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04.01.2023

Komfort-Kompromisse ja, Kälte nein

Ressourcen sparen – Werte erhalten / Folge 3: Wie Mesnerinnen und Mesner ihre Kirchen heizen

Warm anziehen ist das Gebot der Stunde im Münster St. Johannes Neumarkt. Auf dem Thermometer von Mesner Max Großhauser hat es drei Grad plus. Foto: pr

Reihum stellten die Medien vor Heiligabend die bange Frage: Wie kalt wird es an Weihnachten in den Kirchen? „O du Zittrige“, textete gar eine deutsche Boulevardzeitung und prophezeite eisige Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Als Quelle wurde eine Handlungsempfehlung von 18 deutschen Bistümern angeführt. Der Leitfaden „Verantwortungsvolles Temperieren von Kirchen im Winter 2022/23“, den auch die Diözese Eichstätt mit herausgegeben hat, ist allerdings nicht erst speziell zu Weihnachten, sondern bereits im vergangenen Herbst erschienen. Und die Maßnahmen, die dort als Antwort auf Gasknappheit und steigende Strom- und Ölpreise vorgeschlagen werden, sind für viele Gemeinden auch nicht radikal neu. Eine KiZ-Umfrage bei Aktiven des Eichstätter Mesnerverbands zeigt: Vor Ort ist nicht Panik, sondern Pragmatismus angesagt. Zumal die Voraussetzungen an jedem Ort, in jeder Kirche unterschiedlich sind.

Weniger Gottesdienste

Dass in der Pfarrkirche St. Peter in Oberhaunstadt bei Ingolstadt keine höheren Heizkosten als vor der Krise anfallen, hört sich nur auf den ersten Blick gut an. Denn der Grund ist nicht etwa eisernes Herunterschrauben der Temperaturen oder Einbau einer sparsameren Anlage, sondern ein unfreiwillig verringertes Gottesdienst-Angebot. „Als unser Pfarrer Ende August wegging, war klar, dass wir keinen eigenen mehr bekommen“, erzählt Dr. Gabi Wutz, eine der beiden Mesnerinnen. So gibt es inzwischen statt bisher fünf nur noch zwei Gottesdienste pro Woche. Diese einschneidende Veränderung beschäftige die Gläubigen gerade mehr als die Temperaturen im Gotteshaus, berichtet die Chemikerin, die auch stellvertretende Vorsitzende des diözesanen Mesnerverbands ist. Die Oberhaunstädter Kirche, in der selbst unter Einhaltung von Corona-Abstandsregeln noch 150 Menschen einen Sitzplatz finden, wird von einer Umluft-Heizung erwärmt, die warme Luft strömt aus Boden-Gittern. Fällt die Grundtemperatur unter fünf Grad Celsius, schaltet sich die Anlage automatisch ein. Als Obergrenze sind zwölf Grad programmiert. Damit durch den Umluftbetrieb keine Viren im Raum verteilt werden sollten, wurde in Pandemie-Zeiten nur bis zehn Minuten vor Gottesdienstbeginn geheizt und dann ausgeschaltet, erzählt die Mesnerin, „vorher hatten wir bis Ende des Gottesdiensts durchgeheizt“. Aus Energiespargründen wird nun, wo sich die Leute bereits daran gewöhnt haben, weiter nach diesem „Corona-Modus“ geheizt. 

Heizölkauf gut überlegen

Eine Umluft-Heizung älteren Baujahrs gibt es auch in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Ochsenfeld (Dekanat Eichstätt). Seit 13 Jahren ist Sofie Wagner Mesnerin an der Kirche, die weit über 500 Jahre alt ist. 1492, in dem Jahr, als Amerika entdeckt wurde, ist aus Ochsenfeld schon eine Turmerhöhung dokumentiert. Viele Generationen nutzten das Gotteshaus ohne jede Heizmöglichkeit. Heute hingegen wird die Luft im Winter auf elf Grad vorgewärmt, wenn Gottesdienste stattfinden. Aber das Öl, mit dem die Heizung betrieben wird, ist im Zuge der Energiekrise teuer geworden. „Da muss man schon gut überlegen, wann man auftankt“, verweist Wagner auf enorme Preisschwankungen. Wobei ein Mesner, dem seine Kirche am Herzen liegt, automatisch versuche zu sparen, „so wie man halt auch zuhause spart“.

