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15.12.2021

„Jetzt ein Kind – wie soll das gehen?“

Bei existenziellen Sorgen zeigt die Schwangerschaftsberatung des SkF Ingolstadt neue Wege auf

In Betlehem fand Josef einen Stall als Quartier für Maria und den neugeborenen Jesus. Wo käme seine Familie heute wohl unter? Foto: www.tikiono.de

Weil in der Herberge kein Platz für sie war“, lautet im Weihnachts-Evangelium nach Lukas die Begründung dafür, warum der Retter der Welt in einer Bretterbude zur Welt kam. Die schwierige Suche nach einem Quartier wurde später in der Volksfrömmigkeit zum Krippenspiel ausgebaut und bewegt die Menschen bis heute. Aber wo würden sie 2021 hingehen, der Mann in abgewetzten Klamotten und seine hochschwangere Begleiterin? Die beiden Fremden ohne soziales Netz und ohne festes Einkommen, auf die niemand gewartet hat? Wohin könnten sie sich wenden in ihrer Not, um eine warme Bleibe für sich und ihr Neugeborenes zu finden? Vielleicht an eine Einrichtung wie den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF)?

Abseits des Lichts

Ja, das sei durchaus möglich, meint Maria Tripolt, die Leiterin der katholischen Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen des SkF Ingolstadt, auf Nachfrage, „denn sie hätten ein großes Problem, in Ingolstadt eine bezahlbare Wohnung zu finden“. Spontan denkt Tripolt dabei an die afghanische Familie, die momentan noch in einer der beiden Notwohnungen untergebracht ist, die der SkF in Ingolstadt unterhält. Zuvor hatten die Eltern mit ihren Kindern in einer Tiefgarage gelebt, die zwar als Einliegerwohnung bezeichnet, aber, so Tripolt, „im Grunde eine Werkstatt war“. Weil der SkF streng vertraulich berät und hilft, möchte die Sozialpädagogin nicht in die Details gehen, aber man kann sich auch so vorstellen, wie es sich ohne Tageslicht, zwischen Autoabgasen und dem Gebrumme der Heizungsanlage lebt. Nicht nur die schwangere Mutter, sondern die ganze Familie sei gesundheitlich angeschlagen ge-wesen, sagt Tripolt. Von Landsleuten bekam die Familie schließlich den Rat, sich an den SkF zu wenden. 

Was die Leiterin der Schwangerschaftsberatung besonders freut: Demnächst kann die Familie aus dem Not-Appartement in eine eigene Mietwohnung ziehen, die ihr der SkF vermitteln konnte, dank guter Kooperation mit Bernhard Gruber, Leiter der Ingolstädter Caritas-Kreisstelle. Der SkF arbeitet aber auch mit dem kirchlichen St. Gundekarwerk und der städtischen gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft zusammen, wenn Klienten dringend ein Dach über dem Kopf brauchen. Generell richte der Verein an alle Vermieter die Botschaft und die Bitte, Wohnungen zu bezahlbaren Preisen zu vermieten, meint Tripolt und verweist auf den aktuellen Jahresbericht des SkF. Familien mit Flucht- oder Migrationshintergrund, heißt es dort, hätten auf dem privaten Markt noch mehr Schwierigkeiten als andere, eine Wohnung zu finden. Selbst dann, „wenn die Väter in Arbeit sind“, weiß Tripolt. 

Hebammen helfen weiter

Zur Wohnungsnot gesellen sich oft soziale Isolation und fehlende familiäre Unterstützung. Wie etwa bei der jungen, hochschwangeren Frau mit Migrationshintergrund, die sich tags zuvor telefonisch bei Tripolt gemeldet hat. Den Entbindungstermin am 18. Dezember vor Augen, hatte sie noch immer keine Hebamme gefunden. Wer sollte ihr beistehen, wenn über die Feiertage mit dem Neugeborenen etwas sein sollte? Beim SkF fand die werdende Mutter prompt Hilfe: Sie wurde an eine der drei Familienhebammen des SkF vermittelt. Die Zusicherung, sich jederzeit, auch über die ersten Lebenswochen des Kindes hinaus, Rat holen zu können, „das alles hat sie sehr beruhigt“, erzählt Tripolt. 

Die Familienhebammen gehören fest zum Fachteam Schwangerschaftsberatung des SkF Ingolstadt. Sie stehen bei Bedarf im gesamten ersten Lebensjahr eines Kindes zur Verfügung. Laut aktuellem Jahresbericht begleiteten sie 2020 insgesamt 43 Frauen. Zusätzlich gibt es eine offene Familienhebammen-Sprechstunde. Sie unterstützt vor allem Frauen mit Migrations- und Fluchthintergrund und (werdende) Eltern in besonderen Lebenssituationen. 

Ab 2018 war die SkF-Beratungsstelle auch regelmäßig vor Ort im Anker-Zentrum Manching, wo Asylbewerberinnen und -bewerber auf ihre Anerkennung warten. Ab März 2020 mussten die Sprechstunden aber wegen Corona eingestellt werden. Stattdessen konnten Schwangere aus dem Anker-Zentrum dank kostenloser Fahrscheine direkt in die Beratungsstelle des SkF kommen. Denn auch wenn pandemiebedingt viele Beratungen nur noch online stattfanden, so wollte der SkF nicht ganz auf Präsenz verzichten. Im Jahresbericht heißt es, vielen Ratsuchenden habe der Lockdown Probleme bereitet: „Sie waren konfrontiert mit Ämtern und Behörden, die sie persönlich nicht mehr aufsuchen konnten. Onlineanträge wurden im Netz nicht gefunden, nicht verstanden, sie konnten alleine nicht ausgefüllt werden.“

Trotz aller Herausforderungen sei die Schwangerschaftsberatung eine sehr befriedigende Arbeit, findet die Leiterin, „weil sie Hilfsmöglichkeiten aufzeigt und Wege eröffnet“. Und weil aus der bangen Frage „Wie soll ich das alles überhaupt schaffen?“ immer wieder Zuversicht und Freude auf das Kind erwachse: „Das sind schöne Momente“. Zu Weihnachten wünscht sich Tripolt für die Arbeit des SkF-Schwangerschaftsberatung besonders, „dass wir unsere Notwohnungen aufrecht erhalten und auch unsere Familienhebammen weiterhin einsetzen können. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir dafür weiterhin Spenden bekämen“. 

Mehr zur Arbeit des Vereins unter skf-ingolstadt

Gabi Gess


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