Zum Inhalt springen
23.06.2021

Mit Picknickbox und Pilgerheft / Mit einer Erstkommunionfamilie unterwegs auf dem fränkischen Jakobsweg

Unterwegs im Zeichen der Muschel am Jakobsweg

Unterwegs im Zeichen der Muschel: Kommunionkind Amélie (l.) mit ihrer Schwester Melina und ihren Eltern, die beide spanische Wurzeln haben. Die Familie aus Nürnberg-Eibach war unterwegs auf einem zwölf Kilometer langen Teilstück des Jakobswegs. Und merkte: Auch direkt vor der Haustür gibt es viel Neues zu entdecken. Foto: gulinworx

Gehen Sie doch mal als Familie pilgern!“ Diesen Vorschlag legte Gemeindereferentin Irene Keil den Erstkommunionfamilien aus dem Pfarrverband Nürnberg-Südwest/Stein ans Herz. Ganz konkret hatte sie dabei eine zwölf Kilometer lange Etappe des fränkischen Jakobswegs zwischen Stein-Oberweihersbuch und Roßtal im Blick. Eine Strecke, die zumeist durch Wald und Wiesen verläuft und vergessen macht, wie nah die Großstadt ist. 

Unter dem Motto „Immer der Muschel nach“ hatte Keil ein Pilgerheft zusammengestellt mit  Forschungsaufträgen für die Kinder, mit Gebeten und Liedern, mit nützlichen Informationen zum Streckenverlauf und Informationen über die Jakobspilger früherer Jahrhunderte. Und dann gab es noch eine Liste, was die Familien neben einer ordentlichen Brotzeit und kühlen Getränken alles einpacken sollten: Picknickdecke und Taschenmesser, Schnur und Teelicht. Was man damit unterwegs alles anstellen konnte, zeigen die Fotos auf dieser Seite. Zur Verfügung gestellt hat sie Enrique Gulin-Conde, dessen Tochter Amélie am vergangenen Sonntag Erstkommunion hatte. Vorher war die ganze Familie zusammen dem Symbol der Muschel gefolgt.

Eltern aus Galicien

Sein Zungenschlag ist unüberhörbar fränkisch, sein Name dagegen klingt südländisch: Gulin-Condes Eltern stammen aus der spanischen Region Galicien, wo auch der Jakobsweg verläuft und von wo aus es gar nicht mehr weit nach Santiago de Compostela ist. Kennengelernt hatten sich die beiden allerdings in Nürnberg, wo sie Wurzeln schlugen. Dort kam auch Sohn Enrique zur Welt, der später eine Frau heiratete, die ebenfalls spanische Wurzeln hat: Der Vater seiner Frau Melanie Villareal Ramos stammt aus der Nähe von Madrid. 

Als Amélies große Schwester Melina vor drei Jahren Erstkommunion hatte, „sind wir auch vorher die Jakobsweg-Etappe nach Roßtal gegangen“, erzählt ihre Mutter, „damals aber mit Frau Keil und mit der ganzen Gruppe“.

1995 wurde diese Etappe des Jakobswegs eröffnet, informiert ein Schaukasten, der den ersten Haltepunkt der Familienwanderung bildet. 2.537 Kilometer, so verrät Gemeindereferentin Keil im Pilgerheft, sind es von dort bis nach Santiago de Compostela, wo sich der Legende nach das Grab des Apostels Jakobus befindet. Ehe sie sich in der Jakobus-Kirche von Oberweihersbuch den Pilgerstempel holen, sprechen Amélie und ihre Familie noch das Pilgergebet.

Insgesamt fünf Stunden lang sind die vier unterwegs. Die Kinder lösen unterwegs kleine Rätsel, die ihnen Keil gestellt hat, und bringen ihre Wünsche und Anliegen zum Ausdruck, indem sie wie „richtige“ Jakobspilger an einer bestimmten Stelle einen Stein ablegen. Letzte Station ist die Krypta der uralten Laurentius-Kirche in Roßtal. Dort dürfen Amélie und ihre Schwester die mitgebrachten Teelichter entzünden. 

„Als wir aus der letzten Kirche rauskamen, ist uns auf dem Rückweg zum Bahnhof eine Tafel aufgefallen“, erzählt Villarreal Ramos. „Darauf war die anschließende, 14 Kilometer lange Etappe beschrieben. Und wir waren uns einig: Das wird unsere nächste Tour!“ Für Papa Enrique ist das Ganze eine schöne Vorbereitung auf ein großes Ziel: Mit zwei weiteren Vätern will der Krankenpfleger sich irgendwann auf den „großen“ Camino quer durch das Land machen, in dem seine Vorfahren lebten.

Gabi Gess


Beitrag als PDF

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2021):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,80 €
(7,60 € einschl. 7 % MWSt. + 1,20 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,55 €;
Einzelnummer 2,20 €.