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30.06.2021

Ein Eichstätter bringt Ellwangen Segen / Auf Spurensuche in Pater Philipp Jeningens Heimatstadt / Seligsprechung wird wahrscheinlich

Auf Spurensuche in Pater Philipp Jeningens Heimatstadt

Seit 1992 startet der Ellwanger Kreis „action spurensuche“ seine Jeningen-Wallfahrt (Abb. im Jahr 2019) in Eichstätt. Vieles erinnert dort an den Volksmissionar, zum Beispiel Porträts an seinem Geburtshaus. Foto: H. Weiss

Sein Grab befindet sich in Ellwangen (Bistum Rottenburg-Stuttgart). Seine Wiege aber stand im Schatten des Eichstätter Doms. Wer aufmerksam durch die Altmühl-Stadt geht, entdeckt auch heute noch Spuren, die an den 1704 verstorbenen Pater Philipp Jeningen erinnern. Kürzlich wurde bekannt, dass sein Seligsprechungsprozess wieder Fahrt aufgenommen hat, nachdem der Vatikan eine unerklärliche Heilung anerkannt hat (siehe KiZ Nr. 26), diedem Jesuiten und Volksmissionar zugeschrieben wird.

Wallfahrt seit 1992

Jeningens Namen trägt der Platz zwischen Eichstätter Dompfarramt, Bischofshaus und Domapotheke. Anlässlich seines 350. Geburtstags war dort 1992 ein bronzenes Gedenk-Relief enthüllt worden. Vor diesem versammelt sich seither jedes Jahr im Hochsommer eine Gruppe von Fußwallfahrern, die sich gemeinsam von Eichstätt aus in vier Tagesetappen auf die 120 Kilometer lange Strecke nach Ellwangen macht. Junge Menschen aus der dortigen Pfarrei St. Vitus hatten vor fast 30 Jahren die Idee dazu gehabt. Was als einmalige Aktion zum Jubiläumsjahr gedacht war, entwickelte sich zu einer dauerhaften geistlichen Bewegung in ignatianischem Geist – der „action spurensuche“ mit Mitgliedern jeden Alters. Sie gestaltet in Ellwangen zum Beispiel ein monatliches Abendgebet.

Auf ihrer Wallfahrt vom Geburtshaus zum Grab Jeningens machte die „action spurensuche“ bisher stets Station an der Wallfahrtsbasilika Maria Brünnlein in Wemding. Der frühere Wallfahrtsrektor Monsignore Heinrich Weiß, der dieses Amt 1990 übernahm und heute im Ruhestand in Eichstätt lebt, freute sich jedes Mal über den Besuch der Gruppe, die mit Gitarren und rhythmischen Liedern den Abendgottesdienst „wunderschön“ gestaltet hätte.

Auch nach seiner Wemdinger Zeit hat Weiß den Kontakt zur „action Spurensuche“ nicht abreißen lassen. Immer, wenn die Gruppe sich zum Auftakt ihrer Wallfahrt in Eichstätt versammelte, kam er bisher zur Vesper und zur Statio am Bronzerelief.

„Wenn man Philipp Jeningen auf die Spur kommen will, muss man nach Eichstätt gehen“, schrieb der 2005 verstorbene, frühere Stadtpfarrer von Ellwangen, Patriz Hauser, in einem Büchlein über das Leben des Ordensmannes, der im Volksmund bis heute „der gute Pater Philipp“ heißt. Darin schildert Hauser Jeningens Kindheit in  Zeiten des 30-jährigen Kriegs, seine Schulzeit im Jesuitengymnasium Eichstätt, das Philosophiestudium in Ingolstadt, die Priesterweihe wiederum in Eichstätt. Wegen dieser vielen Verbindungen nahm das Bistum Eichstätt stets an Jubiläen und Gedenkveranstaltungen in Sachen Jeningen teil. So luden 1992 die Bischöfe Dr. Walter Kasper (Rottenburg) und Dr. Karl Braun (Eichstätt) zu einer gemeinsamen Wallfahrt in die Heimatstadt Jeningens nach Eichstätt ein. Als 2004 zum 300. Todestag des Volksmissionars in Ellwangen ein „Philipp Jeningen-Jahr“ stattfand, kam der damalige Eichstätter Bischof Dr. Walter Mixa zum Festgottesdienst.

Frohe Anteilnahme

„Auch Bischof Hanke war schon da“, berichtet der jetzige Pfarer von St. Vitus, Michael Windisch. „Wir waren auch einmal bei ihm und haben ihm die ‚action spurensuche‘vorgestellt.“ Seit 2006, als er Pfarrer in Ellwangen wurde, war Windisch auf Bitten der Jesuiten auch im Jeningen-Seligsprechungsprozess aktiv als sogenannter Vizepostulator. 2011 war er Konzelebrant bei einem Gottesdienst in St. Vitus, mit dem der entscheidende Schritt im Seligsprechungsprozess eingeleitet wurde: der von der Diözese Rottenburg-Stuttgart angestrengte Wunderprozess. Dass seither schon wieder zehn Jahre ins Land gezogen sind, ehe es jetzt nach einem guten Ende aussieht, ist für Windisch nicht wirklich überraschend, „wenn man sich andere Prozesse ansieht, wie lange die dauern“. 

In Eichstätt hatte es alten Quellen zufolge in den 1920er und 1930er-Jahren den „Jeningen- Bund“ gegeben, einen Verein, der für die baldige Seligsprechung des Volksmissionars betete. Auch heute noch würden sich viele Gläubige im Bistum Eichstätt darüber freuen. „Bei einer Seligsprechung würde ich vielleicht sogar nach Rom fahren“, meint etwa Alois Mayer aus Rapperszell, der mit den Gungoldinger Jagdhornbläsern jedes Jahr eine viertägige Fußwallfahrt unternimmt. Zweimal war die Gruppe schon in Ellwangen. So wie es aussieht, ist die dritte Tour nur eine Frage der Zeit.           

Gabi Gess


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