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02.03.2022

So jung und schon heilig

Jugendstelle Herrieden drehte mit Ministranten aus Mitteleschenbach Film über Domenico Savio

Anfangsszene: Domenico Savio (M., gespielt von Elias Heidingsfelder) schlichtet einen Streit unter Mitschülern. Schnell wird im Film deutlich: Der Junge ist etwas Besonderes. Gut 16 Minuten dauert der Film der Jugendstelle Herrieden über den Heiligen, der auch Patron der Ministranten ist. Foto: vb

Ich wünsche nur eins: Machen Sie mich heilig. Ich möchte mich ganz Gott hingeben“, sagt Domencio Savio im Film „Wenn Wünsche wahr werden“. Die Hauptrolle in der Produktion der katholischen Jugendstelle Herrieden hat Elias Heidingsfelder. Der Elfjährige aus Mitteleschenbach hat bei den Dreharbeiten einiges über den heiligen Domenico gelernt, sagt er. Was er an ihm bewundert: „Wie selbstlos er war.“ Auf die Frage, ob er ein Vorbild für ihn sei, antwortet der junge Schüler: „Ja, weil er allen geholfen hat, immer fröhlich war und seine schulischen Aufgaben erledigt hat.“

Pfarrer vor der Kamera

Gut 16 Minuten lang ist das Video, das rechtzeitig zum Gedenktag des heiligen Domenico am 9. März erschienen ist. In gut einem Dutzend Szenen werden die wichtigsten Stationen aus seinem Leben erzählt: die Taufe am 2. April 1842, die Gespräche mit Don Bosco und die Zeit an der Schule in Turin, die Krankheit und schließlich Domenicos Tod am 9. März 1857. Das Schlusskapitel thematisiert die Heiligsprechung 1954 im Vatikan. Zu den Mitwirkenden zählen neben Elias einige Erwachsene und rund 30 Kinder und Jugendliche, die meisten davon Ministranten aus der Pfarrei St. Nikolaus in Mitteleschenbach (Dekanat Herrieden). Mit dabei auch: Pfarradministrator Michael Harrer, der zugleich Jugendseelsorger im Dekanat Herrieden ist. Er hat die Rolle Don Boscos übernommen und half auch als Kameramann mit. Wolframs-Eschenbachs Pfarrer Jochen Scherzer ist im Film ein italienischer Ortspfarrer, der den kleinen Domenico tauft. Diese Rolle spielt der wenige Monate alte Franz Seitzinger. Die Tauffeier ist in der Friedhofskirche St. Walburga in Mitteleschenbach gedreht worden, die meisten anderen Szenen entstanden in Wolframs-Eschenbach rund ums Münster und im ehemaligen Kaplanshaus. Einige Aufnahmen sind sogar an den Wirkungsorten von Don Bosco und Domenico Savio gemacht worden: Kurz nach Abschluss der Dreharbeiten mit den jungen Schauspielern in Deutschland waren Harrer und Herriedens Dekanatsjugend-referentin Nadine Bauer in Norditalien.

Das Jahresthema 2019 der Jugendstelle Herrieden lautete „(Junge) Heilige“. Harrer und Bauer griffen damit eine Anregung von Papst Franziskus auf: Im nachsynodalen Schreiben „Christus vivit“ ermutigt er Jugendliche, „in der Heiligkeit und im Engagement für die eigene Berufung zu wachsen“. Durch die Heiligkeit junger Menschen könne die Kirche „ihre geistliche Glut und apostolische Kraft erneuern“, heißt es in dem im April 2019 veröffentlichten Text. Der Papst nennt dort eine Reihe von jungen Heiligen, darunter Johanna von Orléans und auch Domenico Savio. 

