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01.03.2019

Durch Kreuz und Tod zur Auferstehung - Am 9. März haben die Neumarkter Passionsspiele Premiere

In der kleinen Jurahalle Neumarkt herrscht emsiges Treiben. Die Schneiderinnen Rita Iberl und Sabine Ehrler und ihr Team geben die Kostüme an die Mitwirkenden der Passionsspiele aus. Die Hohen Räte wirken in ihren prunkvollen Roben majestätisch. Auf dem Kopf tragen sie hohe schwarze Hüte. Die Mitwirkenden im Volk haben schlichte bodenlange Gewänder an, so wie Jesus. Thomas Fries verkörpert ihn nach 2009 erneut.

Foto: F. X. Meyer

Jesu Leidensweg wird bei den Passionsspielen Neumarkt in eindrucksvollen Bildern dargestellt. Foto: F. X. Meyer

IDie römischen Soldaten haben es im wahrsten Sinne des Wortes nicht leicht: Ihre Rüstung wiegt an die 20 Kilogramm. Für die Anschaffung der originalgetreuen Monturen war eigens eine Spendenaktion gestartet worden.

Regisseur Michael Ritz gibt zu Beginn die Devise aus: „Kein warming up. Ich möchte gleich 100 Prozent sehen.“ An die fünf Stunden wird an diesem Nachmittag, an dem draußen ein laues Frühlingslüftchen weht, geprobt. So lang, bis es draußen längst dunkel ist. Doch die Truppe ist bis zum Schluss in guter, gelöster Stimmung, macht ein Bier auf oder trinkt einen Kaffee, so wie Jesus-Darsteller Fries, den man mit der Tasse in der Hand begegnet, wann immer er nicht auf die Bühne muss. Der Bauzeichner hat kein besonderes Rezept, wie er sich für die strapaziöse Rolle fit hält. Großer Sport ist momentan jedenfalls tabu, die Verletzungsgefahr ist zu groß. Schließlich ist jede Rolle, auch seine, nur einfach besetzt.

Der Regisseur verbessert Ausdruck und Position der Schauspieler. „Es heißt Gottes Sohn. Die Betonung liegt auf der ersten Silbe“, korrigiert er. Ob sein Blutdruck während der Proben steigt? „Nein“, lacht er. „Aber ich muss den Adrenalinspiegel der Darsteller hochziehen“, beschreibt er seine Aufgabe. „Es geht schließlich um eine Hinrichtung, eine Tragödie, einen Mord und nicht um einen Kuschelkurs oder Rosamunde Pilcher“, spornt er die Darsteller an. Beim Passionsspiel gibt es keinen Vorhang. „Ein Bild greift ins andere“, schildert der studierte Theaterwissenschaftler. Dadurch wirkt die Erzählung dynamischer.

Ritz fordert bei den Proben volle Konzentration. Wenn sich hinter der Bühne etwas rührt, kann er auch ungehalten werden. Den Passionsspielchor treibt er an beim „Halleluja“ bei der Auferstehung. „Es ist Erlösung, das muss viel freudiger rüberkommen.“ Beim zweiten Mal ist es schon besser.

Passion als Bühnenspektakel? Solch Kritik weist Ritz entschieden zurück. Schließlich hätten religiöse Schauspiele eine lange Tradition und den Menschen einst den Glauben anschaulich näher gebracht, argumentiert er. Bei der Manöverkritik findet er viel Lob für die Darsteller und hebt hervor, was sich im Laufe der vielen Proben, zunächst dreimal, dann viermal wöchentlich, alles zum Positiven verändert hat. Diesen Sonntag findet die 1. Hauptprobe mit Kostüm, Maske und gesamter Technik statt. Beim Einzug in Jerusalem – Esel Schorschi war bereits vor zehn Jahren bei den Neumarkter Passionsspielen dabei – sind dann komplette Familien auf der Bühne vereint, zum Beispiel Dekanatsreferent Christian Schrödl, seine Frau, die jüngste Tochter sowie Oma und Opa.  

Franz Xaver Mayer / Gabi Gess

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 16 vom 21. April 2019

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