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29.09.2021

Ein „Zauberwort“ in der Kirche

Diözesanrat befasst sich mit dem Thema Synodalität / Kirchenrechtlerin zeigt Möglichkeiten

Von der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz berichtete der Eichstätter Oberhirte Gregor Maria Hanke. Unser Bild zeigt ihn mit Diözesanrat-Vorsitzendem Christian Gärtner. Foto:Franzetti

Diözesanrat befasst sich mit dem Thema Synodalität
Kirchenrechtlerin zeigt Möglichkeiten

Diese Vollversammlung sei eingerahmt vom Engagement zum Erhalt der Schöpfung, betonte Diözesanratsvorsitzender Christian Gärtner in seiner Begrüßung. Auf Schloss Hirschberg trafen sich die Diözesanratsmitglieder am letzten Septemberwochenende. 

Als die Sitzung am Freitagnachmittag startete, war gerade der globale Klimastreik der „Fridays for future“-Bewegung vorbei. Und am Tag nach Abschluss der Diskussionen hatte das Bistum nach Kloster Heidenheim zum zehnten Schöpfungstag (siehe auch S. 7) eingeladen. Im Geistlichen Wort von Domkapitular Reinhard Kürzinger ging es auch um Umweltschutz. Der Geistliche Beirat des Gremiums hatte eine Figur des heiligen Franziskus mitgebracht. Kürzinger erinnerte an die Vogelpredigt des Heiligen und an dessen Einsatz zur Bewahrung der Schöpfung. 

Bischof Gregor Maria Hanke knüpfte daran an und begann seinen Vortrag mit einem Plädoyer für einen Wandel unseres Lebensstils. Im Wahlkampf sei das Thema Schöpfung an vielen Stellen zentralgewesen und „wir als Christen dürfen uns da nicht ausklinken“, sagte der Bischof. Er erinnerte daran, dass Christen, wenn sie „den Sendungsauftrag ernst nehmen würden“, sozial, verantwortungsbewusst und offen für Fremde seien. Es gelte „dem Leben durch einen dem Evangelium entsprechenden christlich-solidarischen Lebensstil echte Nachhaltigkeit zu verleihen“. Wenn der Klimaschutz nur von äußeren Zwängen bestimmt sei, gäbe es lediglich eine neue Wirtschaftsform, ohne einen wahren Mentalitätswandel. Der aber sei nötig, betonte Hanke.

„Gute Gesprächskultur“

Bischof Hanke berichtete in seinem Vortrag von der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda (siehe S. 11, 14 und 15), die „atmosphärisch besser als ihr Ruf“ gewesen sei. In den säkularen Medien sei „sehr zugespitzt“ über die Tagung berichtet

worden. Es habe in Fulda eine „gute Gesprächskultur“, geprägt von Mitbrüderlichkeit, geherrscht, erklärte der Bischof. Bei der Aussprache über den Synodalen Weg sei über verschiedene Themen diskutiert worden, so auch über den von einem Synodalforum formulierten Demokratisierungsbedarf der Kirche. Der Bischof führte vor dem Diözesanrat aus, dass die Demokratie oft auf Parlamentarismus reduziert werde, aber viel mehr sei. Es gehe um breit angelegte Meinungsbildung und um Interessenvertretung und Interessensausgleich, wofür in Demokratien Parteien wichtig seien. In der Kirche gehe es hingegen um die Einheit der Jünger, um das gemeinsame Suchen nach dem Willen Gottes. „Wollen wir in der Kirche Parteien haben?“, fragte der Bischof. Synodalität, also einen gemeinsamen geistlichen Weg zu gehen, um die Jüngerschaft zu stärken, nicht Demokratie sei der Weg der Kirche, so Hanke. Als Beispiel nannte er den von Papst Franziskus angestoßenen weltweiten synodalen Prozess, der vom gemeinsamen Hören auf Gottes Wort, auf die Lehre der Kirche, aufeinander sowie auf Gottes Anruf im Heute geprägt sei. 

In Sachen Missbrauchsaufarbeitung bedauerte Hanke, dass den Bemühungen der Kirche medialkeine große Aufmerksamkeit geschenkt würde. Über Aktionen von Demonstranten am Rande der Bischofskonferenz sei mehr berichtet worden, als über die Inhalte der Tagung, klagte der Bischof. 