An die Älteren denken

„Momentan können wir mit den Kirchgeld-Einnahmen die hohen Strompreise noch auffangen, aber langfristig wird das schon ein Problem“, befürchtet Johannes Freihart, Teil des Mesnerteams in der Pfarrkirche Allerheiligen in Darshofen (Dekanat Habsberg). Aber eines kommt für ihn nicht infrage: Dass die überwiegend älteren Kirchgängerinnen und Kirchgänger frieren müssen: „Das darf man nicht machen“. Die Elektroheizung, die unter den Bänken verlegt ist und jeweils in Zweierreihen angesteuert werden kann, gibt ihm die Möglichkeit, die Wärme recht zielgenau zu dosieren, denn „man weiß ja, wer kommt und wer wo sitzt“. Diesen Winter finden sich regelmäßig auch ein paar Leute aus einer benachbarten Pfarrei ein: „Sie sagen, dass es ihnen dort zu kalt ist“. 

Ein energetisches „Sorgenkind“ gebe es aber auch in Dasswang, berichtet Freihart, der auch der örtlichen Kirchenverwaltung angehört: „Als einzige Pfarrei im Bistum betreiben wir noch ein eigenes Dorfhaus.“ In dem seit 20 Jahren bestehenden Treff, der ehrenamtlich betrieben wird und ein echtes Zentrum des dörflichen Lebens ist, gibt es eine Marmor-Wandheizung, die ordentlich Strom frisst: „Das ist für uns der größte Kostenfaktor“.

Wird jetzt gespart?

Andrea Tratz ist gleich für zwei Kirchen als Mesnerin zuständig: Seit 13 Jahren übt sie ihr Amt an der Filialkirche St. Martin in Rohr bei Freystadt aus, seit vergangenen Herbst zusätzlich noch an der Freystädter Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul. Letztere sei eine vergleichsweise „warme“ Kirche, beschreibt die Mesnerin das Raumklima. Trotzdem gehe es im Winter nicht ohne Heizen, findet sie. Dass es gerade den älteren Leuten wichtig ist, in der Kirche nicht frieren zu müssen, hat Tratz vor Kurzem festgestellt, als in der Filialkirche ein Problem auftrat und sich die Bänke im hinteren Kirchenschiff, ab Reihe sechs, nicht mehr heizen ließen. Die Leute hätten sofort vermutet, „dass wir Energie sparen wollen“, erzählt sie. Eine ältere Dame sei sogar zu ihr in die Sakristei gekommen und habe angeboten: „Andrea, ich zahl dir den Strom“. Leider sei der Schaden noch nicht behoben, berichtet die Mesnerin, „ein Ersatzteil lässt auf sich warten“. Bis dahin bittet sie einfach die Gottesdienstgemeinde: „Leut’, kommt’s nach vorne in die Bänke.“

Gefrorenes Weihwasser

So macht es auch Max Großhauser, Mesner am altehrwürdigen Münster St. Johannes in Neumarkt. Auch dort gibt es eine partiell schaltbare Bankheizung, die seit geschätzt gut 40 Jahren ihren Dienst leistet. Den ganzen Raum aufzuwärmen, wäre aufgrund der imposanten Ausmaße der gotischen Hallenkirche ohnehin ein unmögliches Unterfangen, meint Großhauser. 

Hinter dem Hochaltar hat er ein Thermometer versteckt. Gerade, so berichtet er am Telefon, zeige es drei Grad plus an: „Recht viel wärmer wird es auch nicht, wenn Gottesdienst ist.“ Blumen, Gestecke und Bouquets kämen mit diesen Temperaturen noch ganz gut klar. Fallen aber die Temperaturen draußen in den Minusbereich und es ist eine ganze Woche lang klirrend kalt, „dann wird’s natürlich in der Kirche auch kühl“, erzählt Großhauser. „Da hat’s dann schon mal minus zwei, minus drei Grad und das Weihwasser gefriert ein.“ Treue Gottesdienstbesucherinnen und -besucher schreckt das nicht ab. Zur Frühmesse komme ein Stamm von 30, 40 Leuten, erzählt der Mesner: „Viele kommen zu Fuß und gehen nachher in die Stadt, da ziehen sie eh den warmen Mantel an.“ 

Gabi Gess


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