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14.10.2020

Singen mit dem Mädchen aus Mali Oberstleutnant Christian Wilhelm berichtet über Friedensmission der Bundeswehr

Wir haben nicht miteinander gesprochen – wir haben gesungen – und in diesem Moment war ihr Leben in Ordnung.“ Oberstleutnant Christian Wilhelm beschreibt so das Gespräch mit einem 13-jährigen Mädchen in Mali. Den Namen nennt er nicht – zu gefährlich sei es, wenn er bekannt wird, sagt er. Sie stammte aus einem Dorf, in dem ein Einwohner mit Namen Sadou Yehia nach einem Interview mit dem französischen Sender „France 24“ von Islamisten entführt und ermordet worden war. Er hatte die Gotteskrieger offen mit Worten angegriffen und war auf dem Video genau zu erkennen. Doch die Islamisten beließen es nicht dabei, ihn umzubringen, sondern drohten auch jenen, die möglicherweise bei den Videoaufnahmen ins Bild gelaufen waren, mit dem Tod – im Grunde war das ganze Dorf nicht sicher, die Einwohner mussten fliehen.

Unter dem Mandat der Vereinten Nationen läuft seit 2013 die Friedensmission MINUSMA in Mali.

Unter dem Mandat der Vereinten Nationen läuft seit 2013 die Friedensmission MINUSMA in Mali. Rund 1.100 Soldaten der Bundeswehr sind daran beteiligt. Sie patrouillieren im Landes- inneren, leisten logistische Hilfe und bilden einheimische Kräfte aus. Fotos: Bundeswehr/Ritter, Habermann

Darunter war auch das namenlose Mädchen, dem Wilhelm begegnete. „Bald wird man sie verheiraten, sie wird Kinder bekommen und hart arbeiten“, prognostizierte Wilhelm ihre Zukunft.

Viele Konfliktherde

Diese Begegnung spiegelt gut wieder, was der Oberstleutnant der Bundeswehr, der aus Ingolstadt stammt und von November 2019 bis März 2020 im westafrikanischen Mali als Presseoffizier im Einsatz war, erlebt hat. Auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung Ingolstadt sprach er im Canisiuskonvikt über seine Erlebnisse. Mitveranstalter war das Referat Weltkirche der Diözese, stehen doch Mali und die dortige Friedensmission in diesem Jahr neben Niger und Burkina Faso im Fokus des Weltmissionssonntags. 

Mali ist ein zerstrittenes Land voller ethnischer Konflikte, sagte Wilhelm: „Schwarz steht gegen weiß, Sesshafte gegen Nomaden und Süd gegen Nord.“ Probleme bereitet auch das Klima – mal ist es zu nass, was zu Überschwemmungen führt, mal zu trocken, sodass gefährliche Sandstürme entstehen. Obendrein bedrohen Heuschreckenplagen die Ernte. 

Trotz drohender Anschläge und organisierter Kriminalität treffe man in Mali auch Touristen, die Naturwunder besichtigen wollen, was aber nur in Sicherheitskleidung möglich ist, erklärte der Oberstleutnant. Trotzdem sei der Bundeswehreinsatz in Mali von seiner Gefährlichkeit nicht vergleichbar mit der in Afghanistan. Allein zwei Tote beklagt die Bundeswehr bislang: Umgekommen sind die Soldaten bei einem Hubschrauberabsturz. Dass Mitglieder der Friedenstruppen knapp dem Tod entrinnen, kommt aber schon häufiger vor, wenn etwa Sprengsätze in unmittelbarer Nähe von Fahrzeugen detonieren. Verletzte gibt es da immer wieder, doch bislang konnte – durch gute Geheimhaltung – Schlimmeres verhindert werden, berichtete Wilhelm.

Piano für den Pfarrer

Doch die Bundeswehr hilft auch da, wo es für die Zivilbevölkerung zu gefährlich ist. So hat Oberstleutnant Wilhelm auch einmal für einen Pfarrer ein E-Piano in eine Schule transportiert, dem Geistlichen war das zu riskant. Eine gute Ausstattung der kirchlichen Schulen ist wichtig, haben sie doch einen sehr guten Ruf – übrigens auch bei den Muslimen, die 85 Prozent der Einwohner des Landes ausmachen. Allerdings, das hat Wilhelm ebenfalls erfahren, gibt es auch Neider, die argwöhnisch auf die allzu gute Ausstattung schauen. Zur Geistlichkeit in Mali hatte der praktizierende Christ Wilhelm überhaupt ein gutes Verhältnis, erzählt er im Gespräch mit der Kirchenzeitung. Bei Gottesdiensten im Feldlager spielte der musikbegeisterte Soldat Flöte. In Ingolstadt kennt und schätzt Wilhelm die Kirchengebäude seiner Heimatstadt. Seit 2015 ist er Stadtführer und im Liebfrauenmünster schlüpfte er bei dieser Tätigkeit sogar einmal in die Rolle des bedeutenden Jesuiten Petrus Canisius, der hier einst gewirkt hat.

Raymund Fobes, Andrea Franzetti


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 43 vom 25.10.2020

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