Vor Abendessen und Gottesdienst nutzten die Diözesanräte noch die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Walburga Kretschmeier, Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds, dankte Hanke für die Ausführungen zur Bischofskonferenz, in denen sie jedoch die Rolle der Frauen in der Kirche vermisst habe. Es gehe ihr nicht um Frauenin Führungspositionen in der

Kirche, sondern ganz konkret um das Diakonat für Frauen, machte die Vorsitzende deutlich. Dieses Thema sei theologisch zu diskutieren und könne auch nicht auf Deutschland-Ebene gelöst werden,machte Hanke deutlich. Er regte aber an, diese Fragestellung an andere Stelle mit dem Gremium zu vertiefen. Weitere Wortmeldungen zu Soziallehre oder zu Jugend-

themen hatten alle im Tenor die Frage: Wo erhalten wir Laien mehr Mitspracherechte? Hanke verwies beispielsweise auf den Diözesansteuerausschuss: „Nicht ich stimme über den Bistumshaushalt ab, sondern der Ausschuss“. Dieses Gremium solle auch noch gestärkt werden, kündigte Hanke an. Dem stimmte Amtschef Thomas Schäfers zu, der an der Sitzung teilnahm. Er verwies jedoch auch auf die finanziell angespannte Situation in der gelte: „Wir müssen den Gürtel enger schnallen.“

Andrea Franzetti

Dass das Kirchenrecht keine undurchdringliche Barriere ist, was Mitwirkungsmöglichkeiten und Entscheidungskompetenz von Laien betrifft, zeigte der Vortrag von Prof. Dr. Sabine Demel, mit dem der zweite Tag der Vollversammlung begann. „Das war für viele ein Aha-Erlebnis“, fasste ein Teilnehmer anschließend zusammen.

Demel, die online auf der Leinwand zugeschaltet war, hat ihre wissenschaftliche Laufbahn einst an der Katholischen Universität Eichstätt begonnen und ist heute Lehrstuhlinhaberin für Kirchenrecht an der Universität Regensburg. In ihrem Vortrag, der überschrieben war mit dem Psalmenwort „Der Herr gebe Macht seinem Volk“, ging sie der Frage nach, ob Vollmacht und Synodalität einen Widerspruch bilden. Mit Macht- und Gewaltenteilung in der Kirche und gemeinsamer Teilhabe am Sendungsauftrag setzt sich auch eines der vier Foren des Synodalen Wegs auseinander. Demel gehört zu dessen Mitgliedern.

Synodalität im Sinne von gemeinsam Kirche sein, das sei „ein neues Zauberwort“ in der Kirche, stellte sie fest. In ihm schwängen alle positiven Assoziationen mit, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil mit dem Begriff „Communio“ verbunden seien. Die Realität vor Ort sei aber oft eine andere, verwies die Referentin auf ein „Gegeneinander“: Hier bischöfliche Macht, dort rechtliche Ohnmacht. Als hauptverantwortlich dafür gelte bei vielen Kritikern die fehlende Gewaltenteilung in der Kirche. Statt dreier Säulen, wie im Staat, sei die Kirche geprägt vom Bild der drei Funktionen der einen, heiligen Gewalt: Nicht weltlich eingesetzt, sondern Fortsetzung der Sendung Christi.  Zwar werde auch in der Kirche faktisch Macht delegiert, etwa in Verwaltung oder Rechtsprechung, „was dem Staat doch sehr nahe kommt“. Jedoch seien die Grenzverwischungen in der Kirche ungleich höher. „Das eigentliche Problem in der Kirche ist nicht die fehlende Gewaltenteilung, sondern die Intransparenz in Zuständigkeiten und Entscheidungswegen“, befand die Kirchenrechtlerin. Die Reform des Kirchenrechts 1983 habe hier nachgebessert, „aber vieles kommt erst jetzt allmählich in die Gänge. Wir haben gejubelt, dass endlich ein Laie und sogar eine Frau Sekretärin der Deutschen Bischofskonferenz wird. Aber das hätte schon seit 1983 so sein können“. 

Im Zweifel: Nachfragen

Zur „Überwindung der klerikalen Privilegierung“ nannte Demel Schritte, die nicht einmal eine Gesetzesänderung bräuchten, „sondern nur den Mut, loszulegen: Zum Beispiel eine freiwillige jährliche Rechenschaftspflicht des Bischofs und Pfarrers gegenüber den Räten. Im Rundgespräch riet Demel diesen, bei Unsicherheiten in Sachen Kirchenrecht im Zweifelsfall nachzufragen. Den Verweis auf das Dilemma der Bischöfe, die stets zwischen den Forderungen der Heimatdiözese
und den Weisungen aus Rom eingeklemmt seien, konterte die Referentin ganz gelassen: Statt die Meinung der Gläubigen abzuschmettern mit dem Satz: „Da waschen sie mir in Rom den Kopf“ dürfe ein Bischof ruhig auch mal im Vatikan sagen:
„So kann ich nicht zurück zu meinen Gläubigen. Die steigen mir aufs Dach!“

Gabi Gess


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