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29.04.2020

Nächstenliebe per Nähmaschine Kirchliche Verbände fertigen seit Wochen Schutzmasken / Wäschebestände sind willkommen

Viele tragen sie schon seit Wochen freiwillig, nun sind sie in ganz Bayern beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln Pflicht: Alltagsmasken, die die Ausbreitung des Coronavirus hemmen sollen. Im Bistum wurden schon vor geraumer Zeit Initiativen gestartet, bei denen die Nähmaschinen auf Hochtouren ratterten. Vorausschauend zeigte sich eine schon seit 2017 bestehende Gruppe in Göggelsbuch, die sich normalerweise zwei Mal im Jahr zum Nähen und zum Gedankenaustausch trifft.

Bienenfleißig in der Frühlingssonne: Maskennähen

Bienenfleißig in der Frühlingssonne: Christine Speth (45, M.), Mutter Anna (71) und Tochter Marlene (9) aus Buxheim haben sich im Freien einen Nähtisch aufgebaut und fertigen Masken. Foto: Privat

Sie besteht aus Mitgliedern des kirchlichen Sportvereins DJK. Die aktuelle Initiative entstand nach einem Facebook-Aufruf von Franziska Fleischmann, auf den sich mehr als 20 Frauen meldeten. Seither haben sie 700 Masken genäht, die im Landkreis und darüber hinaus kostenlos an soziale Einrichtungen gehen.Seither haben sie 700 Masken genäht, die im Landkreis und darüber hinaus kostenlos an soziale Einrichtungen gehen. 

Nicht nur Eigenbedarf

Auch in Preith wird genäht: Seit über 40 Jahren liefert der Ortsverein des Malteser-Hilfsdienstes in Kooperation mit dem Eichstätter Caritas-Seniorenheim Essen auf Rädern aus. Da es sich bei den zu beliefernden Menschen überwiegend um Personen aus der Corona-Risikogruppe handelt, ist besondere Vorsicht geboten. Um die Ressourcen an medizinischen Masken „die erstmal dem medizinischen Bereich vorbehalten bleiben sollten, nicht unnötig zu belasten“, entschied sich die Ortsgruppe nach eigenen Angaben, Alltags- oder Behelfsmasken zu tragen und diese selbst zu nähen. Bereits vor Ostern fand sich eine achtköpfige Gruppe zusammen. Die Fertigung ging bald weit über den eigenen Bedarf hinaus. „Inzwischen wurden mehrere Hundert Exemplare gefertigt und an Sozialstationen, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen πund Arztpraxen übergeben“, berichten die Malteser. Selbstverständlich bekomme man aber auch als Privatperson eines der Unikate.

Auf der Homepage des Katholischen Frauenbunds (KDFB) Eichstätt findet sich eine Nähanleitung, verbunden mit dem Appell, Behelfsmasken für Krankenhäuser im Bistum oder auch für das Uni-klinikum Regensburg anzufertigen. Wie Petra Bauer von der Eichstätter KDFB-Geschäftsstelle berichtet, haben einige Zweigvereine die Anregung aufgenommen, zum Beispiel in Ochsenfeld, in Gnotzheim, wo gerade Masken für ein Pflegeheim in Ellingen und für das Klinikum Altmühlfranken gefertigt werden, oder in Buxheim, wo Christine Speth jede freie Minute zum Nähen nutzt. Die Tochter der früheren Vorsitzenden des KDFB Buxheim arbeitet bei Audi im Management und ist gerade im Homeoffice. Nach Feierabend beginnt fast nahtlos ihre zweite Schicht, dann näht sie mit ihrer Mama Anna Schutzmasken. Auch die neunjährige Tochter hilft schon fleißig mit. Gemeinsam hatten die drei bis vergangene Woche schon 200 Masken für Erwachsene und weitere 20 für Kinder hergestellt. Die meisten gehen an soziale Einrichtungen.

Aber auch Privatleute, die einer Risikogruppe angehören, fragten nach, ob sie einen Mund-und Nasenschutz bekommen könnten. „Da hört man viele Schicksale“, erzählt Speth, die die Masken kostenlos abgibt. Stets gefragt seien Baumwollstoff-Spenden, berichtet die Buxheimerin, die die eigenen Bestände an Bett- und Tischwäsche oder ausrangierten Herrenhemden weitgehend geplündert hat. Auch der Nachschub an Gummilitze ist bereits zum Erliegen gekommen. „Hosengummi ist das neue Klopapier“ lacht sie und spricht damit allen aus der Seele, die vergeblich im Supermarkt nach dem Nähutensil Ausschau halten. In Buxheim darf der Nachschub jedenfalls nicht ausgehen. Denn Christine Speth ist gleich nachdem das verpflichtende Tragen von Masken angekündigt wurde, zum Bürgermeister gegangen und hat Unterstützung angeboten. Mit weiteren Freiwilligen, die sie via Facebook gewonnen hat, näht sie nun 1.000 Masken für die Gemeinde. 

Allen, die selbst ans Werk gehen möchten, macht die frühere Eichstätter KDFB-Diözesanvorsitzende Franziska Braun-Wiedmann Mut, die seit Anfang April Masken näht: „Wer schon mal eine einigermaßen gerade Naht an der Nähmaschine genäht hat, der schafft das!“

Beherzt hingesetzt

Marco Böhm, Jugendreferent der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) im Bistum, kann das bestätigen: Mitglieder der KSJ, die Stadtgruppen in Eichstätt und Ingolstadt hat, haben bereits mehrere hundert Masken gefertigt. Böhm weiß von 17-jährigen Burschen, die sich beherzt an die Nähmaschine ihrer Mutter setzten und im Lauf der Produktion immer mehr Übung bekamen. Erstes Ziel war es, für die Schüler aller Abschlussklassen in Eichstätt Masken anzubieten. Für die Klassen, die jetzt peu a peu ebenfalls wieder in ihre Klassen zurückkehren, nähen die KSJ-ler weiter, solange der Vorrat reicht. „Was übrig bleibt, geht an karitative Einrichtungen“, kündigt Böhm an. 

Gabi Gess


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 31 vom 2.8.2020

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