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05.01.2021

Ein „stiller Held“ als Namenspatron / Der Papst hat ein Josefsjahr ausgerufen – was viele freut, die nach ihm benannt sind

Mit dem Herzen eines Vaters“, so lautet die deutsche Übersetzung für „Patris corde“. Ein Schreiben mit diesem Titel hat Papst Franziskus Ende des vergangenen Jahres veröffentlicht und darin den heiligen Josef als besonderes Vorbild für die Menschen heutiger Tage gewürdigt – als einen „stillen Helden“, wie es sie auch in Zeiten der Pandemie gebe. Zugleich hat der Papst für 2021 ein „Jahr des heiligen Josef“ ausgerufen.

Der Papst hat ein Josefsjahr ausgerufen – was viele freut, die nach ihm benannt sind

Der heilige Josef - war Ziehvater Jesu und Zimmermann von Beruf. Auf der Statue, die Dompfarrer Domkapitular Josef Blomenhofer in seinem Wohnzimmer stehen hat, ist dies unschwer zu erkennen. Nicht nur Blomenhofer freut sich, dass der Papst dem heiligen Josef jetzt ein ganzes Jahr widmet. Foto: Blumberg

Wir baten einige Josefs im Eichstätter Klerus um Auskunft, wie sie diese Idee finden und was ihnen ihr eigener Vorname bedeutet. Die gleiche Frage erging an eine der zahlreichen Josefas oder Josefinen, die sich im Bistum kirchlich engagieren. 

 

„Sehr sympathisch“

Dass die Kirche seinem Namenspatron ein eigenes Gedenkjahr widme, damit habe er überhaupt nicht gerechnet, gesteht der Eichstätter Dompfarrer, Domkapitular Josef Blomenhofer. Zum heiligen Josef komme ihm als erstes dessen„schweigendes Dasein“ in den Sinn. Kein einziges Wort von ihm sei in der Heiligen Schrift überliefert. Vielleicht habe ihm ja gerade das Schweigen ermöglicht, aufmerksam und achtsam zu sein – „so aufmerksam, dass er sogar nachts die Stimme Gottes gehört hat“. Zum gängigen Männerbild vom Macher, der alle Fäden in der  Hand hält, passe Josefs Verhalten nicht, gibt Blomenhofer zu. Aber, so überlegt er, „vielleicht täte es uns Männern heute auch mal gut, nicht immer vorzupreschen“. 

Der Familientradition verdankt Blomenhofer seinen Namen: „Ich habe sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits einen Onkel Josef“. Mit der Wahl seiner Eltern ist er sehr zufrieden. „Ich könnte mir keinen besseren Namenspatron vorstellen. Und ich hab’ auch ein bissl was von ihm.“ Denn auch wenn er es gewohnt sei, in der Öffentlichkeit zu stehen, Ansprachen und Predigten zu halten, „so muss ich darüber oft lange brüten“.

Seit er einst Kaplan in Berching war, ist Blomenhofer Mitglied des dortigen Josefsvereins. Und er war schon wiederholt unter den Zelebranten des Gottesdienstes, zu dem die Josefi-Vereinigung Eichstätt alljährlich am Namenstag, dem 19. März, in die Heilig Kreuz-Kirche, die ehemalige Kapuzinerkirche, einlädt (siehe auch Beitrag unten).

Auch der Beilngrieser Stadtpfarrer Domkapitular Josef Funk, ein gebürtiger Eichstätter, erinnert sich an einige Messen, die er in seiner Heimatstadt am Josefstag im Kreise weiterer „Pfarrer-Seppen“ zelebrierte. Sein Namenspatron ist für ihn „eine großartige Gestalt des Vertrauens“. Josef müsse eine reife Persönlichkeit gewesen sein. Sei doch niemand Geringeres als das Gotteskind seiner Obhut anvertraut worden. Unter Zurücknahme seiner eigenen Persönlichkeit sei Josef seiner Verantwortung gerecht geworden. Nicht mit großem 
Tamtam, sondern im Stillen: „Das finde ich sehr sympathisch.“ 

