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12.02.2016

Die Todesangst Christi miterleben

Szene aus dem dritten Fall des Ölbergspiels: Der Engel reicht Jesus dreimal den Kelch des Leidens. Jesus nimmt ihn bereitwillig an. Foto: Altrichter

Szene aus dem dritten Fall des Ölbergspiels: Der Engel reicht Jesus dreimal den Kelch des Leidens. Jesus nimmt ihn bereitwillig an. Foto: Altrichter

Vor 500 Jahren wurde die Berchinger Ölbergandacht gestiftet. Alles ist bereit im Jubiläumsjahr für die erste Ölbergandacht, die am 11. Februar um 13.45 Uhr in der Berchinger Sankt Lorenz-Kirche beginnt. Für das nach der Predigt beginnende Spiel mit den drei Fällen Jesu am Ölberg wurde bereits im vergangenen Oktober die Bühne im Chorraum der früheren Pfarrkirche aufgebaut, um sie unter der Regie des Altmesners Johann Marschall auf den neuesten Stand zu bringen. Teile der Elektrik wurden verbessert und die Vorhänge die für Bühne und zur Abdunkelung der Kirche erneuert.

Kaplan als Stifter

Anlass des Jubiläums ist die Stiftung einer „Angst“ 1516 durch den wahrscheinlich aus Berching stammenden Vikar, Kaplan, der Nürnberger Sankt Lorenz-Kirche Leonhard Grießel für die alte Stadtpfarrkirche St. Lorenz in Berching. Diese vor 500 Jahren ins Leben gerufene Andacht zur Todesangst Christi am Ölberg, auch Agonia Christi genannt, sollte an den Donnerstagen der Fastenzeit an die Todesangst Christi im Garten Gethsemane erinnern.

Die Stiftung des Nürnberger Kaplans erhielt in der Zeit von 1595 bis 1714 etliche Zustiftungen. So sollte die Angstandacht an jedem Donnerstag – nicht nur in der Fastenzeit – in der neuen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, seit 1714 figuriert und mit Gesang, gehalten werden, um den Gläubigen das Leiden Christi sinnfällig vor Augen und damit zu Gemüte zu führen – ein Vorläufer des Ölbergspiels.

Für derartige „Gefühlsduseleien“ war in der Zeit der Aufklärung ab dem Jahr 1770 kein Platz. So wurden sowohl die Andachten wie auch das Ölbergspiel verboten. Erst die Franziskaner, die 1806 ihren Konvent in Beilngries verlassen und nach Berching ziehen mussten, ließen die alte Berchinger Tradition zumindest an den sechs Donnerstagen der Fastenzeit wieder aufleben. Sie verlegten die Andacht jedoch in ihre Klosterkirche, dem heutigen Pfarrheim Pettenkoferhaus. 1854 berichten die Quellen, dass in der Franziskanerkirche „ein Ölberg über dem Hochaltar mit einem lebendigen Engel“ errichtet worden sei.

Knapp dreißig Jahre später stand die Ölbergandacht erneut vor dem Aus. Diesmal war die Restaurierung der Klosterkirche die Ursache. Die Franziskaner hatten in den Jahren 1878 bis 1881 die Klosterkirche völlig erneuern lassen. Die neue Weißdecke erhielt ein Gemälde, die Kirchenwände Fresken. Außerdem wurden neue Altäre, Beichtstühle, eine neue Kanzel und Orgel aufgestellt. Diese neue Pracht könnte durch den Ruß der vielen Lampen, die beim Ölbergspiel brannten, Schaden nehmen, befürchteten die Ordensbrüder. Deswegen fanden die Andachten ab 1881 ohne Spiel statt.

Kurze Wiederbelebung

Drei Berchinger Bürger, ein Konditor, ein Kaufmann und ein Kunstschreiner, belebten „von religiösem Sinn und echtem Lokalpatriotismus erfüllt“ Ende der 1920-er Jahre die „alte fromme Vatersitte“. So konnte am 21. März 1929, dem letzten Fastendonnerstag, die erste szenische Ölbergandacht gefeiert werden. Der Andrang war so groß, dass, obwohl die Andacht erst um 13 Uhr begann, um 11 Uhr alle Sitzplätze belegt waren und um 12 Uhr auch kein Stehplatz mehr frei war. Daher versuchte man ab 1930 die Besucher nach Geschlecht und Stand einzuteilen. Ein Vorteil für den Fastenprediger, der schon im Vorneherein wusste, wen er hauptsächlich vor sich hatte.

Einer der beiden Christussänger, Erhard Stadler, hat die Geschichte der Berchinger Ölbergandacht von Ende der 1930-er Jahre bis heute persönlich miterlebt. „Ich war damals Ministrant und konnte ziemlich gut singen“, erinnert sich der 85-Jährige. „Da fragte mich der Herr Pfarrer, ob ich nicht den Engel singen wolle. Natürlich sagte ich zu.“ So sang der damals Zehnjährige von 1939 bis 1942.

„1942 wurde“, laut Pater Edmund Stöckerl, „die Abhaltung der Ölbergandachten an den Donnerstagen quasi verboten Begründung: Die Leute werden von der Arbeit abgehalten.“ Die Fastenpredigten wurden daraufhin auf die je- weiligen Sonntage verlegt, nicht aber die Ölbergandachten, da diese die Kreuzwegandachten verdrängen würden. 1945 verhandelte der Superior des Klosters über einen Neustart der Andachten. Doch erst eine Bürgerinitiative erreichte 1951 die Genehmigung durch das Bischöfliche Ordinariat.

„Von 1956 bis zur Auflösung des Franziskanerklosters und damit dem Ende der Andachten 1967 sang ich allein den Christus. 1982 bei der 1.100-Jahrfeier Berchings konnte ich aus beruflichen Gründen nicht singen. Aber seit 1993 bin ich jedes Jahr dabei. Die letzten Jahre hat es immer zwei Christussänger gegeben, die sich miteinander absprachen und abwechselten“, weiß Stadler zu berichten.

1982 lebten die Ölbergandachten und -spiele an ihrer Ursprungsstätte, der St. Lorenzkirche, besonders aufgrund des Engagements von Stadtpfarrer Heinrich Füracker, wieder auf.

Die Jubiläumsandachten stehen unter dem Motto des heiligen Jahrs der Barmherzigkeit. Als erster Prediger am 11. Februar konnte der in Fribertshofen geborene Prof. Dr. Franz Sedlmeier gewonnen werden, für den 18. Februar Dekan Monsignore Richard Distler. Am 25. Februar ist der Eichstätter Oberhirte Gregor Maria Hanke der Fastenprediger, ihm folgen am 3. März Abt Thomas Maria Freihart aus Weltenburg, am 10. März Generalvikar Dompropst Isidor Vollnhals und schließlich Diakon Ulrich Wiechers am 17. März.

Klaus Kreitmeir, Kirchenzeitung Nr. 7 vom 14. Februar 2016

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