Vorbild für andere

Passend zum Jahresthema hatten Harrer und Bauer damals unteranderem eine Ministrantenwallfahrt organisiert und einen Online-Adventskalender gestaltet. Neben Texten zu jungen Heiligen suchten sie dafür auch kurze Videoclips. Zu Domenico Savio, so stellten sie fest, gab es auf Deutsch keine jugendgerechte Verfilmung seines Lebens. Also machten sie sich selbst an die Arbeit. Bauer las unter anderem die Biografie, die Don Bosco über seinen Schüler verfasst hat. Am Ende entstanden ein 16-seitiges Drehbuch und eine sogenannte Shotlist mit umfangreichen Informationen und Anweisungen für das Kamerateam. Bei den Ministranten stieß das Projekt auf Zustimmung, sagt Bauer. „Sie fanden es interessant, dass es einen Heiligen gab, der fast gleichaltrig ist.“ Einige hatten schon vorher von ihm gehört, andere lernten dank der Info im Drehbuch mehr über ihn. „Die Geschichte hat die Mitwirkenden beschäftigt“, sagt Harrer. Er berichtet von Gesprächen am Set über den jungen Heiligen und von einer Begebenheit in der Grundschule: Im Religionsunterricht in Mitteleschenbach habe er den Film kürzlich gezeigt. Don Bosco gibt in einer Szene Domenico Ratschläge, darunter: „Tu Gutes. Hilf allen, denn es gibt immer einen Menschen in Deiner Nähe, der Deine Hilfe braucht.“ Die Schüler hätten sich die Ratschläge gemerkt. Der Film wolle zeigen, dass Heiligkeit im Alltag möglich sei und schon Kleinigkeiten eine Rolle spielen, so Bauer. Als Beispiel nennt sie eine Szene, in der Domencio einem Fuhrmann begegnet, der flucht. Er bittet den Mann, das künftig nicht mehr zu tun. Dieser willigt ein: „Fluchen ist wirklich ein Laster. Und bringen tut es sowie nichts.“

Für seine Rolle als Domenico bekam Elias ein maßgeschneidertes Gewand, andere Kostüme bestellte Bauer im Internet. Vier Drehtage waren im September 2021 angesetzt. Zwei Spiegelreflexkameras und zwei Smartphones kamen zum Einsatz, bedient von Bauer, Mitteleschenbachs Mesner Matthias Leng (der auch als Domenicos Vater vor der Kamera stand) sowie Johannes Walther und Luca Seitz. Andere Jugendliche kümmerten sich ums Licht und konnten dabei auf Scheinwerfer aus der Medienzentrale des Bistums zurückgreifen. Für den Ton war unter anderem Anja Brunnacker verantwortlich, die auch als Statistin mitwirkte und den Part der Sprecherin übernahm. Für die Tonaufnahmen konnte sie dazu ins Studio von Radio K1 in Eichstätt. Die 19-Jährige blickt mit Begeisterung auf das Filmprojekt zurück: „Es hat Spaß gemacht, in der Gruppe zu arbeiten.“ Es sei eine faszinierende Lebensgeschichte, die da erzählt wird. Aus dem Film ließe sich auch „etwas für das eigene Leben mitnehmen“, erklärt die Mitteleschenbacher Ministrantin. Die tiefe Verbundenheit Domenicos zu Gott habe sie beeindruckt. 

Dr. Martin Ostermann lobt das Engagement der Jugendlichen. Sie würden authentisch und nicht gekünstelt vor der Kamera agieren. Man merke dem Projekt an: „Es steckt viel Überlegung und Konzeption dahinter.“ Leider sei der Ton aber bei manchen Szenen schlecht und wichtige Sätze seien nicht verständlich, sagt der Diplom-Theologe, der die Fachstelle „Medien und Digitalität“ des Erzbistums München und Freising leitet und jüngst in der ökumenischen Jury der Berlinale mitwirkte. „Wenn Wünsche wahr werden“ vermittle durchaus ansprechend die Geschichte Domenicos. Was er ein wenig bemängelt: „Der Film richtet sich eher an christlich sozialisierte Zuschauer.“ 

Beim Dekanatsjugendgottesdienst in der Stiftsbasilika in Herrieden feierte der Film, der vom Innovationsfonds des Bistums gefördert wurde, kürzlich Premiere. Eine zweite Vorführung gab es mit einem Großteil der Mitwirkenden in Mitteleschenbach. Jetzt soll die Geschichte Domenicos Kreise ziehen, wünscht sich Bauer. Der Film „darf gerne zum Beispiel für Gruppenstunden, Schulstunden sowie die Kommunion- und Firmvorbereitungen eingesetzt werden“, heißt es in der Pressemeldung der Jugendstelle. 

Im Sommer soll ein weiterer Film gedreht werden, zusammen mit Jugendlichen aus der Pfarrei Burgoberbach. Thema dann: die heilige Maria Goretti.

Andrea Franzetti

 

Ich wünsche nur eins: Machen Sie mich heilig. Ich möchte mich ganz Gott hingeben“, sagt Domencio Savio im FilmWenn Wünsche wahr werden

 


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Ausgabe Nr. 33/34 vom 14./21. August 2022

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