Der heilige Josef ist nicht nur seit 150 Jahren offiziell Schutzpatron der ganzen katholischen Kirche, er wird auch als Patron der Arbeiter verehrt, gilt als Fürsprecher Europas und Patron für eine gute Sterbestunde. „Da gibt’s schon verschiedene Aspekte, auf die man den Lichtstrahl der Taschenlampe richten kann“, beantwortet der Domkapitular die Frage, wie man das Josefsjahr inhaltlich gestalten könnte. Ob der weitere Fortgang der Corona-
Pandemie dies aber schon am  Gedenktag im März zulässt, da ist er skeptisch. Mit seinem Vornamen sei er stets „zu hundert Prozent zufrieden gewesen“, sagt Funk. Allein schon, weil auch sein Vater und sein Großvater so hießen.

 

„Josef war gerecht“

Auch Pfarrer Josef Bierschneider, 
der seinen Ruhestand in Beilngries verbringt, bekam als Erstgeborener den Namen, den schon Vater und Opa trugen. Das Bild, das er von seinem Namenspatron hat, zeigt einen fürsorglichen Vater, der sich um ein Kind kümmerte, das „wie jedes andere gegessen, gespielt, gelernt hat“. Über Josef sagt Bierschneider aber auch: „Er war gerecht.“ So, wie es auch im Matthäusevangelium geschildert wird: Weil Josef seine schwangere Verlobte nicht bloßstellen wollte, beschloss er, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, sei ihm aber ein Engel des Herrn im Traum erschienen. „Für Maria war es ja Spitz auf Knopf, dass sie nicht gesteinigt wurde“, erinnert Bierschneider an Frauenschicksale, wie es sie nicht nur zur Zeit Jesu gab, sondern beklemmenderweise bis heute gibt.

„Er war ein gerechter Mensch“, sagt auch Pater Joseph Alangattukaran, Pfarrer von Pfahldorf, über seinen Namenspatron. Der Geistliche kam im indischen Bundesstaat Kerala zur Welt. Dort sei es Tradition, „dass der älteste Sohn immer den Namen vom Opa väterlicherseits bekommt“, erläutert er. Analog heiße die älteste Tochter so, wie die Oma väterlicherseits, erläutert Pater Joseph, der sieben Geschwister hat. Traditionell wird in seiner Familie auch der Name Maria vergeben. Er sei, ebenso wie Josef, sehr häufig in seiner Heimat, erklärt er: „Es gibt auch viele Josefs-Kirchen.“

 

Josefa oder Josefine?

Ob Josefa, Josefine, oder kurz Fini – Frauen, die so genannt werden, feiern ebenfalls am 19. März Namenstag. Josefa Riedel, die sich in Abenberg sowohl im katholischen Frauenbund als auch im Krankenpflegeverein engagiert, ist eine von ihnen. Bei ihrer Geburt im Januar 1943 waren sich alle einig gewesen, dass das Mädchen Josefine heißen sollte. In der Schule wurde sie später so genannt, in der Klöppelschule Abenberg, später auch in der Arbeit als kaufmännische Angestellte. Als sie aber 1968 heiratete, wies sie der Standesbeamte darauf hin, dass in ihrer Geburtsurkunde nicht Josefine, sondern Josefa stehe. Der junge Vater hatte nämlich seinerzeit auf dem Amt angegeben, das Kind werde nach seiner Mutter benannt. „Und die hieß Josefa“, erklärt  Riedl. „Seither unterschreib ich offiziell mit diesem Namen.“ Vom päpstlich angeregten Josefsjahr, „hab ich was gelesen“, meint die bald 78-Jährige. Was ihr der heilige Josef bedeutet, fasst sie in einem Satz zusammen: „Er war unserm Jesus sein Vater.“

Gabi Gess


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 4 vom 24.1.2021

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