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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

21.09.2022

Wie man himmelstauglich wird ...

Jesus ein Meister der Schocktherapie! Hat er nicht gesagt „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelreich“ (Mk 10, 25)? Beim Thema Reichtum sind seine Aussagen eindeutig. Was er sagt, ist aufregend!

Im heutigen Sonntagsevangelium zeichnet Jesus die Personen und Vorgänge mit sehr klaren Konturen. Da ist der Reiche, dessen Leben als geradezu himmlisch beschrieben wird. Er trägt feinste Kleider und gönnt sich jeden Luxus. Und dann das krasse Gegenbild.

Vor der Tür liegt unübersehbar ein Armer, schwer krank, entstellt und kein Dach über dem Kopf. Er ist so krank und schwach, dass er nicht einmal die Hunde abwehren kann, die sich an seinen Wunden zu schaffen machen. Jesus gibt ihm den Namen Lazarus.

Der Reiche ist ein frommer Mann. In seiner Not ruft er den „Vater Abraham“ an. In seiner Gesetzestreue hat er in dem Kranken, wie jeder Fromme, sofort einen Sünder gesehen, der an seinem Los selbst schuld ist und kein Mitleid verdient. Denn auch Gott lasse diese Typen ja links liegen, um sie später in der Hölle schmoren zu lassen. Mit solchen Leuten darf man kein Mitleid haben. Und jetzt sieht er, wie der Arme in Abrahams Schoß landet, und er bleibt als Rechtgläubiger außen vor. Was für ein Skandal, wenn Frömmigkeit nicht belohnt wird, das Gesocks aber mit himmlischen Ehren empfangen wird. Hochkarätige Sünder gelten plötzlich als himmelstauglich – das ist doch eine verkehrte Welt!

Finden wir uns nicht auch in der Rolle des Reichen wieder? Vor unserer Haustür spielen sich ähnliche Szenen ab. Die Tafeln, bei denen sich Arme das Notwendigste zum Essen, zum Überleben besorgen können, haben immer mehr Kunden. Millionen von Flüchtlingen, die die existentielle Not dazu treibt, ihre Heimat zu verlassen, suchen bei uns Hilfe. Und jetzt noch die Energiekrise, die Angst, nicht durch den Winter zu kommen. Viele befürchten angesichts der Krisen einen „heißen Herbst“!

Auf der anderen Seite haben wir in Deutschland 820.000 Schönheitsoperationen pro Jahr. Wir haben sehr viele Krankheiten, die dem Übergewicht geschuldet sind.

Der russische Dichter Leo Tolstoi hat unsere Evangeliumsstelle in einer Kurzgeschichte verarbeitet. Ich gebe sie gekürzt wieder: Ein reicher Mann lag im Sterben. Sein ganzes Leben hatte sich nur um Geld gedreht. Als es mit ihm zu Ende ging, dachte er, dass es nicht schlecht wäre, auch im Jenseits ein paar Rubel zur Hand zu haben. Darum bat er seine Söhne, ihm einen Beutel voll Rubel in den Sarg zu legen. Im Jenseits angekommen, entdeckte er eine Anrichte mit Speisen und Getränken. Vergnügt betrachtete er die appetitlichen Brötchen, die frischen Sardinen und den Rotwein. Als der Mann an der Theke ihn fragte, ob er auch Geld habe, hielt er ein Fünf-Rubel-Stück hoch. Doch der Mann sagte trocken: „Bedauere! Wir nehmen nur Kopeken.“

Der Reiche befahl daraufhin seinen Söhnen im Traum, den Beutel mit Rubeln im Grab auszutauschen gegen einen Sack Kopeken. So geschah es. Und triumphierend trat er wieder an die Theke. Als er dem Mann dahinter eine Handvoll Kopeken übergebe wollte, sagte er lächelnd, aber bestimmt: „Wie ich sehe, haben Sie dort unten wenig gelernt. Wir nehmen hier nicht Kopeken, die Sie verdient, sondern nur solche, die Sie verschenkt haben!“

P. Josef Lienhard, Nr. 39 vom 25. September 2022 - Evangelium (Lk 16, 19–31)


26. Sonntag im Jahreskreis

Es ist nicht nur die Armut der Armen, die allen Reichtum fragwürdig macht.
Und die Gefahr, in der der Reiche lebt,
besteht nicht eigentlich darin, seinen Reichtum zu verlieren, sondern ihn zu behalten,
weil der Reiche nichts anderes mehr sehen kann als seinen Reichtum.
Die Gefahr ist, dass für den Reichtum Gottes, für seine Liebe und seinen Trost,
im Leben des Reichen kein Raum mehr ist.

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