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01.12.2021

Nicht wegzudenken, nicht wegzusparen

Pastoralreferentinnen und -referenten: Seit 50 Jahren in Deutschland

Fünf von rund 40 Pastoralreferentinnen und -referenten im Bistum Eichstätt: (v. l.) Anke Schwalbenhofer, Barbara Ulrich und Matthäus Kamuf wurden unlängst in den Vorsitz der Berufsgemeinschaft gewählt. Jahrelang engagierten sich dort Gabriele Siegert und Andreas Weiß. Foto:vb

Als die junge Theologin Annemarie Maurer 1982 als Hauptamtliche in die Nürnberger Pfarrei Zum Guten Hirten gesandt wurde, war sie als Ersatz für den scheidenden Kaplan Adolf Bittschi vorgesehen. Also richtete der damalige Pfarrer Joseph Kreutzer Fragen an die Bistumsleitung: „Darf Sie predigen? Darf sie taufen? Darf sie beerdigen?“ Auf das dreifache Nein aus Eichstätt fragte sich der Geistliche, den Maurer als durchaus aufgeschlossen in Erinnerung hat: „Ja, was darf sie denn?“. Wo Pastoralreferentinnen und -referenten ihren Platz in der Seelsorge finden, musste damals im Bistum noch erprobt werden. Maurer gehörte seinerzeit, dem Pionier-Trio an – auch wenn es den Beruf schon elf Jahre gab (siehe S. 5).

Kein Stopp in Sicht

Heute gehören Pastoralreferentinnen und -referenten längst zum gewohnten Bild im Bistum Eichstätt. Die meisten von ihnen sind organisiert in einer Berufsgemeinschaft, die gerade einen neuen Vorstand für die Diözese gewählt hat. Nach vielen Jahren im Gremium stellten sich Gabriele Siegert und Andreas Weiß nicht mehr für die Wiederwahl zur Verfügung. Der neue Vorstand besteht aus Barbara Ulrich, Anke Schwalbenhofer und Matthäus Kamuf, der erneut antrat.

Kamuf, ein gebürtiger Eichstätter, gehört zur jüngeren Garde, er ist seit 2018 Pastoralreferent. Dass das für ihn ein Beruf sein könnte, stellte er schon als Jugendlicher fest. Über die Ministrantenarbeit lernte er den damaligen Verantwortlichen, Pastoralreferent Markus Wittmann, kennen und entschied sich, selbst Theologie zu studieren. Es folgten drei Jahre als Pastoralassistent in der Neumarkter Pfarrei St. Johannes, ehe Kamuf nach der zweiten Dienstprüfung nach Eichstätt zurückkehrte. Er übernahm Aufgaben in Flüchtlingsseelsorge und Ministrantenpastoral, seit kurzem ist er Dekanatsreferent. „Das Schöne an dem Beruf ist, dass er sehr vielseitig ist“, meint Kamuf, der mit einigen jungen Priestern aus der Diözese gemeinsam studiert hat und in der Zusammenarbeit mit Priestern „kein Gegeneinander“ erkennt. Zum 50. Geburtstag seines Berufs wünscht er sich, dass es diesen „auch in Zeiten klammer Kassen weiterhin gibt“. Denn „er macht Kirche weiter und bunter“.

Domkapitular Monsignore Paul Schmidt, Leiter der Personalkammer für die Pastoral im Bischöflichen Ordinariat, sieht den Einsatz von Pastoralreferentinnen und -referenten derzeit nicht gefährdet, denn „man braucht sie weiterhin“. Ein Ausbildungsstopp, wie es ihn zwischen 2004 und 2009 im Bistum gab, sei nicht in Sicht. Trotz knapper Kassen würden Pastoralassistentinnen und -assistenten nach erfolgreicher zweiter Dienstprüfung übernommen, auch wenn die Einsatzprofile und -orte fließend seien und nicht jede durch Ruhestand freiwerdende Stelle eins zu eins wiederbesetzt werde. Die Bewerber-Situation im Bistum sei nicht schlecht, meint Schmidt und ergänzt, dies sei „auch ein  Zeichen der guten Ausbildung bei uns in der Diözese“.

Diese liegt in Händen der Theologin Maria Lechner. Gerade hat sie im Eichstätter Priesterseminar wieder zum „Offenen Interessenten- und Bewerberkreis“ für Eichstätter Theologie-Studierende eingeladen. Aus dieser lockeren Runde bildet sich ein fester Bewerber-Kreis heraus, der nach dem Studium die praktische, dreijährige Ausbildung beginnt. Während dieser Zeit sind die Pastoralassistentinnen und -assistenten in der Regel im Gemeindeeinsatz.

