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05.01.2022

Glaubens-Experten mit Zahnlücken

Pfarrer Anton Schatz bei der Schülermesse in seiner Gemeinde Böhmfeld

Kinder aktiv in den Gottesdienst einbeziehen: Pfarrer Anton Schatz bei der Schülermesse in seiner Gemeinde Böhmfeld. Foto: Gess

Die Sonntagvormittags-Kinderkirche im Pfarrsaal neigt sich dem Ende zu. Pfarrer Anton Schatz möchte die kleinen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Bedeutung des Segens hinführen, den er gleich spenden wird. Er fragt deshalb in die Runde: „Weiß jemand, was am Schluss vom Gottesdienst kommt?“ Andreas, schon ein Schulkind, ruft wie aus der Pistole geschossen: „Am Schluss kommt immer das Happy End.“ Während die anwesenden Eltern sich das Lachen nicht verkneifen können, verbündet sich der Pfarrer mit dem Buben: „Hey, wieso lachen die jetzt? Du hast doch Recht! Am Schluss kommt das Happy End. Deshalb kommt am Schluss vom Gottesdienst auch der Segen. Er ist das Happy End von Gott. Ihn bitten wir und ihm vertrauen wir, dass alles gut ausgeht.“ 

Lange Vorarbeiten

Der Geistliche schildert diese Episode gerne, um zu verdeutlichen, mit welch einfachen WortenKinder religiöse Inhalte auf den Punkt bringen können. Auch bei bundesweiten Tagungen hat er sie schon erzählt. Denn Schatz ist nicht nur Pfarrer von Böhmfeld, sondern auch Ansprechpartner für Belange der Kinderpastoral im Bistum Eichstätt. In dieser Funktion war er auch in die Entstehung einer neuen Internetseite eingebunden, die die Deutsche Bischofskonferenz vor Kurzem freigeschaltet hat (siehe eigener Beitrag unten).

Diese neue Fundgrube für alle, die religiöse Feiern mit Kindern und Familien anbieten, sei „eine super Sache“, findet Schatz und hofft, dass es dort von guten Ideen bald nur so wimmelt. Es solle eine lebendige Seite werden, „die sich ständig erneuert“. Im Kreis der Kinderpastoralreferentinnen und -referenten, die es in fast allen deutschen Diözesen gibt, habe man seit Jahren überlegt, „dass wir katholischerseits eine Plattform bieten“, berichtet der Geistliche. Damit Materialien und Vorlagen verwendet werden dürfen, seien aber im Vorfeld allerlei Rechte abzuklären und Genehmigungen einzuholen gewesen. „Eine Arbeitsgruppe des Deutschen Liturgischen Instituts hat als zentrale Stelle alles gesammelt.“ Nach Impulsen gefragt, die er persönlich zu der neuen Homepage beisteuern könnte, fällt Schatz das Konzept seiner „Schöpfungswanderungen“ mit Kindern ein, die seit Jahren sehr gefragt sind. Den Impuls dazu habe er bei einer Fortbildung der evangelischen Kirche bekommen, berichtet er. Ökumenische Zusammenarbeit ist für ihn gerade in der religiösen Arbeit mit Kindern keine Frage, vieles lasse sich eins zu eins übertragen, „was gut ist, das nimmt man“. 

In den offiziellen Strukturen der evangelischen Kirche ist „Kirche mit Kindern“ schon länger verankert, es gibt einen gleichnamigen Bundes- als auch einen Landesverband. „Die sind uns zeitlich definitiv voraus“, meint Schatz. Die Herausforderungen seien hingegen in beiden Kirchen dieselben: Die Kinder brächten immer weniger religiöses Grundwissen mit, „aber ich will nicht jammern“.

Schultasche und Maske

Also setze er bei ganz elementaren Dingen an, erzählt der Pfarrer auf dem Weg vom Pfarrhaus zur Pfarrkirche, wo er gleich einen Schülergottesdienst halten wird, hauptsächlich für die angehenden Erstkommunikanten. In der Gemeinde vor den Toren Ingolstadts mit großen Neubaugebieten „haben wir heuer einen starken Jahrgang mit zwei Dutzend Kindern“, berichtet er.

