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03.11.2021

Schütz‘ kleine Kinder und die Kühe

Schütz‘ kleine Kinder und die Kühe - Ausstellung „Wundergeschehen“ bis Anfang 2022 im Stadtmuseum Neumarkt

Volksfrömmigkeit anhand von Votivbildern und auch Mirakelbüchern zeigt die Sonderausstellung „Wundergeschehen“ im Stadtmuseum Neumarkt. Fotos: F. X. Meyer

Stadtmuseum Neumarkt zeigt Votivschätze / Ausstellung „Wundergeschehen“ bis Anfang 2022

Sich wundern“, „wunderschön“, „wunderlich“ – die deutsche Sprache kennt eine Fülle von Begriffen in Zusammenhang mit dem Wort „Wunder“. Und wer hat sich nicht als Kind gefreut, wenn er kleine Überraschungen in einer Wundertüte entdeckte? Katja Ebstein sang 1970 „Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen, können sie geschehen“.

Gnadenorte im Landkreis

Das Neumarkter Stadtmuseum zeigt derzeit in der Ausstellung „Wundergeschehen“ Votivgaben und -bilder aus Wallfahrtskirchen in Neumarkt und Umgebung. „Wir haben die Ausstellung historisch aufgezogen“, sagt Petra Henseler, Leiterin des Stadtmuseums. „Es gibt natürlich auch aktuelle Votivbilder, so zum Beispiel aus Dankbarkeit, dass eine Familie im Jahr 2004 vor dem Tsunami in Thailand gerettet wurde“, beobachtete Henseler in der Mariahilfberg-Kirche.

Einem kleinen Wunder kommt es gleich, dass gerade zu der Zeit, als die Ausstellung konzipiert wurde, Schwestern aus dem Neumarkter Kloster St. Josef bei Reinigungsarbeiten in der Marienkapelle etwas unterhalb des Mariahilfbergs ein Gemälde entdeckten und es vom Staub befreiten. „Das Votivbild hat Johann Koller im Jahr 1870 gemalt“, erzählt die Museumleiterin. Es zeigt Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm, darunter eine Ansicht des Mariahilfbergs. Der Schriftzug darunter lautet: „Der Gottesmutter für die glückliche Standeswahl.“ Koller, der 1838 in Erasbach zur Welt kam und sich 1867 in Neumarkt niederließ, dürfte damit seine Berufswahl als Maler und Bildhauer gemeint haben, die er trotz Widerstands seines Vaters durchsetzte, fand sie heraus. 

Auf einer Karte in der Ausstellung sind die Wallfahrtsorte des Landkreises Neumarkt farblich besonders hervorgehoben und auf Schautafeln wird die Wallfahrtsgeschichte näher erläutert. „Die älteste Wallfahrt ist die in Griesstetten bei Dietfurt“, berichtet Henseler. Sie geht bis auf das 12. Jahrhundert zurück. Der Habsberg, Trautmannshofen, Freystadt, Lengenbach oder der Neumarkter Mariahilfberg: In der Bevölkerung sind die Gnadenorte bis heute ein Begriff und viele Gläubige suchen die Gotteshäuser auf. In der Ausstellung werden Votivgaben aus vergangenen Jahrhunderten präsentiert. Der göttliche Beistand hatte geholfen, schlimme Lebenssituationen heil zu überstehen. Die Votivbilder zeigen die Stifter kniend vor der Muttergottes und zu ihr flehend. Auch der Patron des Viehs, der heilige Wendelin, wird angerufen. „Verendete ein Tier an einer Krankheit, war das für eine Bauernfamilie einst sehr schlimm“, sagt Pfarrer Gerhard Ehrl aus Trautmannshofen. Aus seiner Pfarrei stammt ein Mirakelbuch, das die wundersamen Heilungen zwischen 1750 und 1815 dokumentiert. Ein Beispiel daraus: Im Jahr 1783 verletzte Bauer Michael Seitz aus Litzlohe beim Aufladen eines Baums sein Rückgrat so sehr, dass er nicht mehr sprechen und nicht ohne Stock laufen konnte. Nach einem Gebet zur Gottesmutter in Trautmannshofen war er von seinem Leiden befreit und ging ohne Stock nach Hause.

Bäuerin Katherina Kraus rief Maria an, in der Hoffnung, dass ihre Kinder nicht mehr tot, sondern lebendig zur Welt kämen. Angesichts einer hohen Kindersterblichkeit war es verständlich, dass sich viele Mütter hilfesuchend an die Gottesmutter wandten. Des Weiteren ist zu lesen, dass „nicht nur gegen Catholiken, auch gegen Protestanten erzeiget unsere Gnadenmutter ihre Guttätigkeit“. Als Beispiel dafür folgt, dass ein Hans Gebhard bei einem gefährlichen Zustand an einem Bein geheilt worden ist.

Gewehrkugel und Gebet

„Ein flammendes Herz aus Messing, Inbegriff der Gottesliebe, wurde wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Lourdes mitgebracht“, fand Henseler heraus. Eine Gewehrkugel aus dem Krieg 1870/71 bekam eine Fassung. Der Soldat zeigte seine Dankbarkeit, dass die Kugel ihr eigentliches Ziel verfehlt hatte. Votivgaben gibt es auch in Form erkrankter Körperteile, zum Beispiel eines Fußes. Woher das Fatschenkind aus Wachs stammt, ist nicht bekannt. Die Fatschenkinder reflektieren nicht nur unerfüllten Kinderwunsch, sondern erinnern daran, mit welchen Risiken eine Schwangerschaft verbunden war.

Franz Xaver Meyer/af

 

Die Ausstellung ist bis 30. Januar  2022 zu sehen. Das Stadtmuseum Neumarkt ist geöffnet von Mittwoch bis Freitag sowie am Sonntag von 14-17 Uhr. Mehr unter stadtmuseum.neumarkt

 


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