell, dass wir in Gottes Hand  sind. Wir fangen an zu verzagen und zu verzweifeln, weil unser Glaube meist zu klein ist, und die Wellen des Schicksals zu groß sind. Allein mit uns selbst, mit unserer begrenzten Kraft, befällt uns die Angst unterzugehen. Die Lage erscheint aussichtslos. Muss es so sein? Gewiss, die Wellen des Sturmes, die über unser Leben hereinbrechen, lassen sich nicht verändern. Aber wir können uns ändern. 

Statt vor Angst zu schreien und zu verzagen, können wir – das zeigt diese Seesturm-geschichte – mit Jesus rechnen. Er ermutigt dazu im Evangelium mit den Worten: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“ Er ist da. Selbst wenn wir zunächst wie die Jünger seine Gegenwart nicht gleich zu deuten vermögen, spricht Jesus dieses wunderbare Trostwort auch uns zu, wenn wir plötzlich in Verwirrung, Bedrohung und Angst geraten. Mitten in den Stürmen unseres Lebens kommt Jesus uns über die Wasser unserer Angst entgegen. Er ruft uns wie einst Petrus zu: „Komm!“ Diesem „Komm“ zu folgen, es für sicherer zu halten als das im Wind schwankende Boot, das ist Vertrauen: ein Vertrauen, auf das hin Jesus seine rettende göttliche Macht erweisen kann und Unvorstellbares Wirklichkeit werden lässt.

Die rettende Hand des Herrn streckt sich auch uns entgegen. Vielleicht müssen wir es öfter wagen, aus dem Boot scheinbarer Sicherheit und Machbarkeit auszusteigen. Dann erfahren wir, wie der Glaube an die Möglichkeiten des Gottessohnes trägt und rettet aus Lebensangst ganz im Sinne der Verheißung Jesu: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“
(Joh 16, 33). Das letzte Wort über diese Welt haben nicht Menschen und Mächte. Das spricht Christus.

 Alois Ehrl, Domkapitular em., Kirchenzeitung Nr. 33/34 vom 13. August 2017

Alois Ehrl. Foto: Michael Heberling

Alois Ehrl, geboren 1945 in Hammern bei Budweis, wurde 1972 zum Priester geweiht. Er war Kaplan in Wassertrüdingen, Nürnberg und Wemding. 1983 wurde er Pfarrer in der Nünberger Pfarrei Maria am Hauch, 1998 übernahm er schließlich die Leitung der Pfarrei St. Sebald in Schwabach. 2011 wurde Ehrl Dekan des neu konstituierten Dekanats Roth-Schwabach. Seit 1997 war er außerdem Eichstätter Domkapitular. Als stellvertretender Vorsitzender der Ökumene-Kommission des Bistums Eichstätt vertrat er das Bistum auch in der AcK. Seit August ist Ehrl im Ruhestand.

Lesungen zum 19. Sonntag im Jahreskreis am 13. August 2017

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