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28.09.2022

Hinübergang in Gottes helles Licht

Transitus-Feiern im Bistum erinnern am 3. Oktober

Selbst auf sein Gewand verzichtete der sterbende Franziskus. Daran erinnert diese Szene vor dem Erntealtar in der Kapuzinerkirche Ingolstadt. Das Bild entstand bei einer Transitusfeier. Foto: Fobes

Im Herbst des Jahres 1226 spürt Franziskus von Assisi, dass sein Tod nicht mehr fern ist. Schwer krank und zu schwach, um auf eigenen Beinen zu stehen, bittet der Ordensgründer die Mitbrüder, ihn hinab nach Portiuncula zu bringen. Dort, zu Fü.en seiner Heimatstadt, hatte er viele Jahre zuvor ein kleines Kirchlein wiederaufgebaut und seine Berufung erkannt. Dort will er seinen irdischen Weg auch beenden. Bewusst auf dem blanken Boden liegend, fügt er seinem Sonnengesang voller Dankbarkeit noch eine letzte Strophe über den Tod an, ehe er am Abend des 3. Oktober seine Augen für immer schließt. Franziskus Sterbestunde, die sein Gefährte und Biograph Thomas von Celano im 13. Jahrhundert für die Nachwelt aufgeschrieben hatte, wird noch heute weltweit gedacht. Dieses Fest am Vorabend des eigentlichen Franziskusfests „wird bei uns Transitus genannt“, heißt es auf der Homepage der Deutschen Franziskanerprovinz. In deren Klöstern habe sich im Lauf der Zeit eine je eigene Tradition entwickelt. Auch im Bistum Eichstätt finden am 3. Oktober eine Reihe von Transitus-Feiern statt.

„Schwester Tod“

Im Franziskanerkloster Dietfurt sei dies eines der wichtigsten Feste, bestätigt Guardian Bruder Johannes Matthias Tumpach, der auch Ansprechpartner für die kleine Ortsgruppe der Franziskanischen Gemeinschaft ist. Zur Transitus-Feier kämen aber auch weitere Gläubige aus der Pfarrei. Der schöne Brauch, Gäste nach dem Gottesdienst noch zu Brezen und Getränken einzuladen, scheiterte in den vergangenen Jahren zunächst an Corona, dann an den momentan laufenden Bauarbeiten im Kloster.

Der zeitgenössische Chronist Celano berichtete nicht nur wie die Mitbrüder seinerzeit den Tod des Ordensgründers Franziskus erlebten, „sondern auch, wie ein Christ leben und sterben kann“, meint Tumpachs Mitbruder Rolf Fleiter. Ihm fällt dazu ein Franziskus-Musical ein, das der Geistliche Wilhelm Willms in den 1970er-Jahren verfasste: „Da heiße es: ‚Ich möchte sterben können wie Franziskus, mich ganz in Gottes Hand geben“‘. Franziskus habe den Tod nicht als Schrecken, nicht als Feind gesehen, sondern als „Bruder Tod“. Beziehungsweise „Schwester Tod“, verweist Fleiter schmunzelnd darauf, dass der Tod im Italienischen weiblich ist. Für einen gläubigen Menschen bedeute der Tod nicht das Ende, sondern sei nur ein Übergang.

Auch in der Wallfahrtskirche Maria Hilf beim Franziskanerkloster Freystadt versammeln sich die Gläubigen jedes Jahr am Vorabend des eigentlichen Franziskus- Gedenkfestes zur Transitusfeier. Anschließend laden die Franziskaner im Kloster zur Begegnung ein. Aber „kann man überhaupt einen Tod feiern?“, fragt Pater Bartimäus Trabecki, Guardian des Klosters, auf der Homepage des von ihm geleiteten Pfarrverbands und schickt gleich hinterher: „Beim heiligen Franziskus lautet die Antwort: Ja!“

Die Hoffnung, dass nach dem Erdendasein nicht alles zu Ende ist, „das ist doch eigentlich das Wichtigste“, pflichtet ihm Schwester Klarita Holzheimer von den in franziskanischer Tradition lebenden Abenberger Schwestern bei. Sie ist verantwortlich für die Gestaltung der Tranistusfeier, die heuer unter dem Motto „Franziskus und das Gebet“ steht. Das Lebensbeispiel des Heiligen sei bis in unsere Zeit beispielhaft, meint Holzheimer. Wie Franziskus in der Begegnung mit den Armen Gott immer stärker in seinem Leben wahrgenommen habe, „das ist, genau betrachtet, in der Kirche noch immer das Aktuellste“.

Das Fest weitergetragen

In Wemding lädt die Franziskanische Gemeinschaft zusammen mit den Schwestern des Karmel am 3. Oktober zur Transitus- Feier ein. „Wir hatten 326 Jahre lang Kapuziner hier“, erklärt der Wemdinger Diakon Werner Appl, „nach ihrem Weggang blieb die Franziskanische Gemeinschaft übrig. Die Pfarrei hat die Kirche übernommen und zehn Jahre lang die Tradition der Transitusfeier fortgesetzt. Und, das ist das Schöne, die Schwestern des Karmels haben das sofort weitergeführt, als sie nach Wemding kamen. Die können mit dem Franziskus schon was anfangen. 20 Jahre haben sie das Fest nun schon mit uns weitergetragen“. Auch die Treffen der Franziskanischen Gemeinschaft finden nach wie vor im Kloster statt, berichtet Appl. Nur, dass die Zahl von einst 1.000 auf heute „vielleicht noch 15“ Mitglieder geschrumpft sei.

Der Kontaktmann für die franziskanische Gemeinschaft im Bistum Eichstätt, Diakon Raymund Fobes aus Ingolstadt, nennt den Transitus „ein richtiges Hoffnungsfest“. Von seinem leiblichen Bruder, einem Ordensmann, weiß er, dass im Franziskanerkloster Neviges in Nordrhein-Westfalen bei der Transitusfeier die Osterkerze entzündet wird. Natürlich lässt sich Franziskus Lob auf die Schöpfung aber auch gut mit dem Erntedankfest verknüpfen, das am selben Wochenende begangen wird. Diakon Fobes möchte deshalb die Vesper, die am 3. Oktober in der St. Franziskus-Kirche in Ingolstadt-Unsernherrn stattfindet, bei schönem Wetter mit einer Tiersegnung abschließen.

Gabi Gess


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