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07.02.2024

Vor 500 Jahren: Erste evangelische Predigt in Schwabach von Hans Dorsch

Erste evangelische Predigt von Hans Dorsch vor 500 Jahren

Mit einem Almosenkasten, dessen Nachbildung aus dem 17. Jahrhundert noch heute in der Schwabacher Stadtkirche zu finden ist, wurden reformatorische Ansätze in die Praxis umgesetzt. von 1523. Foto: vb/Kummer

Es waren wohl sehr turbulente Zeiten in Schwabach vor 500 Jahren. Nicht zuletzt, weil sich der damalige katholische Stadtpfarrer Johannes Linck renitent gegen die reformatorischen Bestrebungen in Stadtspitze und Bevölkerung stemmte. Höhepunkt des tobenden Konfliktes war die erste offizielle evangelische Predigt in Schwabach am 14. Februar 1524. Gehalten hat sie Hans Dorsch. Entsandt wurde er aus dem Nürnberger Augustinerkloster. Die dortigen Mönche wurden zu Multiplikatoren der Reformation in der Region. Linck wehrte sich gegen Dorsch, den er als „Ausländer“ beschimpfte. Er protestierte beim Markgrafen Kasimir von Brandenburg-Ansbach gegen den Prediger, der „gegen Ablaßunfug, gegen Fastengebote, die römische Beichte und Meßopfer“ aufbegehrte. Den Eichstätter Bischof forderte Linck auf, „ihn und seine Priester zu schützen.“

Almosen Als Auslöser

Ebenso echauffierte sich der Stadtpfarrer darüber, dass neun Tage zuvor, am 5. Februar 1524, vom markgräflichen Amtmann und dem Rat der Stadtkirche ein Almosenkasten aufgestellt wurde. Die Geistlichkeit war an diesem Entschluss nicht beteiligt. „Dieses Ereignis gilt als der Beginn der Reformation in Schwabach“, sagt Michael Kummer, Geschichtsbeauftragter der Kirchengemeinde St. Martin. Regelmäßig erzählt er bei Führungen von der Geschichte der Reformation. Heuer im Februar und Oktober widmet er sich speziellen Vorträgen der „Lutherei“ in Schwabach. Darin wird er auch jenen Kasten erwähnen, der in einer Nachbildung aus dem 17. Jahrhundert noch heute in der Stadtkirche zu finden ist. „Das Original ist leider nicht mehr erhalten“, so Kummer, „bis heute werfen die Kirchenbesucher Geld hinein.“

Almosenkästen wurden in Nürnberg oder Wittenberg aufgestellt. Sie waren Vorläufer der Sozialhilfe. Schließlich sollte das Geld Armen und Waisen zugute kommen. Auch Pfarrer und Lehrer sollten davon bezahlt werden. Die Verteilung regelte die „Leisniger Kastenordnung“ von 1523. Sie gilt als die erste evangelische Kirchenordnung und wurde zum Modell der evangelischen Soziallehre im gesamten deutschsprachigen und nordeuropäischen Raum. Beratend unterstützte Martin Luther die Entstehung des Dokuments und schrieb schließlich das Vorwort. Das älteste evangelische Sozialpapier regelte, wie die von der Gemeinde eingenommenen Gelder verwaltet und aufbewahrt werden sollten. Gesichert war der Kasten mit vier Schlössern. „Die Schlüssel dazu hatte nicht der Klerus, sondern die Zivilgesellschaft“, so Kummer. Zur Verwaltung wurden zehn Vorsteher gewählt: zwei Adelige, zwei Ratsherren, drei Bürger und drei Bauern. Je einer der Vorsteher der vier Stände erhielt einen Schlüssel. Einen solchen wollte natürlich auch Johannes Linck für sich in Anspruch nehmen. Nicht zuletzt betrachtete er den ganzen Vorgang schon seit 1523 mit Argwohn. „Linck war ein glühender Anhänger des kirchlichen Ablasshandels“, erklärt Kummer. Selbst in seiner eigenen Familie wurde Linck, der wiederum von seinem Großonkel das Amt des Stadtpfarrers 1506 übernommen hatte, mit den Ideen der Reformation konfrontiert. Seine Schwester war mit dem Stadtrichter Hans Herbst verheiratet. Dessen Flugschriften bereiteten der Reformation in Schwabach den Weg. Der Geistliche schreckte dennoch nicht einmal davor zurück, seinen Schwager verhaften zu lassen. Sein Amt musste Linck trotzdem im Sommer 1524 niederlegen. Er ging nach Speyer. Nicht nur die Wirren der Reformation waren wohl ein Auslöser dafür.

In einem Visitationsprotokoll des Eichstätter Bischofs sind sonntags ausgefallene Messen sowie „Sauferei und Hurerei“ vermerkt. Dass er je einmal gezwungen sein würde, Schwabach verlassen zu müssen, damit rechnete Lick wohl nie. Sein unbenutzt gebliebener Grabstein erinnert noch heute in Schwabachs Stadtkirche daran. „Er hatte sich die Grabplatte schon zu Lebzeiten ohne Sterbedatum fertigen lassen“, so Kummer.

Heinrike Paulus/jh


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