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09.09.2016

Ferien in Pfünz für die Vinzenz-Kinder

Beim Malen mit Lydia Pavlenko und deren Kollegen. Foto: Gess

Beim Malen mit Lydia Pavlenko und deren Kollegen. Foto: Gess

Sieben Kerzen brennen in der Kapelle des Jugendtagungshauses Schloss Pfünz. Sie künden von der Anwesenheit ganz besonderer Gäste.

Sieben schwer mehrfachbehinderte Mädchen und Buben zwischen sieben und 13 Jahren, die das Caritas-Zentrum St. Vinzenz in Ingolstadt besuchen, verbringen eine fünftägige Ferienfreizeit in Pfünz. Diese kann dank finanzieller Förderung durch die Caritasstiftung Eichstätt bereits seit 2013 regelmäßig stattfinden. Wie gut das Geld, mit dem überwiegend Unterkunft und Verpflegung finanziert werden, angelegt ist, wollte das Betreuer-Team jetzt deutlich machen – und lud Caritasdirektor Domkapitular Franz Mattes und den Geschäftsführer der Caritasstiftung, Johann Baumgartner, zu einem Besuch ein.

Die Eltern entlasten

Jedes Kind dürfe morgens und abends in der Kapelle seine eigene Kerze anzünden, beschreibt die Leiterin der Ferienfreizeit, Lydia Pavlenko, ein tägliches, wichtiges Ritual. „Die Kinder lieben es“, erzählt die Heilerziehungspflegerin, die schon seit 1995 im Caritas-Zentrum St. Vinzenz arbeitet. In Pfünz wird sie unterstützt von zwei Kinderpflegerinnen und einem Erzieher. Fast eine Woche ist das Team rund um die Uhr für die Kinder da. „Hier erleben wir, was die Familie erlebt“, meint Pavlenko, „hier sind wir praktisch Ersatz für die Eltern“. In Gesprächen mit den Müttern und Vätern ihrer Schützlinge hört die Caritas-Mitarbeiterin immer wieder, wie kräftezehrend der Alltag mit einem schwer behinderten Kind ist. Die Freizeit in Pfünz gibt ihnen die Möglichkeit, sich eine Auszeit zu nehmen oder auch, sich ausgiebig den nichtbehinderten Geschwistern zu widmen, die im Alltag oft zu kurz kommen. „Deswegen ist auch die Nachfrage sehr groß“, sagt Pavlenko, „es gibt eine lange Warteliste“.

In der Jugendhaus-Kapelle werden Lieder angestimmt, die die Kinder kennen. Bei „Laudato Si“ klatschen die einen mit, die anderen wippen mit dem ganzen Oberkörper auf und ab, einer spielt sogar Luftgitarre und strahlt  übers ganze Gesicht. Einige in der Gruppe können recht flüssig sprechen, andere nur Laute von sich geben. Manche haben selbst ihren Koffer ausgepackt und putzen allein die Zähne, andere brauchen ständige Unterstützung.

Rollstuhlfahrer sind diesmal nicht in der Gruppe. Aber auch für sie sei ein Aufenthalt in Pfünz problemlos möglich, lobt Pavlenko die Voraussetzungen im Tagungshaus: „Es hat schöne große Zimmer und breite Gänge. Und im Park kann man so viel unternehmen“. Dass der Weg nach Ingolstadt nicht weit ist, ist ein zusätzlicher Pluspunkt. „Für Kinder ist es nicht wichtig, 200 Kilometer weit zu fahren und zwei Stunden im Bus zu sitzen“, meint die Heilerziehungspflegerin, die sich mit ihren Schützlingen in Pfünz willkommen fühlt. „Das Personal hier, vom Hausmeister über die Küchen-und Reinigungskräfte bis zu den Büroangestellten, ist so nett und zeigt so viel Wertschätzung“, freut sie sich, „wir haben noch kein einziges Mal gehört, dass wir laut sind oder stören“.

Im ersten Stock des Jugendhauses, wo sich die Kinder zum Basteln treffen und dem Caritasdirektor zeigen, wie die „Farbenzauber-Malmaschine“ funktioniert, gesellt sich die elfjährige Bella zur Gruppe. Die aufgeweckte Nürnbergerin mit den langen dunklen Zöpfen besucht eigentlich das Englisch-Sprachcamp, das parallel in Pfünz stattfindet. Aber immer wieder sucht sie den Kontakt zu den Gleichaltrigen mit Behinderung. „Ich mag das Wort behindert eigentlich nicht“, meint sie ernst, „es ist kein nettes Wort“. Aber die Kinder, die seien nett.

Lob für die Betreuer

Nicht immer finden Menschen mit Behinderung so viel Verständnis. Kinderpflegerin Katrin Kern erzählt von einem Schwimmbadbesuch im Rahmen der Offenen Behindertenarbeit, bei der ein Mädchen, das sich nur durch Laute verständlich machen konnte, von anderen Kindern nachgeäfft wurde. Kern sprach sie an: „Ihr könnt sprechen, das ist toll, darüber dürft ihr froh sein.– Da waren sie ganz betreten.“ An ihrem Arbeitsplatz in St. Vinzenz hat Kern auch ihren Pflegesohn Patrick (7) kennengelernt, den sie nach Pfünz mitgebracht hat. „Er war damals in der Frühfördergruppe und ich habe gehört, dass er Pflegeeltern sucht“. Ihr großer Sohn (22) habe sich vor vier Jahren über den unerwarteten kleinen Bruder gefreut, erzählt sie. „Es ist anstrengend, klar“, meint sie über ihren Alltag, „aber man sieht auch jeden Tag einen Erfolg und kriegt ganz viel zurück“.

Caritasdirektor Mattes betont im Gespräch mit der KiZ: „Ich schätze die Arbeit der Betreuer sehr und finde es schön, wenn man gerade Kindern mit Behinderung etwas bietet.“ Dass er sich wohlfühlt bei seinem Besuch, merkt man Mattes an. „Wenn ich Kinder sehe“, sagt er, „dann geht mir sowieso das Herz auf“.

Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 37 vom 11. September 2016

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