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06.04.2022

Eine Abtei antwortet auf die Klimakrise

Einweihung des neuen Holz-Strohhauses in Plankstetten mit Ministerpräsident Dr. Markus Söder

Strohschlüssel-Präsentation mit Abt Dr. Beda M. Sonnenberg und Ministerpräsident Dr. Markus Söder. Das putzige Willkommenskommitee im Hintergrund bezieht bald Kita-Räume im Neubau. Foto: Bayerische Staatskanzlei/Preiss

Gerade hatten Plankstettener Kindergartenkinder dem bayerischen Ministerpräsidenten ein Willkommenslied gesungen. Nun stellte Dr. Markus Söder die nachdenkliche Frage, welche Welt wir unserem Nachwuchs einmal übergeben und wie sich den Herausforderungen durch die Klimakrise begegnen lässt. Eine „großartige und einzigartige Antwort“ habe die Benediktinerabtei Plankstetten mit ihrem neuen Holz-Strohhaus gegeben, das an diesem Tag feierlich eingeweiht wurde.

Bereits seit Ende der 1990er-Jahre unterzieht der Konvent seine historischen und denkmalgeschützten Klostergebäude nach und nach einer Generalsanierung. Im Zuge des jüngsten Bauabschnitts ist nun in dreijähriger Bauzeit das größte strohgedämmte Gebäude Süddeutschlands entstanden. Der dreigeschossige Mehrzweckbau ist mit Holz aus dem klostereigenen Forst und Stroh von den ökologisch bewirtschafteten Feldern des Klosters errichtet sowie innenseitig mit Lehm verputzt. Entstanden sind 30 neue Gästezimmer, ein Kindergarten und ein Pfarrbüro.

Lebensstil überdenken

Dass vom neuen Haus auch Impulse für das „Zentrum für Schöpfungsspiritualität“ ausgehen werden, das die Abtei vor Kurzem in Zusammenarbeit mit der Diözese Eichstätt begründet hat, erläuterte Abt Dr. Beda Maria Sonnenberg in seiner Begrüßungsrede. Er hieß Vertreterinnen und Vertreter von Politik und Behörden ebenso willkommen wie kirchliche Gäste, darunter die Äbte der Klöster Scheyern und Schäftlarn und die Priorin der Eichstätter Abtei St. Walburg. Sonnenberg schilderte den Beginn der Planungen für das neue Gästehaus, für das die Abtei zahlreiche Zuschussgeber gewinnen konnte. Neben Fördertöpfen von Bund und Freistaat, neben Zuschüssen von Diözese Eichstätt und Stadt Berching, flossen auch Mittel aus dem europäischen Interreg-Projekt UP STRAW ein.Der Neubau in Plankstetten ist eines von fünf beispielgebenden Bauprojekten, die in den beteiligten EU-Staaten einen Markt für das Bauen mit Stroh ins Rollen bringen sollen.

Erst einmal aber geriet das Bauvorhaben ins Rutschen, wie Abt Beda in seinem Rückblick schilderte. Der instabile Hang hinter dem Kloster erforderte langwierige geologische Untersuchungen und solide Stützmaßnahmen. Die nächsten Verzögerungen kamen durch zwei Corona-Lockdowns. Dank gebühre allen, die den Bau trotzdem vorangebracht hätten, stellte der Abt fest und dankte, allen voran, seinem Cellerar Frater Andreas Schmidt, der sich mit großem Verantwortungsbewusstsein auf das Wagnis Strohhaus eingelassen habe. „Inmitten einer globalen Krise bauen wir an einer neuen Zukunft“, rief der Abt. „Mit diesem Bau gelingt es uns, bereits die Jüngsten im Kindergarten für das Thema Umwelt zu sensibilisieren.“ Auch die 30 Gästezimmer, die klösterlich schlicht, fast minimalistisch eingerichtet seien, verstünden sich als Anstoß, „nachzudenken, was man wirklich zum Leben braucht“, auch mit Blick auf eine drohende Versorgungskrise. „Der Krieg stellt unseren Lebensstil infrage und wird uns zu einem Kurswechsel zwingen, ob wir das wollen oder nicht.“ Gerade Ordensleute wie die Benediktiner, zu deren Lebensentwurf die Ortsgebundenheit, die „Stabilitas loci“, gehöre, könnten nicht weglaufen, sondern müssten Lösungen im Hier und Jetzt finden: „Wir wollen sie geben.“ 

Lob für Ehrenamtliche

Festredner Söder bescheinigte der Plankstettener Abtei, „schlaue Leute“ an ihrer Spitze zu haben, die es immer wieder schafften, mit ihren Vorhaben zu begeistern und  Projektpartner herbeizulotsen. Mit dem Strohhaus setze das Kloster neue Standards. Diese Art des Bauens wolle der Freistaat fördern. Dass sich der Ministerpräsident am Ende seiner Rede deutlich zur Kirche und zum Glauben bekannte, „der mir unheimlich viel Kraft gibt“, dass er feststellte, Bayern wäre „ohne sein ehrenamtliches kirchliches Engagement sehr viel ärmer“, das freute besonders den nachfolgenden Redner, den Eichstätter Generalvikar Pater Michael Huber. Er stellte fest, die ökologische Frage verlange „Antworten, die in unserem Leben sichtbar sind“. Im Neubau der Abtei, der viele Menschen zusammenführe, sei dies vorbildlich gelungen.

Der Einweihung war eine Podiumsdiskussion über nachhaltigen Tourismus vorangegangen. Fachleute aus der Branche tauschten sich dabei aus zu der Frage „Regionalität, Nachhaltigkeit, Achtsamkeit = Urlaub der Zukunft?“ Wer diese Frage mit Ja beantwortet, der finde jedenfalls im Kloster Plankstetten gute Bedingungen, meint Cellerar Frater Andreas: „Wo kann man nachhaltiger Urlaub machen als bei uns? Unser neues Gästehaus ist CO2-neutral gebaut, wird regenerativ mit Hackschnitzeln geheizt, mit Strom von unserer Biogasanlage Staudenhof versorgt. Außerdem gibt es zu 100 Prozent Bioessen.“ Einziges Manko sei der schlecht erschlossene öffentliche Nahverkehr. Deshalb der Tipp des Cellerars: „Mit dem Radl kommen!“ 

Gabi Gess

 


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Ausgabe Nr. 33/34 vom 14./21. August 2022

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