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22.09.2021

Ein Job, der nie langweilig wird

Ein Job, der nie langweilig wird. Eichstätter Pastoralassistenten beginnen Ausbildung

Drei Jahre Ausbildung liegen vor Eva-Maria Singer (r.) und Markus Sturm. In Eichstätt betreut Maria Lechner (l.)die beiden angehenden Pastoralassistenten. Der Kurs findet gemeinsam mit Bamberg und Würzburg statt. Foto: Buchner

 Eichstätter Pastoralassistenten beginnen Ausbildung in Kooperation mit Bamberg und Würzburg

Als Kirche die Zeichen der Zeit erkennen, die Lebenswelten der Menschen vor Ort wahrnehmen und signalisieren, dass da jemand ist, an den man sich mit seinen Sorgen und Nöten wenden kann: „Wir sind bereit“, sagt Anna Schreiber. Die gebürtige Kronacherin ist eine von elf jungen Leuten aus dem Erzbistum Bamberg sowie den Diözesen Würzburg und Eichstätt, die vor Kurzem ihre Ausbildung zur Pastoralreferentin oder -referenten begonnen haben.

Elf Kursteilnehmer

Aus dem Bereich des Erzbistums Bamberg sind neben Schreiber noch Carl Schäfer, Simon Carl und Lukas Lunk dabei, Eichstätt ist mit Eva-Maria Singer und Markus Sturm vertreten, aus der Diözese Würzburg stehen Marion Ranke, Lara Bruck, Franziska Meier, Franziska Reichert und Leandra Büttner am Anfang des kirchlichen Berufslebens. Begleitet werden sie von den Ausbildungsleitern Valentin Weller (Bamberg), Maria Lechner (Eichstätt) und Markus Fastenmeier (Würzburg).

Die Ausbildung findet seit einigen Jahren bistumsübergreifend statt. Jüngst trafen sich die Frauen und Männer, die zwischen 24 und 32 Jahre alt sind und bereits ihr Theologiestudium absolviert haben, für einige Tage in Bamberg. Die nächsten drei Jahre wird es solche Seminare häufiger geben. Die weit überwiegende Zeit verbringen die jungen Leute aber in Pfarreien und Pfarrverbänden. Dort gestalten sie als Pastoralassistenten das seelsorgerische Angebot in Pfarrei, Schule und den unterschiedlichsten pastoralen Feldern mit.

Die meisten von ihnen sind schon früh in die Gemeindearbeit ihrer Herkunftspfarreien hineingewachsen, viele waren Ministrantinnen oder Ministranten. Schreiber etwa stammt aus einer „gut katholischen Familie“, wie sie sagt, hat vor Ort eine lebendige und aktive Gemeinde erlebt. Auch Sturm aus Neumarkt in der Oberpfalz war „von Kindesbeinen an“ in der Kirche verwurzelt. Einige der jungen Leute verloren allerdings als Jugendliche den Kontakt zur Kirche, nahmen erst später die Fäden wieder auf. Carl, der im Kreis Roth aufwuchs und nun für das Erzbistum Bamberg tätig ist, hatte nach der Firmung mit der Kirche
„wenig am Hut“, wie er freimütig erzählt. Erst durch die Tätigkeit bei den Pfadfindern kam er wieder in Kontakt. 

Werbung per Flyer

Wie kam schließlich der Wunsch auf, sich der Theologie zuzuwenden und den beruflichen Weg in der Kirche einzuschlagen? „Es war relativ klar, was ich mal studieren werde“, sagt Schreiber. Auch für Sturm war das nach dem Abitur keine große Frage mehr. Singer, die in Marktoberdorf im Allgäu groß wurde, studierte – wie einige andere auch – zunächst Lehramt mit Hauptfach Religion und merkte dann, „dass ich mehr daraus machen möchte“. 

Gab es Vorbilder? Auffallend oft erzählen die jungen Leute, dass es gerade Seelsorger in den Heimatpfarreien waren, die sie nicht nur im Glauben prägten, sondern auch anstießen, über das Berufsfeld Kirche nachzudenken. So ging es etwa Bruck und Büttner: Sie wurden durch örtliche Pastoralreferenten angeregt. Schäfer fand im heutigen Bamberger Regens Ewald Sauer, damals Pfarrer in Erlangen, einen Mentor, der ihn vom Jurastudium „abwarb“. Und dass trotz aller Digitalisierung auch die herkömmlichen Kommunikationswege noch funktionieren, zeigt das Beispiel von Lunk: Er bekam durch Zufall einen Flyer in die Hand, in dem das Berufsbild des Pastoralreferenten vorgestellt wurde.

„Das hat mir extrem zugesagt“, schildert Lunk. Er schätzt an seinem künftigen Beruf, dass er ein flexibles Arbeiten ermöglicht, dass es keinen Leistungsdruck im klassischen Sinne gibt. Denn der Erfolg von Verkündigung und Seelsorge ist nicht so ohne Weiteres messbar. „Je nach Situation lässt sich jeden Tag etwas schaffen, worauf man stolz sein kann“, sagt der junge Kronacher. Seine Kolleginnen und Kollegen betonen wiederholt, wie wichtig es für sie ist, mit Menschen zu arbeiten, ihnen nahe zu sein. „Es ist ein Beruf, der menschelt“, erklärt Büttner.

Dies bestimmt auch die Vorstellung von Pastoral, die die jungen Theologen mitbringen: „Wir sollten
nicht warten, dass die Menschen in die Kirche kommen, sondern dorthin gehen, wo sie sind, in ihr Lebensumfeld“, sagt Carl. Für sie gehe es darum, „nicht Automatismen abzuspielen, sondern den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen“, berichtet Singer. Ranke kann sich etwa vorstellen, bei der Erstkommunion die Eltern mit ins Boot zu holen, „damit die Familien den Weg mitgehen“. Sie denkt an Besuchsteams für Zugezogene, damit sich diese willkommen fühlen – auch und gerade in der Kirchengemeinde.

Offen für Reformen

Ausbilder Weller spürt bei den angehenden Seelsorgern eine „wahnsinnige Lust“, sich auf schwierige Situationen einzustellen und diese auch auszuhalten: „Mit welcher Ernsthaftigkeit und Wertschätzung sie an die Dinge herangehen, verdient Respekt.“ Fastenmeier sagt, die fünf Würzburger Pastoralassistentinnen kämen vor Ort bereits jetzt in Situationen, in denen es um Strukturen und Gestaltungsspielräume gehe. „Darauf werden wir sie vorbereiten.“ Die Eichstätter Ausbildungsleiterin Lechner spricht von einer „Suchbewegung“ unter den jungen Leuten, die zu erleben Freude bereite: „Den Rest müssen wir den heiligen Geist machen lassen.“ 

Singer erzählt von Bekannten, die zu ihrem Berufswunsch gesagt hätten: „Was, du willst für die Kirche arbeiten? Dann sitzt du in zehn Jahren auf der Straße.“ Diese Skepsis teilt sie nicht: „Wir brauchen diesen Beruf.“ Büttner sieht es ähnlich: Auch in den vergangenen Jahrzehnten habe es unglaublich viele Veränderungen gegeben, alles sei aus den Gegebenheiten der Zeit entstanden. „Solange es noch gläubige Menschen auf der Welt gibt, sehe ich mich noch einen Job haben.“ Und Schreiber bringt es so auf den Punkt: „Das ist ein Job, in dem es keine Langeweile gibt.“

Bernd Buchner / Andrea Franzetti


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