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05.08.2016

Allerbeste Erinnerungen an tolle Zeit

Christoph Wölfle

Regens Christoph Wölfle empfing kurz vor seinem letzten Arbeitstag im Bischöflichen Seminar die Kirchenzeitung in seinem Gesprächszimmer.

Für den Regens des Eichstätter Priesterseminars, Christoph Wölfle, endete die Amtszeit. Der 31. Juli war sein letzter Arbeitstag als Regens des Bischöflichen Seminars Collegium Willibaldinum.

Dann heißt es packen und die Dienstwohnung im zweiten Stock des Seminars räumen. Auf Wunsch der Bistumsleitung beginnt Christoph Wölfle ein weiterführendes Studium in München und übernimmt zum 1. September die Pfarrei Mörnsheim. „Am 11. September wird dort der erste feierliche Gottesdienst sein“, erzählt er im Gespräch mit der Kirchenzeitung.

Viele Veränderungen
Leicht fällt ihm der Wechsel nicht, gesteht der geborene Allgäuer, „denn ich war mit jeder Faser meines Körpers und Geistes Regens.“ Sehr dankbar aber sei er für die Gemeinschaft, die er mit den Priesteramtskandidaten und den Mitarbeitern leben durfte. „In der Hausgemeinschaft habe ich viel Bereicherung und Unterstützung erfahren.“

Von außen betrachtet gab es zwei Höhepunkte während seiner Regentenzeit: den Abschluss der Renovierung der Schutzengelkirche 2010 und 2014 das Jubiläum 450 Jahre Priesterseminar Eichstätt. „Es ist aber auch ein Glück, dass zum Beispiel solche Jubiläen nur alle 50 Jahre sind“, stellt er lächelnd fest, „da sie ganz schön Arbeit machen!“ Ihm sind die inneren Höhepunkte wichtiger, die jeweiligen Weihen seiner Priesteramtskandidaten, für die er sehr engagiert eintritt. „Ich sträube mich dagegen, kann auch schnell sehr engagiert werden, wenn jungen Mitbrüdern vorgeworfen wird, sie seien nur Kultdiener“, betont er.

Verändert habe sich im Laufe der Zeit nicht nur die Zahl der Priesteramtskandidaten, sondern auch ihr Eintrittsalter. Seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhundert sei die Zahl derer, die ins Priesterseminar als Alumnen eintreten, zurückgegangen. Das habe eine Reihe von Gründen wie beispielsweise die Schließung der Knabenseminare. Vor allem aber entspreche der Rückgang derer, die sich zum Priester berufen fühlen, der Situation der Gläubigen in der Gesellschaft. Auch dort werde der gelebte Glauben im Alltag und die Wahrnehmung der Sonntagspflicht seltener.
Gemeinschaft bilden

So sei es heute nicht mehr die Regel, dass die jungen Männer direkt nach dem Abitur ins Priesterseminar eintreten. Auch der 1968 in Kempten Geborene war nach dem Abitur zunächst bei der Bundeswehr und habe danach ein Studium der Wirtschaftsmathematik begonnen, bevor er den Wunsch verspürte, Priester zu werden. Heute nehmen allgemein in den Seminaren Quereinsteiger oder Spätberufene zu, das heißt, sie entscheiden sich erst nach einem Studium und/oder einer Berufsausbildung für den Dienst als Priester. „Heute kommen zu uns entschiedenere Leute, die sich schon intensiv mit der Frage der Berufung auseinandergesetzt haben.“ Doch sei auch bei den „älteren“ Kandidaten die Frage nach der Berufung immer wieder zu stellen und zu klären.

Nicht nur der Einzelne müsse das leisten, sondern auch die Kirche. Das geschehe zum Beispiel in Gesprächen des Regens mit jedem einzelnen Alumnen, die mindestens einmal pro Semester im Gesprächszimmer des Regens offiziell stattfinden. „Ein optimaler Verlauf des Gesprächs aber auch des gesamten Aufenthalts im Seminar wäre, wenn Regens und Alumne miteinander am selben Strang ziehen.“ Die Kunst für den Regens bestehe darin, die richtige Distanz für eine möglichst objektive Beurteilung zu wahren und zugleich eine Vertrautheit zu schaffen.

Da sich die Gesellschaft verändert habe, hat sich auch die Gewichtung der Anforderungen an die künftigen Priester gewandelt. Auch wenn das Christsein von sich aus auf Gemeinschaft angelegt sei, so Wölfle, und Priester die Aufgabe haben, Gemeinschaft zu bilden, so werde das angesichts größer werdender Pfarreien und Seelsorgsverbänden anspruchsvoller. „Das auf den Anderen zugehen, sich mit ihm austauschen, sich in eine Gemeinschaft integrieren, kann und soll bereits im Seminar geübt werden“, davon ist Wölfle überzeugt. In der Hausgemeinschaft des Seminars geschehe vieles an gegenseitiger Rücksichtnahme, an Lösung von Konflikten und an Versöhnung.

Dabei soll der Regens die Kandidaten väterlich begleiten, das heißt, ihnen Geborgenheit vermitteln, Vertrauen schenken und so ein Klima der Vertrautheit schaffen. Nur wer selbst Gemeinschaft erfahren habe, könne später gemeinschaftsfördernd leben. Und das sei in Zukunft eine immer wichtiger werdende Aufgabe der Priester. „Unser Geschäft als Pfarrer ist es, den Menschen hinterher zu laufen.“ Das Schönste sei für ihn als Regens gewesen, zu sehen und miterleben zu dürfen, wie die Alumnen miteinander umgehen und wie einer dem anderen helfe.

Die Beschäftigung mit der Geschichte des Hauses habe ihm gezeigt, welch großes Erbe das Eichstätter Priesterseminar habe und welche Verpflichtung daraus erwachse. Eichstätt ist nicht nur wegen seiner Geschichte bedeutsam, es ist auch heute und in Zukunft wichtig und attraktiv. Das gilt es bei den immer wieder anstehenden Fragen nach Zusammenlegung von Priesterseminaren deutlich zu machen. Um das Eichstätter Seminar solle man zu Recht mit allen zu Gebote stehenden Mitteln kämpfen und auch mit dem Pfund der Katholischen Universität wuchern. Er sei aber überzeugt, „dass der liebe Gott uns hilft“. Mit Gotteshilfe werde es immer genug junge hochmotivierte Männer geben, die sich dem besonderen Ruf Gottes stellen, die Hausgemeinschaft des Seminars auch künftigen Priestern „Vaterhaus“ sein und so ihr 500-jähriges Bestehen feiern können.

Wenn er auf seine Zeit als Regens schaue, so Wölfle leicht sinnierend, seien die sieben Jahre eine tolle Zeit gewesen, an die er nur die allerbesten Erinnerungen habe und in großer Dankbarkeit zurückblicke.

Klaus Kreitmeir, Kirchenzeitung Nr. 32 vom 7. August 2016

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