Zum Inhalt springen
11.05.2022

Ihr Vorbild braucht keinen Promistatus

Gemeinschaft Charles de Foucauld und Priestergemeinschaft Jesus Caritas im Bistum Eichstätt

Nach langer Corona-Durststrecke endlich wieder ein Treffen in Präsenz: Mitglieder der Gemeinschaft „Jesus Caritas“ bei der Oster-Recollectio 2022 im Haus Betanien in Velburg. Foto: vb/Graml

In fast 90 Ländern der Erde, auf allen Kontinenten, versammeln sich regelmäßig Menschen, die sich in ihrer Spiritualität an Charles de Foucauld (siehe auch S. 14-15) orientieren. Sie sind weltweit in knapp 20 verschiedenen Gemeinschaften organisiert, vom Orden bis zur losen Gruppe. Alle zusammen bilden sie die Foucaulds „Geistliche Familie“, zu der sich auch im Bistum Eichstätt Frauen und Männer zählen, wie ein Blick auf die Liste der Geistlichen Gemeinschaften in der Diözese zeigt. Dort ist die weltweit verbreitete Priestergemeinschaft „Jesus Caritas“ ebenso zu finden wie die
Gemeinschaft Charles de Foucauld, der Alleinstehende, Ehepaare und Familien angehören. Auch eine ganz kleine, deutschlandweit nur sechs Mitglieder zählende Gruppe hat im Bistum eine Repräsentantin: Die Nürnberger Gemeindereferentin Renate Simon-Mathes vertritt die internationale Frauengemeinschaft „Fraternität Jesus Caritas“.

Still statt spektakulär

Sprecher von „Jesus Caritas“ im Bistum Eichstätt ist derzeit Pfarrer Bernhard Kroll (Pfarrrverband Adelschlag). Dass er einst den Weg zur Gruppe fand, begründet er mit seiner Zeit als Pastoralpraktikant bei Pfarrer Josef Albrecht. Der 2014 verstorbene Geistliche sei neben Karl Mödl und Karl Graml „einer der Altväter“ der Priestergemeinschaft gewesen, berichtet Kroll.

Mödl hatte die Gruppierung beim Theologiestudium in Freiburg kennengelernt. Ab 1973 startete die Priestergemeinschaft dann auch im Bistum Eichstätt. Knapp 20 Mitglieder zählt sie dort heute, die meist schon jahrzehntelang dabei sind und sich, unterteilt in zwei Gruppen, einmal im Monat treffen. Darüber hinaus finden auch Begegnungen der ganzen Gruppe statt, etwa an Ostern in Velburg. Und es gibt Anlässe, an denen der Kreis noch größer ist: Um den Todestag von Charles de Foucauld herum gibt es jedes Jahr ein diözesanweites Treffen aller, die sich von seiner Spiritualität angesprochen fühlen – Priester und Laien.

Die Herz Jesu-Verehrung, die Foucauld sichtbar auf seinem Ordensgewand bekundete, die Eucharistie, die ihm Kraftquelle war – daran orientieren sich auch die Mitglieder seiner Geistlichen Familie. Aber nicht extrovertiert, sondern innerlich, im Stillen. So wie Foucauld das Evangelium gelebt habe, ohne großes Aufhebens davon zu machen, meint Kroll. Oder, wie es ein Mitbruder, Klinikseelsorger Bruno Fischer, formuliert: „Nicht schöne Worte predigen, sondern Leben teilen vor Ort, besonders mit Menschen, die so ein bisschen auf die Seite geschoben werden“. Foucauld sei eigentlich erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ins Blickfeld geraten, stellt Fischer fest. Stehe er doch für eine Form von Evangelisierung, „die weniger durch große Missionierung, als durch persönliches Zeugnis geschieht“.

Je länger man sich mit Mitgliedern von Foucaulds Geistlicher Familie unterhält, desto mehr fällt eine Gemeinsamkeit auf: Sie alle gehen recht unspektakulär mit der Erhebung zur Ehre der Altäre um. „Bei der Oster-Recollectio in Velburg hab’ ich nicht mitbekommen, dass die Heiligsprechung Thema gewesen wäre“, berichtet Kroll.

