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29.11.2023

Der Nikolaus will keine Angst machen

Bei Pfarreien und kirchlichen Verbände im Bistum kann man seinen Besuch buchen

Vier Nikoläuse und vier Krampusse aus den Reihen des kirchlichen Sportvereins DJK waren 2022 in Ursensollen im Einsatz. Heuer sind es sogar fünf Teams. Foto: vb

Fachkräftemangel auch bei Nikoläusen“, diese alarmierende Meldung in der Tageszeitung war für die KiZ Anlass, der Frage nachzugehen: Wie läuft es bei den Nikolausdiensten im Bistum Eichstätt? Dazu unterhielten wir uns mit einigen Ehrenamtlichen, die auch heuer wieder ins Gewand des heiligen Bischofs schlüpfen und Familien in ihren Pfarrgemeinden besuchen.

Einer von ihnen ist Bertram Pscherer von der Kolpingsfamlie Beilngries, die im vergangenen Jahr die Verantwortung für den traditionellen Nikolausdienst übernommen hat. Ins Leben gerufen hatte diesen der Orgelfreundeskreis, danach war jahrelang die Pfarrei St.Walburga zuständig. Jetzt werden die Gewänder, die zuletzt Pfarrgemeinderatsvorsitzende Elli Bruckschlögl in Schuss gehalten hatte, bei den Requisiten des Kolping-Theaters aufbewahrt. „Da spielen ich und ein weiterer Nikolaus mit“, berichtet Pscherer.

Insgesamt vier Ehrenamtliche werden heuer am 5. und 6. Dezember in Beilngries und Umgebung unterwegs sein. Der Jüngste, der seit einem Jahr zum Team gehört, ist knapp über 30 und vor kurzem erstmals Vater geworden, verrät Pscherer. Auch er selbst hatte bei seinem ersten Einsatz für den damals von der Pfarrei angebotenen Nikolausservice noch kleine Kinder. Dass der Rauschebartträger im Bischofsgewand, der damals auch beim Beilngrieser Christkindlmarkt die Runde machte, ihr eigener Papa war, „das haben sie gar nicht mitgekriegt“, erinnert sich der 52-Jährige lachend. Im Hause Pscherer befindet sich auch das „Nikolaus-Sekretariat“, bei dem man an drei Abenden Ende November telefonisch Besuche buchen konnte. Zwischen 40 und 50 Besuche schafft ein vierköpfiges Team insgesamt, weiß Pscherer aus Erfahrung. Im Stadtgebiet werde im Halbstundentakt geplant, in den Dörfern müsse auch die Anfahrt mitgerechnet werden. Nicht immer führt der Weg in die gute Stube, wo die Großfamilie schon gespannt um den Tisch sitzt. Denn heute tun sich auch mehrere junge Familien zusammen, schüren im Garten ein Lagerfeuer und erwarten dort den Nikolaus. Und der, so steht für Pscherer fest, „ist nicht zum Erziehen da. Das sollen die Eltern schon selbst machen.“ Einmal, so erinnert er sich an eine Anfrage, sollte er außer einer gehörigen Standpauke überhaupt nichts mitbringen. Aber auf dieses Ansinnen ließ sich der Beilngrieser Nikolaus natürlich nicht ein.  Umgekehrt, so räumt er ein, sei das Geschenkeaufkommen am Nikolaustag schon vereinzelt überzogen, wenn man draußen vor der Haustür „fünf, sechs Pakete in den Sack stopfen muss“.

Stichwort Pakete: Mit dem Erlös der Nikolausaktion – 15 Euro lautet die Spendenempfehlung – unterstützt die Kolpingsfamilie Beilngries nicht nur die eigene Jugendarbeit, sondern auch die Nikolaus-Päckchenaktion „Der heilige Nikolaus vergisst Dich nicht“ für Kinder in der Ukraine. Der Organisator, Archimandrit Dr. Andreas Thiermeyer, „hält zu unserer Pfarrei schon ziemlich lang Kontakt“, erzählt Pscherer.

Angebot neu belebt

Dass es neben einer Geldspende für den guten Zweck auch ab und an ein Fläschchen Glühwein oder ein paar geräucherte Bratwürste gratis gibt, freut wohl jeden Nikolaus. Der schönste Lohn aber seien die glänzenden Augen der Kinder, mit denen sie den außergewöhnlichen Gast mustern, berichtet Michael Fuchs, der „dienstjüngste“ im Nikolaus-Trio der Pfarrei Buxheim mit Filiale Tauberfeld.

Etwa zehn Jahre lang war der Nikolaus-Dienst der Pfarrei schon „eingeschlafen“ gewesen, als ihn der frisch gewählte Pfarrgemeinderat 2022 nach überstandener Corona-Pause wiederbelebte – und zwei erfahrene Nikoläuse gleich mit. Ihr Schwager Stefan etwa sei schon 1987 erstmals in die Rolle des Gabenbringers geschlüpft, erzählt Pfarrgemeinderätin Barbara Sterner, die die Aktion jetzt organisiert. Noch früher, etwa ab 1970, habe bereits Stefans Onkel als Nikolaus an die Türen geklopft. Treibende Kräfte der pfarrlichen Nikolaus-Aktion seien damals die Buxheimer Gemeindeschwestern gewesen. Über den dritten Nikolaus im Bunde, Thomas Speth, weiß Sterner, dass er seine „Karriere“ einst als Krampus an der Seite seines Schwiegervaters begann.

