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16.06.2021

Sparsam heizen: Wer, wenn nicht wir? / Energetische Sanierung am Beispiel der Pfarrei Stein / Staatliche und kirchliche Fördertöpfe

„Schöpfung bewahren – Sonne nutzen“ - Devise der Pfarrei St. Albertus Magnus

Mit welchen Einstellungen läuft die neue Heizung effektiv und sparsam? Mit dieser Frage setzt sich Pietenfelds Kirchenpfleger Hans-Peter Kraus gerade auseinander.                                      Foto: Gess

Liebe Heizung, bitte spring doch wieder an!“ Ein ums andere Mal stand Kaplan Simon Heindl im Keller des von ihm bewohnten Pfarrhauses Stein und versuchte die mehr als 30 Jahre alte Anlage wieder in Gang zu bringen. Nur ein paar Schritte weiter befand sich das nächste „Sorgenkind“, die Pfarrkirche. Deren ebenfalls mit Gas betriebene Heizung „hat viel Energie verbraucht, und doch nicht die richtige Leistung gebracht“, berichtet Kirchenpflegerin Annette Herrmann-Schmidt. „Wir haben viel Geld für Reparaturen ausgegeben. Und der Schornsteinfeger sagte, da muss man was tun“. Diesem Appell hat die Kirchenstiftung eindrucksvoll Folge geleistet: Seit kurzem sind in Pfarrhaus und Kirche hocheffiziente, sparsame Heizungsanlagen in Betrieb, die die Verantwortlichen nicht zuletzt  als aktiven Beitrag zur „Klima-
offensive 30plus“ des Bistums Eichstätt sehen. Als einen von vielen kleinen Bausteinen, die auf dem erklärten Weg der Diözese zur Klimaneutralität notwendig sein werden.

„Ziemlich marode“

Im Pfarrhaus wurde eine Kombination aus Gasheizung und Solarthermie auf dem Pfarrhausdach verbaut. Die Kirche samt Sakristeigebäude, Bücherei und Büro des Gemeindereferenten kann mit einer Kombination aus Gasheizung und zwei Wärmepumpen beheizt werden. Vervollständigt wird das Konzept durch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Pfarrheims. Sie liefert mit ihren 20 Solarmodulen nicht nur den Strom für den Betrieb der Wärmepumpen, sondern deckt derzeit fast den gesamten Bedarf in Kirche und Pfarrzentrum. Bevor es im Herbst 2020 mit den Umbauen losgehen konnte, hatten sich die Verantwortlichen nicht nur in technische Details eingelesen, sondern auch Fördermöglichkeiten ausgelotet. Froh waren sie dabei über die Unterstützung durch Fachleute der Diözese, durch eine externe Energieberaterin und fachkundige Handwerker.

„Wir hatten gewusst, dass unsere Heizungen ziemlich marode sind“, meint Michael Alberter, der seit 2018 Pfarrer in Stein ist und den Pfarrverband Nürnberg-Südwest/Stein leitet. In diesem Bewusstsein habe die Pfarrei bereits auf einen baldigen Austausch hingespart und Kirchgeldeinnahmen von mindestens zwei Jahren zurückgelegt, ehe sie schließlich Kontakt mit dem Bischöflichen Bauamt aufnahm. Bald darauf kam der zuständige Fachberater Winfried Glasmann zum Ortstermin vorbei und traf in Stein auf große Offenheit in Sachen energieeffiziente Sanierung. Der Klimamanager des Bistums, Bernd Grünauer, kann dies bestätigen: „Seit ich im Amt bin, sind die Pfarrei und der ganze Pfarrverband mit mir in Kontakt.“ 

Kein „Durchwinken“

Die Steiner Kirchenpflegerin Anette Herrmann-Schmidt war eine der ersten Interessentinnen für Grünauers „Aktion Sparflamme“, die die Pfarreien dazu ermuntern will, die Augen aufzuhalten in Sachen Energieeinsparungspotential. Ausgehend von der Devise „Viel Geld haben wir nicht  für große Innovationen, was können wir trotzdem machen?“, nutzte Herrmann-Schmidt, damals noch Umweltbeauftragte im Pfarrgemeinderat, die Gelegenheit, mit einem Energieberater eine Bestandsaufnahme zu machen: Verwenden wir durchgängig Energiesparlampen? Sind die Fensterdichtungen intakt? Wie viel Strom fressen alte Boiler?

