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02.11.2022

In bewegter Zeit zum Dienst bereit

Eindrücke von der Einführung und Beauftragung für Kommunionhelferinnen und -helfer

Praktische Übungen mit ungeweihten Hostien: Referent Markus Wittmann (l.), hier mit Michael Schuh, dem jüngsten Teilnehmer der Schulung. Foto: Gess

Helle Sonnenstrahlen dringen durch die hohen, schmalen Fenster der Marienkapelle des diözesanen Tagungshauses Schloss Hirschberg. Das Licht spiegelt sich auf dem vergoldeten Kelch und weiteren liturgischen Geräten, die auf dem Altar stehen. 22 Augenpaare richten sich konzentriert auf Pastoralreferent Markus Wittmann, der diese Schulung für angehende Kommunionhelferinnen und -helfer leitet. Am Ende des Nachmittags wird die feierliche Beauftragung stehen, die Generalvikar Michael Alberter in bischöflichem Auftrag vornimmt.

Wittmann, Diözesanbeauftragter für Liturgie und Leiter der liturgischen Kommission des Bistums, hat die zweimal jährlich stattfindenden Ausbildungstage vom langjährigen Liturgiereferenten Werner Hentschel übernommen. Den liturgischen Dienst, in den er am Hirschberg einführt, übt Wittmann selbst seit Jahren ehrenamtlich in der Eichstätter Dompfarrei aus. Die ersten Laien in diesem Amt erlebte er in den 1980er-Jahren als Ministrant in seiner Neumarkter Heimatpfarrei. Damals, als immer weniger Kapläne als Kommunionspender zur Verfügung standen, „war schon die große Frage, wer das künftig machen könnte“, erinnert sich Wittmann. Schließlich ging es ja um nicht weniger als um einen Dienst mitten im Zentrum der Eucharistie. So sei die Wahl zunächst auf Ordensfrauen und einen Religionslehrer aus der Pfarrei gefallen.

Bereits 1968 hatte die Diözese Eichstätt den Einsatz Ehrenamtlicher bei der Kommunionspendung offiziell genehmigt. Hatten sich doch die Konzilsväter in der Liturgiekonstitution von 1963 eine „tätige Teilnahme“ des Kirchenvolks am Gottesdienst gewünscht. Während aber Lektoren-, Kantoren- oder Ministranten-Tätigkeit als „ordentlicher“, zuallererst von Laien ausgeübter Dienst gilt, spricht die Kirche bei Kommunionhelferinnen und -helfern von einem „außerordentlichen Dienst“. Will heißen: Sie sind mit einer ganz besonderen Aufgabe betraut, die eigentlich nur Priestern Kraft ihrer Weihe übertragen ist. Streng betrachtet, kommen Ehrenamtliche bei der Kommunion-Spendung erst dann zum Einsatz, wenn in einem Gottesdienst zu wenige Geistliche für diese Aufgabe zur Verfügung stehen. 

Lückenbüßer seien Kommmunionhelferinnen und -helfer aber keineswegs, versichert Wittmann. Zum einen bedinge der Priestermangel, dass sich ihre Aufgabe „immer mehr vom außerordentlichen zum ordentlichen, dringend notwendigen Dienst entwickelt“. Zum anderen beschränke sich dieser nicht aufs Kommunion-Austeilen. Die Ehrenamtlichen kämen auch bei Eucharistischen Anbetungen und natürlich bei der Spendung der Krankenkommunion zum Einsatz. „Gerade aus dieser Perspektive wird sich der Dienst nie erübrigen. Man braucht ihn.“

Verweigern? Bitte nicht

Was aber, wenn Gottesdienste in Pandemiezeiten stattfinden? Im praktischen Teil der Schulung, der sich an den theologisch-spirituellen Überbau anschließt, kommen immer wieder konkrete Fragen zu diesem Thema. Mundschutz zu tragen, sei immer noch empfehlenswert, rät Wittmann den angehenden Kommunionspenderinnen und -spendern. Eine hygienische Herausforderung, da sind sich alle einig, ist die Mundkommunion, wie sie in diesen Tagen auch immer wieder Gläubige aus der Ukraine erbitten. Mit etwas Übung, verrät Wittmann, lasse sich die Hostie „kontaktfrei in den Mund schnippen“. 
Und wenn sie herunterfällt? Auch dieser Fall wird besprochen. Rat des Referenten: Heben Sie sie auf, bewahren Sie sie in der anderen Hand, mit der Sie die Schale halten, auf. Legen Sie sie nach der Kommunion seitlich auf dem Korporale ab und sagen Sie dem Zelebranten Bescheid. Darf ich jemandem, der, wissentlich oder unwissentlich, nicht zur Kommunion zugelassen ist, den Leib Christi verweigern? Witt-manns Antwort ist eindeutig: „Nein!“ Empfehlenswert sei eine nachträgliche Klärung, ein Gespräch, was aber Sache des Pfarrers sei.  

