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12.05.2021

„Die Enzyklika hat Türen geöffnet“ / Das „Laudato si“-Jubiläumsjahr endet. Fragen an Bischof Gregor Maria Hanke

Das „Laudato si“-Jubiläumsjahr endet / Fragen an Bischof Gregor Maria Hanke

„Die Enzyklika hat Türen geöffnet“ Das „Laudato si“-Jubiläumsjahr endet / Fragen an Bischof Gregor Maria Hanke.                     Foto: Bernd Buchner

KiZ: Herr Bischof, gäbe es nicht Corona, säße ich vermutlich zum Interview in ihrem Arbeitszimmer. Haben Sie für solche Fälle eine Ausgabe der Enzyklika „Laudato si“ griffbereit?

Bischof Gregor Maria Hanke: Ja, den Text der Enzyklika habe ich griffbereit. Einmal die offizielle vatikanische Ausgabe in deutscher Übersetzung, dann eine Kopie, die ich dem Internet entnahm, gleich nach der Publikation der Enzyklika.

Welche Passage, welche These, welcher Themenschwerpunkt ist Ihrer Ansicht nach der wichtigste der Enzyklika und warum?

Bischof Hanke: Das zweite Kapitel „Das Evangelium von der Schöpfung“ ist in meinen Augen zentral und bildet den hermeneutischen Schlüssel für uns als Christen, Schöpfungsverantwortung wahrzunehmen durch unseren konkreten Einsatz und ein von Achtsamkeit geprägtes Verhalten. Unser Handeln ist Ausdruck des Glaubens an den Schöpfergott, der uns die Schöpfung als Gabe geschenkt hat und dessen Widerschein wir in der Schöpfung finden.

Sie kennen den Vorwurf, das Schreiben sei gerade innerkirchlich zu wenig aufgegriffen worden. Teilen Sie diese Ansicht?

Bischof Hanke: Da wäre zu klären, was „innerkirchlich“ meint. Gremien und Verbände, die akademische Ebene sowie der Bildungsbereich hierzulande haben die Enzyklika durchaus rezipiert und ihre Bedeutung zu vertiefen gesucht. Doch finde ich, dass sie noch mehr zum praktischen Impulsgeber für unser eigenes Leben, für die Gestaltung der privaten Lebensvollzüge und des Handelns der Kirche werden könnte. Wie wäre es gewesen, wenn die Enzyklika in unserem persönlichen Leben und in der Kirche eine quer durch unsere Handlungsfelder verlaufende Dynamik ausgelöst hätte, wie es teilweise durch die Bewegung „Fridays for future“ in der Gesellschaft zu beobachten war?

Im Nachgang zu „Laudato si“ hat die Deutsche Bischofskonferenz im September 2018 unter der Überschrift „Schöpfungsverantwortung als kirchlicher Auftrag“ den Bistümern Handlungsempfehlungen zu Ökologie und nachhaltiger Entwicklung gegeben. 2021, also in diesem Jahr, sollte ein erster Bericht über die Umsetzung dieser Empfehlungen vorgelegt werden. Was hören Sie von Ihren Amtsbrüdern: Wie ist der Stand der Dinge?

Bischof Hanke: Die Enzyklika hat in der Kirche Türen geöffnet für das Anliegen der Bewahrung der Schöpfung. Vor 10 bis 15 Jahren war vieles, was uns heute selbstverständlich erscheint, noch eine Randerscheinung. Ich erinnere mich an meine ersten Jahre in der Bischofskonferenz. Da wurde beispielsweise meine ökologische Positionierung von dem einen oder anderen Mitbruder eher als persönliches pastorales Hobby oder als kirchlicher Nebenschauplatz empfunden. Der Blick auf die Bistümer heute zeigt, dass das Thema Schöpfungsverantwortung kein Randthema mehr ist, wenngleich es noch viel zu tun gibt.

Wie wurde die Enzyklika Ihrer Beobachtung nach im Bistum Eichstätt aufgenommen?

Bischof Hanke: Im Bistum Eichstätt waren wir sehr dankbar für die Enzyklika, die eine starke geistliche, kirchenamtliche Bestätigung für den bereits begonnenen Weg darstellte.

Gab es von Ihrer Seite als Diözesanbischof Ideen oder Pläne, die durch die Lektüre und Reflexion des Textes inspiriert waren oder, unmittelbar ausgelöst davon, konkret adressierte Anregungen, Anordnungen zur Umsetzung?

Bischof Hanke: Um Schöpfungsverantwortung wahrzunehmen, kommt es darauf an, dass Köpfe und Herzen bereit sind. Es bedarf im ersten Schritt der Einsicht und eines Mentalitätswandels. Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung aus christlicher Sicht erschöpft sich nicht einfach darin, CO2 zu bilanzieren oder Strategien zum Ressourcensparen zu entwickeln. Das christliche Engagement für die Schöpfung braucht die vom Glauben an den Schöpfergott geprägte Haltung, die Schöpfung als Geschenk, als Gabe und Aufgabe an den Menschen annehmen zu können. Die daraus erwachsende Dankbarkeit und Freude geben Kraft zum Einsatz für die Schöpfung als Garten Gottes. Um aus der Haltung des Gärtners zu agieren und nicht aus einem Abwehrmechanismus der Angst vor apokalyptischen Szenarien des drohenden ökologischen Kollapses, braucht es eine gute geistliche Grundlage. Ich hoffe, dass das im ökologisch ausgerichteten Kloster Plankstetten nunmehr im Verbund mit dem Bistum zu profilierende Zentrum für Schöpfungsspiritualität eine Plattform für das Bistum bilden wird, um uns diese Haltung zu erschließen.

Papst Franziskus hat die Gemeinden weltweit dazu eingeladen, ihre bisherigen Aktionen im Sinne der Enzyklika aufrichtig zu bewerten. Wie schaut es im Bistum mit dieser selbstkritischen Analyse aus?

Bischof Hanke: Wir haben Anfang des Jahres mit Hilfe externer Experten die bisherigen Ergebnisse unseres Klimaschutzkonzepts sehr ehrlich analysiert. Tatsächlich haben wir einiges erreicht, aber es ist auch deutlich geworden, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Wir wollen möglichst bald als Bistum klimaneutral werden. Dazu müssen wir in Zukunft den Klimaschutz auch strukturell stärker in unseren Prozessabläufen berücksichtigen. Außerdem möchte ich als Bischof das Anliegen stärker unter der Selbstverpflichtung zu einem christlich-solidarischen Lebensstil umgesetzt wissen.

In seiner Botschaft zur „Laudato si“-Woche fordert der Papst auch dazu auf, sich selbst zu verpflichten, den nächsten Schritt gemeinsam zu gehen. Wie sehen die nächsten Schritte im Bistum Eichstätt aus und wer muss noch mit ins Boot geholt werden, um nachhaltigen Effekt zu erzielen?

Bischof Hanke: In unserer Klimaoffensive haben wir im Bistum das Anliegen, die Schöpfung zu bewahren, für uns operationabel gemacht. Wichtig ist es, nicht nur auf der Ebene der diözesanen Verantwortlichkeit weiterzukommen. Es gilt nun, noch stärker die pfarrliche Ebene ins Boot zu holen.

Fragen: Michael Heberling


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