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01.09.2021

Einfach Abwarten wäre der falsche Weg - Liturgieexperte Benini: Leute, die nach Corona im Gottesdienst fehlen, aktiv zurückgewinnen

Liturgieexperte Benini: Einfach Abwarten wäre der falsche Weg

Ein gespendetes Messgewand nahm der Liturgiewissenschaftler und Eichstätter Diözesanpriester Prof. Marco Benini neulich stellvertretend in Berching entgegen. Sein Bruder ist dort Pfarrer. Foto: Altrichter

Kirchenbänke, in die eigentlich locker sieben, acht Leute passen, sollten auf einmal nur noch drei Plätze bieten, und das auch nur in jeder zweiten Reihe. Als die Corona-Abstandsregeln umgesetzt werden mussten, war die Sorge groß, Gläubige an der Kirchentür abweisen zu müssen, weil die Plätze nicht ausreichen. Doch vielerorts ist nun Ernüchterung eingekehrt, denn selbst unter den eingeschränkten Bedingungen bleibt noch der ein oder andere Sitzplatz im Gottesdienst leer.

Während die einen trotz beschwerlicher Maskenpflicht Sonntag für Sonntag erscheinen, haben sich andere „den Gottesdienst schlicht abgewöhnt“, heißt es in einem neuen Impulspapier des Deutschen Liturgischen Instituts (DLI) in Trier, das ein Eichstätter Diözesanpriester, der Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Marco Benini, verfasst hat. Der gebürtige Ingolstädter übernahm dieses Frühjahr den Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät Trier, der mit der Leitung der wissenschaftlichen Abteilung des Deutschen Liturgischen Instituts verbunden ist. Nicht zuletzt betreut Benini derzeit parallel noch Studierende im Rahmen eines 2018 begonnenen Lehrauftrags an der Catholic University of America in Washington. Kurz vor seinem Abflug in die USA gab er der KiZ Auskunft, warum Haupt- und Ehrenamtliche in den Pfarrgemeinden jetzt nicht resignieren dürfen. Sondern versuchen müssen, bewusst (wieder) zum Gottesdienst in die Kirche einzuladen.

Alarmierende Statistik

Die neueste Statistik der Deutschen Bischofskonferenz zum Gottesdienstbesuch spricht eine deutliche Sprache: Die jüngste Sonntagszählung habe ergeben, dass die Teilnehmerzahl im Schnitt um ein Drittel zurückgegangen sei, berichtet Benini. Auch ein Bistum wie Eichstätt, wo im Vergleich noch überdurchschnittlich viele Katholiken zum Gottesdienst gehen, macht da keine Ausnahme: Waren es laut Statistik von 2019 noch 14,1 Prozent, so schrumpfte diese Zahl 2020 auf exakt zehn Prozent. Ein Appell von Papst Franziskus zeigt, dass andere Länder vor ähnlichen Problemen stehen: In einer Botschaft zur Nationalen Liturgischen Woche in Italien forderte er mehr Anstrengungen und Kreativität zur Wiederbelebung der Sonntagsmessen. Was man konkret machen kann (siehe Kasten unten), stellte Benini in seinem Abschlussvortrag bei der diesjährigen Sommerakademie des DLI vor, die sich der Herausforderung „Einladend Gottesdienst feiern angesichts Corona“ annahm. Zu demjährlichen Treffen kommen laut Benini Haupt- und Ehrenamtliche, die sich besonders in der Liturgie engagieren.

Im Vorfeld der Sommerakademie hatte Benini in einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur deutlich gemacht, dass Online-Gottesdienste auf Dauer Präsenz- Angebote nicht ersetzen. Das Erleben von Gemeinschaft, die vielfältigen Sinneseindrücke im Kirchenraum – all dies lasse sich am Bildschirm nicht erfahren. Und, vor allem, „die Sakramente kann ich einfach daheim nicht empfangen“, gibt Benini zu bedenken. Was nicht die Verdienste jener schmälere, die im Lockdown spontan Gottesdienstübertragungen ermöglichten, um die Leute überhaupt zu erreichen, um ihnen wenigstens am Bildschirm vertraute Gesichter und Stimmen zu bieten.

Wer fehlt in der Bank?

Aber nun, wo mehr und mehr Leute geimpft seien und Hygienekonzepte routiniert umgesetzt würden, sei es Zeit für die Gemeinden, aktiv an ihrer Willkommenskultur zu arbeiten. Denn „wer sich willkommen fühlt, nimmt auch anders an der Feier teil“. In den USA sei es gang und gäbe, die Gläubigen an der Kirchentüre zu begrü.en. Nicht erst, seit Hände-Desinfizieren angesagt sei. Nötig sei der aufmerksame Blick. „Wer saß da eigentlich vor Corona noch mit in der Bank?“ Natürlich koste es Überwindung und Zeit, die Leute persönlich einzuladen, „aber ich bin überzeugt, dass es sich lohnt“. Mit Blick auf Reiseveranstalter, Event-Agenturen oder Sportvereine, die mit steigenden Impfzahlen Konzepte entwickeln, um Kunden zurückzugewinnen, meint Benini: „Es kann nicht sein, dass alle anderen etwas machen und wir in der Kirche, wir hoffen nur!“

Gabi Gess

 


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