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24.11.2021

Fragen, was die Menschen bewegt

BDKJ stellt Ergebnisse seiner bistumsweiten Kirchen-Umfrage vor

Was in 1.000 Fragebögen stand, erfuhren Bischof Gregor Maria Hanke und weitere Vertreter des Bistums auf der Herbstvollversammlung des BDKJ in Pfünz. Foto: Gess

Was braucht Kirche vor Ort? Wie kann man Menschen neu für die Kirche begeistern? Wo hat Kirche Sie enttäuscht? Warum gehen Sie in die Kirche? Wie sehen Sie Kirche in zehn Jahren? Das sind Fragen, die ans Eingemachte gehen. Die nicht knapp und schon gar nicht konform zu beantworten sind. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hat sie dennoch gestellt – in Form einer bistumsweiten Umfrage. Die Auswertung brachte für die Verantwortlichen nicht nur jede Menge Arbeit, sondern auch viele spannende Einsichten und ein dickes Lob von Bischof Gregor Maria Hanke. Die Aktion zeige, dass die jungen Leute starkes Interesse an der Mitgestaltung vom Pastoral haben, meinte er am Rande der BDKJ-Herbstvollversammlung in Pfünz (siehe unten), bei der die Ergebnisse präsentiert wurden.

Aufwendige Auswertung

Wie Felicitas Löhlein und Tim Seidler vom zuständigen Arbeitskreis erläuterten, habe der BDKJ sich aktiv einbringen wollen in Veränderungen, die in der Luft lagen. Angefangen vom Synodalen Weg bis zum Strategieprozess im Bistum Eichstätt. So sei der Gedanke entstanden, nach der Devise „Aufbruchsstimmung – Wir wollen‘s wissen“ direkt zu fragen: Was bewegt die Menschen in der Kirche?“ An der Fragebogen-Aktion, die an Fronleichnam gestartet wurde, beteiligten sich rund 1.000 Personen zwischen elf und 90 Jahren. 60 Prozent davon beantworteten den Fragebogen im Internet, 40 Prozent auf Papier.

Sämtliche Antworten tippten die AK-Mitglieder zunächst sorgfältig ab, packten sie in Excel-Tabellen und machten sich an die schwierige Aufgabe der Auswertung. „Dabei“, erläutert Löhlein, „haben wir in Stichwörtern gesammelt, welche Themengebiete die Menschen ansprechen. So wollten wir uns einen Überblick verschaffen, welche Inhalte immer wieder erwähnt werden.“ Bei der Frage „Was braucht Kirche vor Ort?“ sei etwa oft darauf verwiesen worden, dass sich die Menschen glaubwürdige und engagierte Seelsorgerinnen und Seelsorger wünschten statt Bürokraten. An anderen Stellen seien die Antworten dagegen ziemlich widersprüchlich gewesen: „Während manchen die Reformen nicht früh genug kommen können, haben andere Angst davor, dass sich die Kirche zu sehr einem modernen Zeitgeist anpasst und dadurch ihre Werte verliert.“ 

Abbilden statt bewerten

Grundsätzlich habe sich das Team vorgenommen: „Wir wollen die Meinungen der Menschen abbilden und nicht interpretieren.“  Dazu wurden Padlets (digitale  Pinnwände) erstellt, auf denen ausgewählte, grundverschiedene Antworten zu den fünf Ausgangsfragen zu finden sind. Kirche, heißt es da etwa, brauche „einen normalen Pfarrer und keinen, der hinterm Mond lebt“. Es brauche „eine für sich selbst sorgende Gemeinde mit Verantwortungsübernahme aller“. Man müsse bei der Gestaltung von Gottesdiensten „die junge Generation halt auch mal probieren lassen“. Generell fällt bei den Antworten auf, dass Senioren eher selten die Bewahrer-Rolle einnehmen, dafür aber vielfach den Wunsch nach Veränderung äußern. „Wir ‚Alten‘ vertrauen auf Euch Jugendliche“, heißt es in einer Antwort. 

Neben den Padlets wurden fünf Tabellen erstellt, in denen sich Prioritäten und Trends erkennen lassen. So wurden auf die Frage „Wie kann man Menschen neu für die Kirche begeistern?“ am häufigsten genannt: „Glauben verkünden und vorleben“ und „Auf Menschen zugehen“. Nicht wirklich überraschend waren die Antworten auf die Frage „Wo hat Kirche Sie enttäuscht?“: Mehr als ein Viertel der Befragten nannte an erster Stelle die Missbrauchsfälle und deren Aufarbeitung. Rund 20 Prozent gaben die Auskunft: „Ich gehe nicht in die Kirche“. Andere besuchen den Gottesdienst nur, weil ihre Kinder ministrieren. 

„Es braucht Formate der Beteiligung“, diese Erkenntnis nimmt der BDKJ aus der Umfrage mit. Viele Bögen seien „von oben bis unten vollgeschrieben“ gewesen, erzählte Tim Seidler. Darin zeige sich das große Bedürfnis, seine Meinung kundzutun. „Wir sollten zuhören“, meinte Seidler und verwies auf das große Vorbild, die Weltbischofssynode.

„Anschub verursacht“

Mit einem Stapel Umfragebögen unterm Arm versprach Bischof Hanke: „Ich nehme diesen Ertrag gerne mit nach Eichstätt“. Nach Möglichkeit sollten die gesammelten und gebündelten Aussagen in den Strategieprozess des Bistums einfließen, meinte er. „Ihr habt jetzt einen ganz schönen Anschub verursacht durch diese Umfrage, und das finde ich klasse!“ Auch Amtschef Thomas Schäfers fand der KiZ gegenüber lobende Worte: Die Umfrage sei „eine Momentaufnahme“, die sich gut in die Überlegungen zum Strategieprozess im Bistum integrieren ließe. Dafür plädierte auch Diözesanrats-Vertreter Manfred Roppelt: „Wir haben hier tausend Stimmen, auf die wir hören können“. 

Zur Präsentation der Umfrage konnte der BDKJ auch Domkapitular Monsignore Paul Schmidt (Leiter der Hauptabteilung Personalkammer für die Pastoral), Domkapitular Michael Wohner (Regens des Priesterseminars) und Markus Wittmann (stellvertretender Leiter der Hauptabteilung Pastorale Dienste) begrüßen.

Gabi Gess

 

Die Ergebnisse der Umfrage sind demnächst abrufbar unter www.bdkj-eichstaett.de

 

 

 


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