Die meisten von ihnen trudeln nach und nach ein in der Kirche. Einige kommen direkt von der Mittagsbetreuung und haben noch ihre Schulrucksäcke dabei. Anderen, die im Schneeanzug stecken, sieht man an, dass sie gerade noch auf dem Hosenboden die Hänge heruntergerutscht sind. Pfarrer Schatzverteilt kleine Zettel an alle, die nachher eine Fürbitte lesen und ermahnt im selben Atemzug die Kinder, die schon in den Bänkensitzen und die Köpfe zusammenstecken, zum Abstandhalten. Corona – „in Böhmfeld ist‘ s ziemlich herumgegangen“, stellt Schatz fest, „eine Mama, die regelmäßig in der Schülermesse musiziert, erholt sich gerade noch“.

Von seiner eigenen Mutter erzählt der Pfarrer dann zu Beginn des Wortgottesdiensts: Wie sie ihn einmal in den Keller schickte, um etwas zu holen. Wie dann plötzlich das Licht ausging und wie froh er war, dass die Mutter sein ängstliches Rufen hörte und mit der Taschenlampe kam. Licht ins Dunkel bringen – das ist das Thema, über das er mit den Kindern ins Gespräch kommen will: Wie man das Leben anderer Menschen hell machen kann und dadurch nicht ärmer, sondern reicher wird – wie die Kerze, deren Licht sich tausendfach teilen lässt.

„Supermotivierte Leute“

Als er im Herbst 2011 die Pfarrei Böhmfeld übernahm, bekam Schatz von Bischof Gregor Maria Hanke eine zweite Aufgabe übertragen: die Leitung des neuen Fachbereichs „Kinderpastoral“. Er wurde damit bistumsweit zum festen Ansprechpartner für Haupt- und Ehrenamtliche in Kinderkirche-Teams. Statistiken, wie viele es davon in der Diözese gibt, führt er nicht, aber es seien „supermotivierte Leute“. In Böhmfeld etwa brauchte er gar nicht erst ein Kinderkirche-Team bilden, weil es das längst gab, als er in die Pfarrgemeinde kam.

Wie man als Pfarrer oder Kaplan kindgerechte Predigten hält, dazu hat Schatz im Rahmen der Priester-ausbildung wiederholt Vorträge gehalten. Demnächst leitet er einen Seminartag bei den Eichstätter Religionspädagogik-Studenten. Und er war auch schon auf Dekanatskonferenzen, um mit den versammelten Gemeindepfarrern einen Kindergottesdienst durchzuspielen.

Breiten Raum nimmt die Zusammenarbeit mit Erzieherinnen und Erziehern und deren Schützlingen ein. Anders als in manchen größeren Diözesen, sind in Eichstätt Kinderpastoral und Kindergartenpastoral keine getrennten Bereiche. Deshalb wird Schatz auch immer wieder gerufen, wenn es im Umfeld eines Kindergartens zu einem Todesfall kommt und Groß und Klein jemanden brauchen, der sie in ihrer Trauer auffängt.

Seit zehn Jahren versucht Schatz, seine Aufgaben als Gemeindepfarrer und in der Kinderpastoral unter einen Hut zu bringen und hat sich dabei „nie sehr abhängig gemacht von äußeren Bedingungen“. Dennoch war er froh, dass es in den vergangenen drei Jahren mit der Nürnberger Pastoralreferentin Tuoi Weisensel-Hoang noch eine weitere feste diözesane Ansprechpartnerin für Kindergartenpastoral gab. Sie hatte insbesondere in der Trauerbegleitung von Kindern viele Akzente gesetzt. „Leider ist ihre befristete Projektstelle ausgelaufen“, bedauert Schatz.

Momentan liegt er in den letzten Zügen zu einem neuen Buch, in dem er diejenigen zu Wort kommen lässt, die die Fundamente des Glaubens oft aufs Wesentliche reduzierten und auf den Punkt brächten – die Kinder. Nicht nur die Geschichte vom „Happy End“ erzählt Schatz in dem Buch, sondern auch die von der Taufe eines neugeborenen Buben, bei der die großen Brüder vom Pfarrer wissen wollten: „Tust du den Philipp gießen?“ Solcherlei kindliche Glaubenstiefe möchte er weitergeben „an Menschen, die sich anstecken lassen von der unbekümmerten Freude kindlichen Glaubens“.

Gabi Gess


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