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19.10.2022

Halt und Ruhe – Perle für Perle

Der Oktober steht besonders im Zeichen des Rosenkranzes

Kleine Handrosenkränze, gestaltet von Mitgliedern der Katholischen Landjugendbewegung Buchdorf. Dort existiert eine jahrhundertealte Rosenkranzbruderschaft. Foto: Schlipf

Zwei Monate im Jahr rücken die Mutter Gottes ganz besonders ins Blickfeld: der Mai und der Oktober, der in der katholischen Kirche als Rosenkranz-Monat gilt. Die Kette mit 59 Perlen und einem Kreuz, unterteilt in Zehner-Einheiten – viele haben sie in der Schublade ganz hinten liegen und längst vergessen, was sie in der Schule gelernt haben über den freudenreichen, den schmerzhaften, den glorreichen und den, vor genau 20 Jahren durch Papst Johannes Paul II. hinzugefügten, lichtreichen Rosenkranz. Gar manche denken beim Stichwort Rosenkranzbeten an Oma und Opa. Und doch mehren sich die Anzeichen, dass der Rosenkranz und sein meditatives Potential wiederentdeckt werden. Im Internet findet man eine ganze Reihe von Videos, auf denen deutlich wird: Auch junge Hände greifen zum Rosenkranz.

Ein wenig Imagepflege

„Man müsste vielleicht das Image ein wenig erneuern“, findet Stefan Eberl. Rosenkranzbeterinnen und -beter in seinem Alter seien eher die Ausnahme, beobachtet der 24-jährige Ingolstädter. Er selbst gehöre zwar auch nicht gerade zu den Fans des klassischen Samstagabend-Rosenkranzes, gibt der Student der Religionspädagogik zu, aber er schätze den Rosenkranz grundsätzlich als meditative Gebetsform, „bei der ich zur Ruhe kommen kann“. Wie es geht, das Rosenkranzbeten, das wisse er nicht nur aus der Schule, sondern auch von den Großeltern, berichtet Eberl. Vor einem halben Jahr ist sein Opa gestorben. Beim Rosenkranz am Vorabend der Beerdigung fiel Eberl seiner Großtante als versierter Beter auf:„Danach kam sie auf mich zu und meinte: ‚Du könntest fast a Pfarrer werden!‘“

Besonderes Augenmerk auf den Rosenkranz richtet Eberl derzeit auch als Mitglied im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Eichstätt. Mit dessen Arbeitskreis (AK) Ghana verbrachte Eberl unlängst zwei Wochen in Ostafrika (die KiZ berichtete). Verteilt auf mehrere Koffer, brachte die Reisegruppe von dort mehr als zehn Kilo handbemalter Glasperlen mit, wie es sie auf Märkten zu Tausenden zu kaufen gibt. Im Rahmen eines 2017 gestarteten Partnerschaftsprojekts zur Unterstützung ghanaischer Schulkinder werden jeweils zehn Perlen mit einem kleinen Kreuz aus Eichenholz, einer Schnur und einer Gebetsanleitung in kleine Tüten gepackt. Daraus lassen sich kleine Handrosenkränze basteln. „Die Perlen haben ein gutes Gewicht“, weiß Eberl. „Würde man sie für einen klassischen Rosenkranz verwenden, wäre er sehr schwer“. Viele hundert Exemplare seien schon entstanden. „Umgekehrt haben wir diesmal wieder 400 Holzkreuze mit nach Ghana genommen.“ Denn auch dort fädeln junge Leute fleißig auf. Gegen eine Spende bietet der BDKJ seine bunten Handrosenkränze an – zum Beispiel bei den jährlichen Partnerschaftsgottesdiensten des AK Ghana, aber, so Eberl, „auch in Pfarreien, die auf uns zu- kommen und Interesse an der Aktion haben“.

Für Domvikar Korbinian Müller war die Reise nach Ghana der Start in sein neues Amt als Diözesanjugendpfarrer. Wie schätzt er das Image des Rosenkranzes bei jungen Leuten ein? „Durchwachsen“, lautet seine Antwort. „Die meisten Jugendlichen haben zwar einen Rosenkranz zur Kommunion geschenkt bekommen, wissen aber teilweise gar nicht, wie man ihn betet. Wenn sie in Berührung damit kommen, dann eher im Rahmen von Beerdigungen oder vor der Messe, wenn man zu früh dran ist. Gleichzeitig aber gibt es durchaus eine Renaissance des Rosenkranzes bei jungen Erwachsenen, nicht flächendeckend und auch nicht explosiv, aber bemerkbar. Mir selbst sind viele junge Erwachsene bekannt, die regelmäßig den Rosenkranz beten und darin auch durchaus ihr Gebetsform gefunden haben. Was die jungen Menschen dabei anspricht, ist eine Mischung aus 20 Minuten Auszeit, das Bedürfnis, für andere zu beten, sich in eine Gebetsgemeinschaft einzufügen.“ Dem Jugendpfarrer fallen beim Stichwort Rosenkranz auch Altötting-Fußwallfahrten ein, „bei denen auch aus unserem Bistum viele Menschen mitgehen,auch jüngere“. Die stellten dann oft fest, „dass das Gehen leichter geht, wenn man mitbetet. 
Dass man auf dieser Gebetsschiene die eigenen Gedanken vor Gott bringen und darüber nachdenken kann.“

Die Kinder hinführen

Nicht nur beim AK Ghana werden Rosenkränze geknüpft. Auch die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) Buchdorf (Pfarrverband Monheim) lud beim Pfarrfest im Juli dazu ein. Mit den selbst aufgefädelten Gebetsketten wollen sich die jungen Leute Ende Oktober in der Pfarrkirche St. Ulrich treffen um gemeinsam den Rosenkranz zu beten. Auch in den Gruppenstunden, für die die Landjugendverantwortlich ist, steht das Thema Rosenkranzbeten im Oktober auf dem Programm. Denn in diesem Monat begeht die seit 1666 bestehende Rosenkranzbruderschaft Buchdorf ihr Hauptfest. Damit sie nicht in Vergessenheit gerät, lädt PfarrerWieslaw Bujak seit Jahren im Oktober zum Kinderrosenkranz ein. Er gestaltet Heftchen, in denen er jede Woche ein anderes Geheimnis des Rosenkranzes für Kinder erschließt. „Auch ich habe die Heftchen schon in meiner Kindheit ausgemalt und beim Kinderrosenkranz daraus gesungen und gelesen“, erzählt Lara Schlipf von der Landjugend. Mit dem Rosenkranz kann die 21-Jährige bis heute etwas anfangen: „Besonders nach einer Aussegnung finde ich es gar nicht so schlecht, nicht einfach auseinanderzugehen, sondern nochmals eine halbe Stunde zur Ruhe zu kommen.“

Diese Ruhe schätzt auch Walburga Klinger aus Pfraunfeld (Dekanat Weißenburg-Wemding). Die 65-Jährige gehört dem vierköpfigen Mesnerinnen-Team der Pfarrkirche St. Nikolaus an, das jedes Jahr zum Rosenkranz-fest einen Blütenteppich vor dem Altar legt. Die Feier „wird bei uns schon noch hochgehalten“, erzählt sie. Sie selbst schätzt das Gebet: „Ich mag den Rosenkranz sehr. Wenn ich ihn in die Hand nehme, Perle für Perle, dann finde ich darin Ruhe, gerade nach einem stressigen Tag. Und gerade in der jetzigen politischen Situation. Da sehnt man sich nach Frieden und sucht ein wenig Halt“. 

Gabi Gess

 


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