„Bei uns hat‘s früher noch geheißen: der Nikolaus sieht alles“, lacht Michael Fuchs (47) und erinnert sich noch gut an seine heulende kleine Schwester. Heute hingegen liege der Fokus weniger auf strengen Ermahnungen als auf Motivation und Ermutigung. Manchmal liest der Nikolaus auf seinem von den Eltern per Mail übermittelten „Spickzettel“ sogar, ein Kind möge nicht gar so ehrgeizig sein. In jedem Fall, versichert Fuchs, „bin ich nicht der große Schimpfe-Nikolaus“.

Unterwegs sind er und seine beiden Kollegen am Abend des 6. Dezember zwischen 16 und 20 Uhr. Jeder übernimmt im Schnitt acht Termine. Für den kostenlosen Nikolaus-Service müsse man nicht groß Werbung machen, berichtet Barbara Sterner: „In der Kirche liegen Listen aus, in die man sich in bestimmten Zeitfenstern eintragen kann.“ Gefragt sei der Nikolausdienst aber auch beim örtlichen Kindergarten und bei der Spielgruppe. Und wenn die drei Pfarr-Nikoläuse ihre Kostüme gerade nicht brauchen, „dann können auch die nicht-kirchlichen Vereine sie ausleihen“, informiert Sterner.

Sportverein als Träger

In Ursensollen, ganz am nordöstlichen Rand der Diözese, lagern die Nikolaus-Kostüme im Untergeschoss des Sportheims. Schließlich ist der kirchliche Sportverein DJK dort Träger der alljährlichen Nikolausaktion – und zwar schon seit etwa 40 Jahren, wie erster Vorstand Daniel Meuler berichtet. Sei damals nur ein Nikolaus-Krampus-Duo unterwegs gewesen, so machen sich heuer fünf auf den Weg. „Es gibt in Ursensollen viele Neubaugebiete mit vielen Kinder“, berichtet der 47-jährige zweifache Vater, „und der Nikolausdienst ist mitgewachsen“. Was den Krampus betrifft, so sind die Reaktionen gemischt. „Es gibt schon Familien, die sagen: der soll lieber draußen bleiben“, lacht Meuler, „auf dem Online-Anmeldeformular kann man das vermerken“.

Der Nikolausdienst sei auch in der Corona Zeit aufrechterhalten worden, berichtet der Vorstand. Die Option, das der Nikolaus nur bis zur Tür kommt, „bieten wir nach wie vor an.“ Die Einnahmen aus der Aktion werden für soziale Projekte gespendet. Lange Zeit hätten zwei aus Ursensollen stammende Ordensfrauen das Geld für ihre Missionsarbeit erhalten, erzählt Meuler, „mittlerweile sind aber beide verstorben.“

Studentische Engelschar

In Ingolstadt hat sich der vor etwa zehn Jahren ins Leben gerufene Nikolausservice der Katholischen Hochchulgemeinde (KHG) gut etabliert. „Zwei Studierende koordinieren die Aktion“, erzählt Hochschulseelsorger Pater Stefan Weig. Heuer sind zwei Nikoläuse im Einsatz, die von mehreren Engeln begleitet werden. Auf der KHG-Homepage finden Eltern Richtlinien für einen gelungenen Nikolausbesuch. So heißt es etwa: „Wir möchten den Kindern den heiligen Nikolaus als herzensguten und liebenswerten Mann vermitteln. Deshalb verzichten wir auf den Krampus, der den Kindern Angst machen könnte.“ Sinn macht auch dieser Tipp: „Bitte achten Sie bei der gemeinsamen Feier mehrerer Familien darauf, dass die Geschenke etwa gleichwertig sind.“ Zu guter Letzt heißt es: „Der Nikolaus lobt gerne, er schimpft die Kinder nicht und fordert auch nicht irgendeine zukünftige Verhaltensänderung. Wenn das Kind zum Beispiel den Schnuller freiwillig hergibt, nimmt der Nikolaus ihn lobend entgegen. Fordern wird das der Nikolaus nicht.“

Bei ihren Einsätzen nehmen die studentischen Nikolaus-Teams gerne freiwillige Spenden entgegen. „Letztes Jahr ging der Erlös an die Neuburger Kinderklinik“, informiert Hochschulseelsorger Weig, der demnächst auch selbst ins Nikolausgewand schlüpft: Viele hundert beim Bonifatiuswerk georderte Schoko-figuren des „echten“ Nikolaus wird er beim Rundgang durch die gesamte Belegschaft der katholischen Universität Eichstätt-Ingosltadt (KU) verteilen.

Gabi Gess


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