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12.10.2022

Die Anliegen der Umfrage wachhalten

Gespräch mit Domvikar Thomas Stübinger über den Zwischenstand im synodalen Prozess

Foto: dbk

Domvikar Thomas Stübinger. Foto: Gabi Gess/KiZ

Domvikar Thomas Stübinger. Foto: Gabi Gess/KiZ

Am 17. Oktober vergangenen Jahres startete, nach der feierlichen Eröffnung in Rom wenige Tage zuvor, der weltweite synodale Prozess in den Teilkirchen – auch im Bistum Eichstätt. Anlass, beim Bischöflichen Beauftragten für den Prozess im Bistum, Domvikar Dr. Thomas Stübinger, nach dem Stand der Dinge zu fragen. 

KiZ: Herr Dr. Stübinger, im Programm der Willibaldswoche dieses Jahres stand für den 10. Juli eine Forums-Veranstaltung in Schwabach, bei der die Ergebnisse der diözesanen Befragung zum synodalen Prozess vorgestellt werden sollten. Sie kam leider nicht zustande. Ein Ersatztermin meines Wissens auch nicht. Sagen Sie unseren Leserinnen und Lesern bitte, was sie verpasst haben.
Domvikar Dr. Thomas Stübinger: Ich denke, dass die Veranstaltung, die sich vor allem an Mitglieder der kirchlichen Räte gerichtet hatte, eine wichtige Gelegenheit gewesen wäre, Synodalität einzuüben und zu erfahren, wie bereichernd sie ist. Wir wollten die Ergebnisse der Umfrage zur Weltsynode im Bistum Eichstätt, die viele gute Anregungen und Impulse für die konkrete Seelsorge vor Ort enthält, vorstellen und daraus Handlungsoptionen für unser Bistum erarbeiten. Ich denke, dass der Termin im Rahmen der Willibaldswoche an einem Samstag wohl ungünstig war, spüre aber durch Rückmeldungen, dass so ein Format grundsätzlich gewünscht wäre. Außerdem wollten wir vom Vorbereitungsteam den neugewählten Pfarrgemeinderäten ein Zeichen der Wertschätzung und Ermutigung geben und ausdrücken, dass wir für die Bereitschaft zur Mitarbeit in den Pfarreien in kirchlich nicht einfachen Zeiten sehr dankbar sind. Eine weitere Hoffnung, die wir mit dem Angebot verbanden, war der Austausch unter den Pfarrgemeinderäten und eine schöne Gemeinschaftserfahrung. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Die AG Weltsynode bleibt dran und versucht nun im Austausch mit vielen Gremien im Bistum, in denen Synodalität schon selbstverständlich gelebt wird, eine Vernetzung herzustellen, damit das Anliegen des Papstes auch nach der Weltsynode präsent bleibt und weiter kultiviert wird.

Seit Sommer kann man die Umfrage-Ergebnisse ja auch auf der Bistumshomepage nachlesen. Gab und gibt es darauf Reaktionen, Fragen, Anregungen? Ist das Thema, sind die Anliegen noch im Gespräch?
Domvikar Stübinger: Ich habe die Ergebnisse der Umfrage in mehreren Gruppen des Bistums wie etwa dem Priesterrat vorgestellt und bin auf reges Interesse gestoßen. Ich spüre ein echtes Bemühen, die darin ausgesprochenen Wünsche der Gläubigen zu würdigen und an ihnen weiterzuarbeiten. Das Anliegen bleibt natürlich weiter im Gespräch, weil wir nun aktiv überlegen, was die Ergebnisse der Umfrage für unsere Arbeit in den Pfarreien bedeuten. Ich war vom Stil der Antworten sehr positiv überrascht und auch vom konstruktiven Ton vieler Anregungen. Auch hat es mich sehr gefreut zu sehen, wie sehr es vielen Teilnehmern bei der Umfrage wichtig ist, den Glauben in den Alltag hineinzutragen und wie sehr sie sich dabei Unterstützung von den Hauptamtlichen in der Seelsorge erwarten. Darin sieht man, dass kirchliche Berufe kein Auslaufmodell sind, sondern gefragt und notwendig. Außerdem spüre ich bei Rückmeldungen den Wunsch vieler Ehrenamtlicher, dass sie befähigt werden, den Glauben in der Vielfalt der gottesdienstlichen Formen zu feiern und sprachfähig in Glaubensfragen zu werden. Das, was ich im Studium noch als Desiderat gelernt habe, ist nun an der Basis angekommen: Von der versorgten Pfarrei zur mitsorgenden Seelsorge durch die Gläubigen. Hier wird die Taufberufung und Taufwürde ganz konkret. 

Bis August dieses Jahres hatten die Diözesen Zeit, ihre kompakten, ich glaube zehnseitigen Berichte, abzugeben. Was ist seitdem mit ihnen passiert?
Domvikar Stübinger: Die Berichte der Bistümer sind in der Deutschen Bischofskonferenz zu einer Synthese zusammengefasst und nach Rom gesandt worden. Das Ergebnis aus Deutschland bildet nun gemeinsam mit den Eingaben anderer europäischer Bischofskonferenzen die Grundlage für die Sichtweise Europas. Gemeinsam mit den Berichten der anderen Kontinente sind sie die Gesprächsbasis für die Bischofssynode zur Synodalität im Oktober 2023. 

Wie sieht Ihre weitere Arbeit als Bischöflicher Beauftragter für den synodalen Prozess aus?
Domvikar Stübinger: Ich werde weiter durch die Diözese reisen und dort, wo das gewünscht ist, über die Thematik der Synodalität referieren. Ich bin gerne bereit, dieses Thema auch auf Pfarrebene anzubieten. Weiterhin bemühe ich mich mit der AG Weltsynode und natürlich in enger Kooperation mit dem Bischof das Anliegen wachzuhalten. Wir haben nun einen Schatz der Erkenntnis durch die Umfrage, den es zu heben gilt. Die Ergebnisse dürfen nicht in der Schublade verschwinden, sondern müssen konkret angepackt werden. Freilich werden wir weltkirchlich relevante Fragen auf Bistumsebene nicht lösen können, aber die zehn Themenfelder der Umfrage betrafen ja weitgehend eine Kultur des Miteinanders in der Kirche vor Ort, die wir aktiv gestalten können und sollen.

Welches sind nach den sicher vielfältigen Erfahrungen in der Beschäftigung mit dem Thema Synodalität und konkret mit der Synode von 2023 in den zurückliegenden beiden Jahren Ihre ganz persönlichen, ganz konkreten Erwartungen und Hoffnungen an diesen Prozess?
Domvikar Stübinger: Eine Hoffnung wurde bereits durch die Umfrageergebnisse erfüllt, nämlich, dass es noch viele Menschen gibt, denen eine gute Zukunft der Kirche am Herzen liegt und die erkennen, wie kostbar Kirche gerade an der Basis in der eigenen Pfarrei ist und dass es sich gerade dafür lohnt, sich einzubringen. Wir haben in unserer Diözese noch einen Schatz an kompetenten und motivierten Ehrenamtlichen. Meine Hoffnung, die ich mit der Förderung der Synodalität verbinde ist es, dass unsere Ehrenamtlichen spüren, dass ihre Anliegen notwendig sind für ein lebendiges Glaubensleben auch in Zukunft und dass sie mit ihren Sorgen, Begabungen und Anregungen ernst genommen und gehört werden. Als positiven Effekt daraus erhoffe ich mir ein noch engeres Miteinander von Priestern und Gläubigen, sowie ein Wir-Gefühl, denn wir sitzen alle im selben Boot!

Interview: Michael Heberling

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