Beim Katholikentag

Auch für die Ingolstädterin Mona Kirchmayer, ist die Heiligsprechung nicht der entscheidende Punkt, auch wenn sie sich freut, dass Papst Franziskus sich in seinen Ansprachen immer wieder auf Foucauld bezieht. Mit ihrem Mann Thomas engagiert sie sich seit Jahren in der Gemeinschaft Charles de Foucauld. Schon immer auf der Suche nach Gleichgesinnten zum Miteinander beten und reden, hatten die Kirchmayers
1991 mit drei weiteren Paaren im Bistum den Anfang gemacht. Wobei auch in ihrem Fall Albrecht und Mödl – beide waren Seelsorger in Ingolstadt – den Anstoß gegeben hatten.

Momentan zähle der Kreis 17 Leute, erzählen die Kirchmayers,  die zu den anderen Mitgliedern über die Jahrzehnte enge persönliche Bindungen aufgebaut haben und miteinander älter geworden sind. Jüngere, so Mona Kirchmayer, kämen kaum nach. Einen weiteren kleinen Kreis mit zwei Ehepaaren gebe es in Nürnberg.

Mit Veränderungen im Leben umzugehen, „Ängste auszusprechen und miteinander zu reden, was einem darüber hinweg hilft, das war für mich sehr hilfreich bei den monatlichen Treffen“, bilanziert die Bibliothekarin. „Hilfreich war aber auch das gemeinsame Schweigen“, ergänzt ihr Mann,  der als Religionslehrer arbeitet. Ein wichtiger Punkt ist für beide die Offenheit gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen, so wie sie auch Charles de Foucauld gelebt habe.

Die Kirchmayers engagieren sich nicht nur auf diözesaner Ebene. Sie leiten auch das Sekretariat der Geistlichen Familie Charles de Foucauld für den deutschsprachigen Raum, pflegen die Homepage und werden beim Katholikentag in Stuttgart mit einem Stand in der Kirchenmeile vertreten sein.

Es gibt aber noch eine weitere Ingolstädterin, die übergeordnete Aufgaben übernimmt: Die Ärztin Dr. Marianne Hofbeck ist ehrenamtlich Redakteurin von „Mitten in der Welt“. So heißt die Publikation der Gemeinschaften Charles de Foucauld für den deutschsprachigen Raum. Bei einer Familienfreizeit waren Hofbeck und ihr Mann auf die Gemeinschaft gestoßen. „So sind wir seit vielen Jahren eine Weggemeinschaft“, sagt sie. Bei den Treffen könne über alles gesprochen werden, „mit großer Tiefe und Ernsthaftigkeit, aber auch der Humor fehlt dabei nicht“.

Lebensstil am Prüfstand

Der Begriff „Nazaret“, der bei der Beschäftigung mit der Spiritualität Foucaulds schnell ins Spiel kommt, ist auch Hofbeck wichtig und sie deutet ihn so: „‚Mitten in der Welt‘ zu erforschen, wie sich das Göttliche genau hier spüren und leben lässt – in den großen Herausforderungen des Alltags eine lebenslange Übung und Aufgabe“. Das betreffe natürlich auch den Lebensstil und damit etwa das Thema Nachhaltigkeit. „Für mich hatte beispielsweise der tiefe Respekt vor allem Leben die Konsequenz, dass ich mich schon seit längerem vegetarisch ernähre. Der Versuch, Kaufentscheidungen bewusst zu treffen, gehört natürlich auch mit dazu.“

Zum Thema Umgang mit anderen Religionen zitiert Hofbeck  den Benediktiner-Mönch und Zen-Meister Willigis Jäger: „Die eine Wahrheit ist die Quelle aller Religionen.“ Sie selbst, erzählt sie, praktiziere regelmäßig Achtsamkeitsmeditation, „die ja im Buddhismus eine lange Tradition hat“. Ein anderes Mitglied ihrer Gemeinschaft sei lange im christlich-islamischen Dialog engagiert gewesen.

Gabi Gess


Beitrag als PDF

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2021):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,80 €
(7,60 € einschl. 7 % MWSt. + 1,20 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,55 €;
Einzelnummer 2,20 €.