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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

15.07.2021

Wir alle brauchen einen Weckruf

Zusammenläuten! - Kirchturm in Meckenhausen

Zusammenläuten! – so steht es auf einem Transparent am Gerüst unseres Kirchturms in Meckenhausen. Foto: pf

Zusammenläuten! – so steht es auf einem großen Transparent am Gerüst unseres Kirchturms in Meckenhausen. Dieser wird derzeit renoviert. Da ist ein Mädchen zu sehen mit einer Glocke in der Hand. Zudem hat die Kirchenverwaltung ein Video auf die Homepage gestellt. Darin werden unterschiedliche Gruppen der Pfarrei aus ihrem Alltag wachgerüttelt. Sie machen sich auf den Weg und fragen sich: Läuten da nicht wieder die Glocken?

Wo und wann machen wir uns auf den Weg? Lassen wir uns nicht oft aufhalten von Hektik, Unruhe, Irrungen, Wirrungen und Zerstreuungen? Lassen wir uns nicht oft fern- und fremdsteuern und sehnen uns doch danach, dem Stress des Alltags und der Arbeit zu entkommen? „Es ist ein Irrsinn“, meinte ein junger Mann im Gespräch, „man kann dem Stress nicht entfliehen. Die Arbeitszeit wird verkürzt, aber in immer kürzerer Zeit muss umso schneller gearbeitet werden“. Das nagt an unserem Innersten, an unserer Mitte, an der Seele. Deshalb die Sehnsucht nach Schutz, nach Ruhe, Unterbrechung, Auszeit, nach Urlaub oder gar nach dem „Allein-sein“. 

Ein tiefes Gespür dafür zeigt Jesus im heutigen Evangelium, wenn er die Jünger auffordert: „Ruht euch ein wenig aus!“ Die Jünger sind im totalen Stress: Sie kommen ausgepowert zurück von ihrer ersten erfolgreichen Mission. Doch bei der Rückkehr finden sie nur Lärm und Trubel, „so dass sie nicht mal mehr Zeit zum Essen finden“. Aber warum eine Auszeit bei so viel Erfolg? Warum weg an einen Ort, um „allein zu sein“? 

Jesus weiß: Das Leben ist wie der Wechsel von Ebbe und Flut, von Stille und Reden, von Sammeln und Säen, von Einkehr und sich mitteilen, von Bei-Sich-sein und Zeit für andere haben. Aber was dann, wenn dieser Rhythmus einen Knacks bekommt oder wir unser Leben überhasten? Ist es dann nicht höchste Zeit, für einen Schnitt, bevor wir zum Einfallstor werden für falsche Hirten, Ohrenbläser und Marktschreier? Vor ihnen warnt der Prophet Jeremia in der ersten Lesung des Tages. Solche Leute verderben das ganze Volk, wenn nicht jeder auf sich selber aufpasst und Halt in Gott sucht. 

Deshalb der Appell Jesu: Ruht euch, ruh dich ein wenig aus! Achte auf dich selbst! Du bist kostbar und wertvoll vor Gott und den Menschen. Halte inne und frag dich: Wer bin ich? Was trägt mich? Was ist der Sinn und wie kann ich mich wieder mit Gott verbinden? War nicht genau das die Sorge Jesu um die gestressten Jünger?

Wir haben oft Angst, dass sich bei uns eine innere Leere, eine Art Wüste auftun könnte? Doch eine Leere kann auch für uns ein innerer Weckruf sein, wo wir uns fragen: Ist es nicht ein Geschenk und ein Glück, dass es mich gibt, dass ich da bin? Dass ich für andere und für meine Nächsten ein Segen sein kann? Wäre nicht gerade das jetzt die Aufgabe der Kirche und von uns Christen, den Leuten durch unseren Halt im Glauben wieder Sicherheit und innere Ruhe zu vermitteln? Zuallererst jedoch brauchen wir selber einen solchen Weckruf. Ganz gleich ob mit der Glocke dieses Mädchens auf unserem Kirchturm oder durch das Wort Gottes jeden Sonntag.

Richard Distler, Pfr. i. R. Nr. 29 vom 11. Juli 2021 - Evangelium: Mk 6, 30-34


Sechzehnter Sonntag im Jahreskeis

Wer andern das Wort Gottes sagen will, muss selbst ein Hörender und Lernender sein. Jedes wirklich gelernte Wort verändert den Menschen, und jede Erfahrung bereichert sein Leben. Erfahrungen mit Gott, mit den Menschen und den Dingen machen den Menschen weise und gut. Er wird still und lernt zu helfen.

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