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16.03.2022

Gemeinsamer Einsatz für den Frieden

Wie Schulen im Bistum auf den Krieg in der Ukraine

Gebet und Schweigeminute: An der Maria Ward-Realschule Eichstätt versammelten sich rund 850 Schülerinnen und Schüler. Die Schulpastoral bietet zudem regelmäßige „Friedenspausen“ an. Foto: Kusche

Der Plan war einfach: Der erste Schultag nach den Faschingsferien sollte mit einem Impuls zur Fastenzeit starten. So hatte sich das Beate Trampert jedenfalls zunächst gedacht. Doch dann, am vorletzten Schultag, brach der Krieg in der Ukraine aus. In den Ferien besprach sich Trampert, die die Schulpastoral an der diözesanen Maria Ward-Realschule in Eichstätt leitet, mit Schulleiterin Monika Helmstreit. Beide waren sich schnell einig: Der Start nach den Ferien sollte mit einer gemeinsamen Aktion für den Frieden in der Ukraine beginnen. Trampert plante ein Friedensgebet und eine Schweigeminute. Es traf sich gut, dass es jeden Montag an der Schule eine sogenannte Circle Unit (CU) gibt, eine Art Morgenkreis. In dieser Einstimmungsrunde auf die Woche gibt es je nach Jahreszeit Adventslieder, besinnliche Texte, Gebete und es werden organisatorische Dinge besprochen. Diesmal sollte die CU anders ablaufen als sonst. Zunächst waren alle Schülerinnen und Schüler noch – wie gewohnt – in ihren Klassenzimmern versammelt und starteten mit einer PowerPoint Präsentation zur Fastenzeit. In diesen 40 Tagen gehe es nicht nur um Verzichten oder „nicht dürfen“, gab Trampert den Schülern der Klassen 5-10 mit auf den Weg. Vielmehr sei die Fastenzeit eine Chance, Dinge anders zu machen: „Gewöhn Dich an anders“, schlug sie daher vor. „Anders denken, reden, handeln, leben und sein“, hieß es in dem Impulsvortrag der Religionslehrerin. Passend dazu hatte Trampert auch das Motto für das Friedensgebet gewählt: „Gewöhn Dich an Frieden“. Zusammen mit den Lehrkräften versammelten sich um 8.20 Uhr rund 850 Schülerinnen und Schüler zum Friedensgebet und zu einer Schweigeminute im Gabrieli-Hof der ehemaligen Klosteranlage. Ihr gemeinsames Anliegen: „Ein Zeichen setzen für Frieden, für eine Welt, in der Krieg keinen Platz hat.“ Es sei ein eindrucksvolles Zeichen gewesen, blickt Helmstreit im Gespräch mit der KiZ auf den Schulstart zurück. Coronabedingt habe es schon lange keine so große Zusammenkunft mehr gegeben. Doch diesmal sei es – im Freien – möglich und auch nötig gewesen, sagt die Realschuldirektorin.

Im Hof war das Holzkreuz aus dem Meditationsraum aufgestellt und eine große Friedenskerze stand bereit. In einem kleinen Anspiel fragten Schüler aus Tramperts fünfter Klasse: „Was soll’s, dass wir beten? Wir können doch nichts bewegen, nicht aufhalten Rakete und Panzer.“ Die Antwort gaben sie selbst: „Wir können an unseren Träumen festhalten, wir können sagen, was uns nicht passt.“ Und: „Wir können gemeinsam beten, gemeinsam schweigen, gemeinsam hoffen, gemeinsam ein Licht des Friedens anzünden.“ Von der großen Friedenskerze aus wanderte das Licht dann zu kleinen Vigilkerzen, die Trampert und ihre Kollegen zuvor verteilt hatten. Dem gemeinsam gesprochenen Gebet für den Frieden folgten eine Schweigeminute und das Vaterunser.

Wie Helmstreit und Trampert berichten, beschäftige das Thema Krieg viele an der Schule, allerdings in unterschiedlicher Art und Weise. Es gebe Schülerinnen und Schüler mit ukrainischen und auch russischen Wurzeln an der Maria Ward-Schule. Und nachdem die ersten Geflüchteten aus der Ukraine  auch in einigen Heimatdörfern der Schüler angekommen sind, sei das Thema manchen „jetzt viel näher“, erklärt Trampert.

Von Eltern habe es erste Anfragen gegeben, wie sie mit ihren Kindern über den Krieg reden können. Schon in den Ferien hatte Trampert die auch in der diözesanen Krisenseelsorge im Schulbereich (KiS) mitwirkt, eine erste Handreichung an ihre Lehrerkolleginnen und -kollegen verschickt. Der Text von Prof. Harald Karutz steht mittlerweile auch auf der Homepage der Schule und kann Eltern und Lehrern erste Antworten geben. „Wir haben ja auch Lehrer, die Eltern sind“, ergänzt Helmstreit.

