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16.03.2016

Eine Krippe ist niemals fertig

„Es ist noch Viel zu tun!“:  Der frisch von Nobert Tuffek geschnitzte Esel braucht noch seinen endgültigen Anstrich, muss auf ein Gestell und das auf einen Leiterwagen montiert werden. Foto: Kreitmeir

„Es ist noch Viel zu tun!“: Der frisch von Nobert Tuffek geschnitzte Esel braucht noch seinen endgültigen Anstrich, muss auf ein Gestell und das auf einen Leiterwagen montiert werden. Foto: Kreitmeir

Holzbildhauer Nobert Tuffek gestaltet für die Jahreskrippe in Wendelstein einen neuen Palmesel. Alles begann mit dem Internet. Dort entdeckte der Wendelsteiner Holzbildhauer Nobert Tuffek beim Stöbern einen stark ramponierten barocken Kopf.

Dem fehlte das rechte Auge, seine rechte Gesichtshälfte war stark in Mitleidenschaft gezogen worden und Haare hatte er auch keine. Die Schäden waren beträchtlich und so gab ihn der Händler, der den Kopf anbot, zu einem günstigen Preis ab.

Tuffek investierte neben seinem Können rund 30 Stunden Zeit, um dem Kopf nicht nur neues Leben einzuhauchen, sondern ihn auch mit einem passenden Körper zu versehen. Mit wallendem Haar und in kostbare Stoffe gehüllt wurde er dann im Februar 2016 zur Hauptfigur der Szene „Berufung des Petrus“ der Wendelsteiner Jahreskrippe.

Werkstatt-Besuch

Anfang März aber hieß es für  den Barock-Jesus zurück in Tuffeks Bildhauer-Werkstatt, einem umgebauten Schwimmbad. „Das Becken befindet sich – natürlich leer – unter dem Dielenboden und dient mir als Lager für die über 250 Krippenfiguren“, erklärt der 43-jährige Holzbildhauer, und die Balken des Dachstuhl habe er freigelegt. Mit den dort deponierten 55 Zentimeter hohen Figuren können zwölf Bilder aus dem Weihnachtszyklus gestellt werden. Der Fundus diene aber auch der Jahreskrippe in der Nikolauskirche. Die vor seiner Zeit angeschafft worden ist, die er nun aber schon über 30 Jahre betreut.

Mitten in der Werkstatt steht auf einem Tisch ein Esel, auf dem die etwa 80 Zentimeter große barocke Jesusfigur sitzt. Den Esel, so erfährt der Werkstattbesucher, habe er erst letzte Woche geschnitzt und am Tag zuvor bemalt, „damit er ein bisschen etwas gleichsieht“, gesteht er zwinkernd.

Liebe zum Schnitzen

„Aber da ist noch einiges zu tun. So muss zum Beispiel das Fell nachgearbeitet werden, das Gewand und der Mantel  Christi brauchen noch Verzierungen und Bordüren aus geklöppelten Gold- und Silberspitzen“. Schließlich müsse der Esel noch auf ein Gestell montiert werden, das auf einem Leiterwagen befestigt wird, damit die Figur bei der Palmprozession mitgeführt werden kann.

Schon als Kind, erinnert sich Tuffek, habe er schnitzen wollen und so habe ihm sein Taufpate das erste Schnitzmesser geschenkt. Aber den Eltern zuliebe habe er zunächst einen „anständigen“ Beruf gelernt, sei aber 1991 seiner Passion zur Holzgestaltung gefolgt und habe an der Berufsfachschule in Bischofsheim/Röhn die Ausbildung zum Holzbildhauer begonnen. Nach dem Abschluss  richtete er sich eine eigene Werkstatt in Wendelstein ein. Von 1995 bis 1997 besuchte er die Meister- klasse für Holzbildhauer im  Berufsbildungszentrum für Bau  und Gestaltung in München  und schloss sie erfolgreich ab.  Tuffek lebt von der Bildhauerei  und liefert „ausschließlich selbst Handgeschnitztes“.

Der Wendelsteiner arbeitet sehr genau bis ins Detail. Um die  richtigen Bordüren für die Barockgewänder herstellen zu können, lernte er in Abenberg das Klöppeln. Er schnitzt die Figuren teils sogar nach lebenden Vorbildern, schneidert und verziert die Gewänder, restauriert Beschädigtes und fertigt Aufträge, wann immer möglich, genau nach den Wünschen des Auftraggebers.

In der Werkstatt finden sich nicht nur sitzend, stehend, liegend, gefatscht, bekleidet oder nicht, Jesus-Kinder, die Tuffek sammelt, sondern auch Klöppelstühle mit bis zu 300 Klöppeln und eine übergroße Ankleide-Madonna. In einer Vitrine steht eine Wiegemadonna, eine Muttergottesfigur, die ihr Kind im Arm wiegen kann. Eine Gruppe mit 55 Zentimeter großen Figuren erzählt die Geschichte des zwölfjährigen Jesu im Tempel. Die mit Jesus diskutierenden Priester und Gelehrte sind in dem Bild Benediktiner. Bei genauerer Betrachtung kann man Mönche des Klosters Schäftlarn erkennen zu dem Tuffek eine engere Beziehung hat.

Besuch der Kirche

Nach der Werkstatt geht es  in die Wendelsteiner Pfarrkirche St. Nikolaus. An der Rückwand der Seitenkapelle befindet sich hinter Glasscheiben die Jahreskrippe, die zur Zeit zwei Bilder der Passionsgeschichte zeigt. Die linke Seite ist hell erleuchtet. Man sieht Jesus im Garten Gethsemane vor einem Felsen kniend, auf dem steht ein Engel, der ihm den Kelch des Leidens reicht. Im Hintergrund schlafen die Jesus begleitenden Apostel, die um ein flackerndes Feuer liegen. Die rechte Seite der Krippe ist bewusst dunkel gehalten. Dort ist Judas Iskariot mit einer Anzahl Priester zu sehen, als er gerade die 30 Silberlinge für seinen Verrat erhält.

Tuffek, der zur Zeit Kirchenpfleger von St. Nikolaus ist, betreut und ergänzt nicht nur die Jahreskrippe der Pfarrkirche, von ihm stammt zum Beispiel auch das Vortragekreuz in der Seitenkapelle, das Kreuz am Hauptaltar, das Relief der Taufe Jesu durch Johannes beim Taufstein und die Büste der heiligen Patronin der Kirchenmusik Cäcilia beim Aufgang zur Empore.

Klaus Kreitmeir, Kirchenzeitung Nr. 12 vom 20. März 2016

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