Nachhaltig und sparsam sollten auch die neuen Heizungen für Pfarrhaus und -kirche betrieben werden. Die jetzt gefundene Lösungsei das Ergebnis ausführlicher Überlegungen, berichtet Alberter. Die Genehmigung durch die Diözese sei „kein einfaches Durchwinken“ gewesen, „weil es doch eine erheblich teurere Lösung war als ein einfacher Austausch der Gasheizungen“. Andererseits stand die Fördermöglichkeit durch das BAFA-Programm im Raum: 35 Prozent der Kosten, die beim Umstieg aufs Heizen mit erneuerbaren Energien anfallen, übernimmt der Staat. Einen Zuschuss gab es auch aus dem Klimafonds der Diözese Eichstätt. Nicht zuletzt „konnten wir in der Kirche einiges an bestehenden Rohren belassen und  mussten nicht alles herausreißen, was bei vorhergehenden Reparaturen bereits erneuert worden war“, erläutert Herrmann-Schmidt. „Wir hatten außerdem Glück, dass vor Corona alles in trockenen Tüchern war. Sonst hätten wir die Preise nicht halten können.“

Viel weniger Verbrauch

Einen ganz entscheidenden Vorteil, den die Kirchenstiftung langfristig hat, nennt Pfarrer Alberter: „Die deutliche Reduzierung der jährlichen Gas- und Stromkosten durch künftig enorm gesenkten Gasverbrauch und Nutzung des selbst produzierten Sonnenstroms. Damit wird die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kirchenstiftung langfristig und spürbar erhöht.“

Die Heizungsabnahme erfolgt in diesen Tagen, die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Pfarrheims ging bereits Mitte Mai in Betrieb. „Seitdem brauchen wir kaum noch Strom aus dem Netz“, freut sich Alberter genauso wie Herrmann-Schmidt, die überrascht feststellt: „Obwohl wir zeitweise kaum Sonnenschein hatten, hat die Anlage fleißig produziert.“ Kaplan Heindl ist ein Fan der App, mit der sich auf dem Handy live der Energiefluss in den Gebäuden verfolgen lässt und die auch Störungen gleich meldet: „Der Hausmeister kann im Prinzip daheim beim Frühstück schauen, ob alles läuft.“ 

Zeitweise war auch die Überlegung im Raum gestanden, eine E-Tankstelle am Pfarrhaus einzurichten. Der Kaplan, der auch stellvertretender Vorsitzender der Kirchenverwaltung ist, hatte schon geliebäugelt, sich ein E-Auto anzuschaffen. Aber die Erneuerung der Elektroinstallation im Pfarrhaus, wo es noch Sicherungskästen mit alten Porzellansicherungen gibt, hätte momentan den Rahmen gesprengt. 

Langfristig, so überlegt Pfarrer Alberter, „hätten wir noch mehr Flachdächer, auf denen Strom erzeugt werden könnte. Aber das muss sich entwickeln“. Er schaut unterdessen schon in eine weitere Gemeinde seines Pfarrverbands, nach „In Maria am Hauch“ in Röthenbach, wo ebenfalls eine energetische Sanierung ansteht. Für nachhaltige Konzepte müsse man bei Kirchenverwaltungen und Kirchortsräten nicht lange werben, meint Alberter: „Die sind da schon mittendrin und stehen voll dahinter.“ 

Gabi Gess


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