In dieser Woche startete Trampert ein weiteres Angebot für alle Schüler: eine „Friedenspause“. Der Meditationsraum der Schule ist dazu regelmäßig in der ersten großen Pause geöffnet.

Kinderbücher kaufen

Eine Turnhalle des Ostendorfer-Gymnasiums in Neumarkt ist zur Notaufnahme-Einrichtung für Ukrainer hergerichtet worden. Pastoralreferent Helmut Enzenberger hat daher gleich Nägel mit Köpfen gemacht. Im Religionsunterricht mit seiner zehnten Klasse griff er den Krieg in der Ukraine auf und ließ die Schülerinnen und Schüler in einer Kreativwerkstatt Ideen sammeln, wie sich konkret helfen lässt. In der Klasse war man sich schnell einig, dass es vor allen Dingen für die Kinder dort Angebote geben sollte. Man könne ihnen die Spielplätze in der Umgebung zeigen, kam als Anregung. „Wir können Zeichentrickfilme, die ohne Sprache sind, zeigen“, lautete ein weiterer Vorschlag. Die Neumarkter Schüler hatten die Bilder der Geflüchteten aus den Nachrichten vor Augen. Ihnen war klar, dass die Menschen ohne viel Gepäck unterwegs sind. Daher entschied die Klasse zudem: „Wir besorgen ukrainische Kinderbücher“. Gesagt, getan: Bei einem Online-Anbieter fanden sie passende Titel, bestellten noch aus dem Klassenzimmer raus und sammelten Geld ein.

In einer gemeinsamen Aktion gestalteten alle rund 850 Schüler ein Banner mit einer Friedenstaube. Die besteht aus Handabdrücken in gelb und blau, den Farben der ukrainischen Fahne.

Enzenberger, Diözesanbeauftragter für KiS, hatte bereits in den Ferien reagiert und ein Papier erstellt: „Wenn das Thema ‚Krieg‘ in die Schule kommt – Wie mit Kindern über den Ukraine-Krieg sprechen?“. Auf sechs Seiten gibt er Lehrkräften Tipps und Anregungen und macht deutlich: „Keine Gespräche über Krieg aufdrängen – aber wachsam und gesprächsbereit sein.“ Durch die Corona-Pandemie oder den Klimawandel gebe es unter den Kindern und Jugendlichen schon jetzt große Unsicherheiten. Die Lehrer seien als verlässliche Bezugspersonen „äußerst wichtige Stabilitätsfaktoren“ für die Schüler. Sie sollten daher „reflektiert und gut vorbereitet“ sein, aber auch die eigene Betroffenheit zeigen. Es gelte „nichts zu verharmlosen“, doch dürfe es auch „keine Spekulationen über Verlauf oder Ausweitung des Krieges“ geben, regt Enzenberger an.

Kuchenverkauf geplant

„Viele Schüler haben uns gefragt: Wie können wir helfen?“, berichten Sandra Huger und Andreas Kirschner. Die beiden sind Verbindungslehrer an der diözesanen Knabenrealschule Rebdorf (KRS). Die Schülermitverantwortung (SMV) regte einen wöchentlichen Kuchenverkauf an. Der Erlös solle für die Ukraine-Hilfe bestimmt sein, beschlossen die Schüler. Wenn es lokale Hilfsprojekte gebe, werde man die gerne unterstützen, erklärt Kirschner.

Im Unterricht habe ein Schüler gesagt: „Als Christ soll man doch nicht schlecht über andere Menschen reden“. Was bedeute das nun mit Blick auf Putin, kam die Frage. Er verspüre eine Wut gegen ihn, so der Schüler. Kirschner sagt, er habe versucht, zu beschwichtigen: Es sei richtig, das man über die Fehler eines Menschen rede. In mehreren Schulstunden, egal ob im Religions-, Betriebswirtschafts oder Geschichtsunterricht seien immer wieder Fragen von Schülern gekommen, erzählen Huger und Kirschner. Mal sei es um die wirtschaftlichen Auswirkungen gegangen, mal um die ethische Dimension. „Wo Gesprächsbedarf besteht, versuchen die Lehrer das aufzugreifen.“ Es werde jedoch auch hier nach der Devise verfahren: Das Thema „Ukraine Krieg“ soll nicht „dauerpräsent“ sein.

Andreas Völker, Leiter der Fachschaft Religion an der KRS, griff bei der ersten „Frühschicht“ in der Fastenzeit das Thema auf. In den kommenden drei Wochen werde es jeden Dienstag vor Unterrichtsbeginn das freiwillige Angebot im Meditationsraum weiterhin geben. Anfang April, vor den Osterferien, ist dann der große „Schul-Kreuzweg“ geplant. Alle Schülerinnen und Schüler werden mit dabei sein. Auch bei dieser Gelegenheit will Religionslehrer Völker das Thema aufgreifen.

Andrea Franzetti


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Ausgabe Nr. 33/34 vom 14./21. August 2022

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