Andere Diözesen sehen dies auch für fertig ausgebildete Pastoralreferentinnen und -referenten vor. Diese seien „in den meisten bayerischen Bistümern auch in der Fläche im Einsatz“, erklärt Lechner, warum die Berufsgruppedort meist viel größer ist als in Eichstätt. „Bei uns werden sie noch anders eingesetzt“, verweist sie auf das Prinzip der Kategorial-seelsorge (siehe Kasten). „Aber es wird sicherlich auch bei uns kommen, dass sie in Pastoral-räumen arbeiten“. Denkbar sei etwa die Entwicklung übergeordneter Konzepte für die Sakramentenvorbereitung. Seelsorgliches Bewusstsein lasse sich immer in die jeweilige Stelle einbringen, auch wenn die für Außenstehende manchmal nach viel Verwaltungsarbeit klinge. Lechner selbst befindet sich im 34. Dienstjahr als Pastoralassistentin und erinnert sich an keinen einzigen Tag, „an dem mir wegen Routine langweilig gewesen wäre“. Sie hat Zusatzausbildungen in Supervision und Gemeindeberatung absolviert. Als sie vor 13 Jahren ihre jetzige Aufgabe übernahm, war dies mit dem Auftrag verbunden, ein neues Ausbildungskonzept zu erarbeiten. In diesem Zug wurde die Pastoralassistentenzeit, auf drei Jahre verkürzt und die Kooperation mit den Nachbardiözese Bamberg, Würzburg und nun auch  Speyer begonnen. In entsprechend großen Gruppen lasse sich mit einzelnen Jahrgängen intensiver arbeiten“, nennt Lechner einen Vorteil der Zusammenarbeit. 

Neuland betreten

Geregelte Ausbildungswege für angehende Pastoralreferentinnen und -referenten, das gab es in Freiburg bereits Anfang der 1980er-Jahre, als Annemarie Maurer dort ihr Theologiestudium beendete. Nach dem Vordiplom war wie von ihrer Heimatstadt Eichstätt an die Freiburger Uni gewechselt und hatte dort unter anderem Vorlesungen beim späteren Kardinal Karl Lehmann gehört. Gerne wäre sie im Erzbistum geblieben, aber dann musste sie kurzfristig auf die in Aussicht gestellte Pastoralassistentenstelle verzichten, weil es eine einheimische Bewerberin gab. 

Zu ihrer Überraschung wurde Maurer im Heimatbistum Eichstätt mit offenen Armen aufgenommen. Ja, man habe sogar schon auf sie gewartet, teilte ihr der Generalvikar mit. So gehörte sie neben Franz Heim und Werner Hentschel zu den ersten, die mit Theologiestudium, aber ohne Weihe, mit pastoralen Aufgaben betraut wurden. Nicht in Form einer feierlichen Beauftragung – die gab es erstmals 1987 – sondern durch ein nüchternes Schreiben.

Maurer, damals Mitte 20, machte im Nürnberger Süden erst einmal die Erfahrung dass sie, die an der Uni Freiburg ganz selbstverständlich mit „Frau“ angesprochen worden war, nun wieder zum „Fräulein“ wurde. Aber die Arbeit in der Pfarrei, „das Vielfältige“, gefiel ihr. Fast bedauerte sie es, dass das Stellenprofil langfristig keinen Gemeindedienst mehr vorsah. Maurers Schwerpunkt wurde die Jugendarbeit, sie gab Religionsunterricht, führte „Frühschichten“ ein und wurde, damals revolutionär, die erste geistliche Beirätin im Diözesanausschuss der Katholischen Jungen Gemeinde. 

Als sich im Dekanat Nürnberg-Süd immer mehr Spätaussiedler niederließen, wurde Maurer deren Ansprechpartnerin. Und dann schließlich Seelsorgerin im Klinikum Nürnberg Süd. Im Nachhinein „war es goldrichtig, dass ich nicht in Freiburg geblieben bin“, findet Maurer, die im Frühjahr in Ruhestand geht.

Ganz knapp vor diesem magischen Datum steht Pastoralreferent Werner Hentschel, der soeben „mit einer gewissen Wehmut“ seinen letzten Einführungskurs für Kommunionhelferinnen und -helfer gegeben hat. 1.400 Ehrenamtliche hat er über einen Zeitraum von fast 30 Jahren qualifiziert. 

Nach Eichstätt war er einst gekommen, um Priester zu werden. Doch nach drei Jahren Seminar und zwei anschließenden Studienjahren in Oxford gab er diesem Plan auf, um als Theologe in die Wissenschaft zu gehen. Wäre da nicht ein kurzfristiges Angebot der Diözese gewesen, die in der Pfarrei Spalt dringend Verstärkung suchte und dort erstmals einen Pastoralassistenten einsetzen wollte. 

Danach rief die Wissenschaft wieder, Hentschel wurde in Eichstätt Assistent am Lehrstuhl für Dogmatik. Aber erneut lockte ihn eine Stelle beim Bistum, er wurde theologischer Referent des damaligen Bischofs Karl Braun. Bis er schließlich als Referent beim „Thema seines Lebens“ landete, der Liturgie. Ministrant und Chorleiter, Mesner und Kirchenmusiker, all diese Funktionen hatte er bereits ehrenamtlich ausgeübt.

In der Eichstätter Berufsgemeinschaft der Pastroralreferentinnen und -referenten, deren Gründungsmitglied Hentschel war, sei man offen gewesen, was die Entwicklung des Berufsprofils betraf. „Kirchliche Allzweckwaffen“ seien die Kolleginnen und Kollegen gewesen, lacht er „und wahnsinnig breit gestreut“.

Gabi Gess

 


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