Für Gläubige, die den Weizen in der Hostie nicht vertragen, gebe es besondere Arten mit geringerem Gluten-Anteil, berichtet Wittmann auf Nachfrage. Das Thema „Kommunion-Spendung an Menschen mit schwerer Behinderung“ kommt ebenso zur Sprache wie die Frage, wie man in Zeiten des Energiesparens in kalten Kirchen mit klammen Fingern die dünnen Hostien greift. 

Einige in der Runde konnten bereits praktische Erfahrungen sammeln. „Wir haben im Februar schon eine Schulung gehabt und danach gleich angefangen, weil Bedarf war“, erzählt Michael Schuh aus dem Pfarrverband Nürnberg-Südwest/Stein. Der 27-Jährige blickt nicht nur auf eine lange Ministrantenzeit zurück, sondern ist auch „seit bestimmt zehn Jahren“ Lektor in seiner Heimatpfarrei Maria am Hauch. Natürlich mache man sich Gedanken über die Negativschlagzeilen, die die Kirche gerade belasten, gibt er zu. Persönlich habe er aber stets positive Erfahrungen gemacht. Martha Gams (63), ebenfalls aus dem Pfarrverband Nürnberg-Südwest/Stein, nickt. Sie erinnert sich an ihre Schulzeit in einem klösterlichen Internat als die „beste Zeit ihres Lebens“, die ihr viele Chancen eröffnete. Heute ist sie im Ruhestand, engagiert sich in der Flüchtlingshilfe und gehört der ökumenischen Frauengruppe „Cella St. Walburga“ in Eibach an. Seit einem halben Jahr ist sie außerdem Lektorin. 

Ehrliche Worte

Viele der Anwesenden engagieren sich ebenfalls schon länger ehrenamtlich in ihrer Pfarrei „und mit dem heutigen Tag lassen Sie sich noch mehr in den Dienst rufen“, stellt Generalvikar Michael Alberter im Aussendungsgottesdienst fest. „Sie tragen Jesus Christus im wahren Wortsinn zu den Menschen“, wendet er sich an die elf Männer und elf Frauen, die ihren Dienst antreten. „Sie übernehmen ihn in einer bewegten Zeit“, sagt der Generalvikar. Er verweist auf die jüngstenSchlagzeilen über sexuellen Missbrauch durch einen Priester des Bistums und dessen Vertuschung, berichtet offen, nimmt kein Blatt vor den Mund: „Ich erzähle Ihnen das am Tag Ihrer Beauftragung, weil Sie das Gesicht der Kirche abbilden, indem Sie vorne stehen.“ 

Die Konfrontation mit kritischen Fragen werde nicht ausbleiben, ist der Generalvikar überzeugt – und bittet die Anwesenden dennoch, „sich weiter für die Sache Jesu in den Dienst nehmen zu lassen“. Wichtig sei dabei nicht zuletzt die wohlwollende Begleitung durch die Heimatpfarrei.

Mindestalter sinkt

Im Bistum Eichstätt sind derzeit etwa 1.400 Kommunionhelferinnen und -helfer im Einsatz. Grundsätzlich galt die Beauftragung, die alle vier Jahre verlängert werden kann, bisher nur auf Pfarreiebene. In Zeiten engerer Zusammenarbeit in den Pfarrverbänden soll der Einsatzradius künftig entsprechend erweitert werden, kündigt Wittmann an. Mit einer Arbeitsgruppe, der außer ihm Pfarrer Tobias Scholz, Diakon Norbert Waldmüller und Ministrantenreferentin Sarah Hairbucher angehören, hat Wittmann soeben die letzte Fassung der diözesanen Richtlinien für Kommunionhelfer von 1985 überarbeitet. Der Entwurf liegt gerade beim obersten Liturgen des Bistums, Bischof Gregor Maria Hanke. Eine wichtige Neuerung betrifft das Mindestalter von Kommunionhelferinnen und -helfern: Lag es bisher bei 25 Jahren, so soll es künftig, wie etwa in der Nachbardiözese München-Freising, auf 18 Jahre herabgesetzt werden. 
 

Gabi Gess


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