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29.11.2019

Zwischen Hoffnung und Unsicherheit Synodaler Weg: Bischöfe und Laien sprechen über Zukunft der Kirche / Eichstätter Erwartungen

Einen Weg wollten die deutschen Katholiken finden, wie sie „die Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art“ teilen könnten, schreiben Kardinal Reinhard Marx und Dr. Thomas Sternberg im Einladungsschreiben zum Synodalen Weg. Dieser beginnt offiziell an diesem Sonntag, dem 1. Advent. Bewusst greifen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) auf eine berühmte Formulierung des Zweiten Vatikanischen Konzils zurück.

Logo des Synodalen Weges. Quelle: DBK

Damals, vor einem halben Jahrhundert, befand sich die Kirche im Aufbruch, öffnete Türen und Fenster, stellte sich mutig und selbstbewusst der Moderne. Eine neue katholische Generation wuchs heran in einer Zeit, in der Glaube und Gesellschaft noch fest verbunden schienen. Heute sehen sich die Christen in Deutschland einer zunehmend säkularen Öffentlichkeit gegenüber, Verzagtheit macht sich breit, auch Scham und Entsetzen über Missbrauch und andere Skandale.

Frust und Austritte

Der über Jahrzehnte vertuschte sexuelle Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen war nur der äußere Anlass für den Synodalen Weg, den die Bischöfe gemeinsam mit den Laienvertretern des ZdK nun beginnen. Die Ursachen für die Krise, die sich in zunehmenden Austrittszahlen und verbreitetem Frust an der Kirchenbasis ausdrückt, wollen die gut 200 Delegierten bei dem Gesprächsprozess umfassend analysieren und Lösungen finden. Doch schon im Vorfeld gab es heftigen Streit um Sinn und Unsinn einer solchen Veranstaltung, die wohl keine grundlegenden Reformen beschließen wird, da die deutschen Katholiken erstens Teil der Weltkirche sind und es zweitens für alle Beschlüsse auch einer Zweidrittelmehrheit unter den Bischöfen bedarf.

Der Synodale Weg wird sich in den kommenden zwei Jahren mit verschiedenen Themen befassen, darunter der priesterlichen Lebensform, dem Komplex „Macht und Klerikalismus“ sowie mit der Rolle der Frauen in der Kirche. Das Gespräch soll nicht nur auf der „großen Bühne“ der Frankfurter Synodalversammlung in Gang kommen, sondern auch vor Ort, in den Diözesen und Pfarreien. 

Im Bistum Eichstätt schwankt die Stimmung vor dem Gesprächsauftakt zwischen leiser Hoffnung und Unsicherheit (siehe die Beiträge auf dieser Doppelseite). Der Synodale Weg soll auf jeden Fall in der Diözese verankert werden, der Priesterrat wird voraussichtlich am 5. Dezember einen Beauftragten ernennen, eine Reihe von Pfarrgemeinderäten wollen die Gläubigen regelmäßig über Verlauf und Ergebnisse der Beratungen auf dem Laufenden halten. In der Ingolstädter Pfarrei St. Pius gab es während des Gottesdienstes bereits entsprechende Informationen.

An den Vorbereitungen zum Gesprächsprozess nahmen vier Persönlichkeiten aus dem Bistum teil, unter ihnen Bischof Gregor Maria Hanke. Er wird auch bei der Synodalversammlung dabei sein, ebenso wie voraussichtlich Diözesanvorsitzender Christian Gärtner. Ob weitere Eichstätter an den Beratungen teilnehmen, steht noch nicht fest. Möglich wäre das unter anderem über die „Jugendschiene“: 15 junge Katholiken sollen nach Frankfurt gebeten werden, die zu Beginn des Synodalen Weges unter 30 Jahre alt sind. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend hat die Plätze ausgeschrieben, allerdings läuft die Bewerbungsfrist mit dem Start am 1. Advent aus. Die Arbeitsphase des Gesprächsprozesses beginnt vom 30. Januar bis 1. Februar, im September geht es weiter.

Für die Beratungen haben die Verantwortlichen ein eigenes Gebet formuliert, auch Fürbitten und Liedvorschläge sind vorgesehen. In allen Domkirchen sollen zum Start am 1. Advent Synodalkerzen entzündet werden. Passend dazu sprechen die adventlichen Bibeltexte von Neuanfang und Aufbruch. Im Eichstätter Dom wird die Synodalkerze beim Kapitelsamt um 9 Uhr entzündet. Sie findet ihren Platz in der Nähe der Buchenhüller Madonna. 

Marx und Sternberg ermuntern alle Gläubigen, den Weg mitzugestalten. „Wir laden auch diejenigen unter Ihnen ein“, schreiben sie abschließend, „die Schwierigkeiten mit dem Glauben und der Kirche haben, die Vertrauen verloren haben oder als Suchende unterwegs sind.“

Bernd Buchner

Beginn des Synodalen Weges im Bistum Eichstätt

Näheres unter www.dbk.de/themen/der-synodale-weg, www.bdkj.de/synodalerweg, www.zdk.de. Am 1. Advent startet zudem die Seite www.synodalerweg.de

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Der Bischof: Auf den Geist hören

In seinem „Brief an das pilgernde Gottesvolk in Deutschland“ hat Papst Franziskus betont, „dass die Evangelisierung unser Leitkriterium schlechthin sein muss, unter dem wir alle Schritte erkennen können, die wir als kirchliche Gemeinschaft in Gang zu setzen gerufen sind“.

So hoffe ich mit dem Heiligen Vater, dass der Synodale Weg die Evangelisierung in den Mittelpunkt stellt und wir uns in den kommenden zwei Jahren gemeinsam darüber Gedanken machen, wie wir die Frohe Botschaft glaubwürdig und begeisternd verkünden können. Der Synodale Weg muss daher ein geistlicher Weg sein, ein Hören auf den Heiligen Geist, „um die Zeichen der Zeit zu erkennen, was nicht gleichbedeutend ist mit dem bloßen Anpassen an Zeitgeist“, wie Papst Franziskus unterstrichen hat.

Zur Offenheit gegenüber dem Heiligen Geist gehört auch die Bereitschaft, dem Anderen zuzuhören und seine Anliegen ernstzunehmen. Auf diese Weise ist zuerst ein echter Dialog untereinander und dann eine gemeinsame Ausrichtung am Willen Gottes möglich. Wenn wir den Synodalen Weg als geistlichen Weg gehen, als einen Weg der Vertiefung des Glaubens, dann kann eine Erneuerung der Kirche geschehen und damit eine Lösung der im Gottesverlust wurzelnden tiefen Glaubenskrise in unserem Land.

Bischof Gregor Maria Hanke

Der Laienvertreter: Glaubwürdige Zeugen sein

Als Delegierter des Diözesanrats im ZdK habe ich die Entwicklung von Anfang an mitbekommen. Für das ZdK war ich auch bei der Gemeinsamen Konferenz im September in Fulda dabei, auf der erstmals die Themen in einer Art „Vor-Synode“ mit einem Teil der Bischöfe diskutiert worden sind.

Dass es jetzt diesen Synodalen Weg gibt, ist ein Zeichen dafür, dass niemand, weder Bischöfe noch Priester und auch keiner von uns Gläubigen, wirklich weiß, was der richtige Weg ist, um als Kirche das Evangelium in unserer Gesellschaft wieder glaubwürdig verkünden zu können, angesichts des massiven Glaubwürdigkeitsverlustes, den wir als Kirche erlitten haben.

Dieser Synodale Weg wird nicht alle Probleme lösen können, und er ist sicher nicht der alleinige Königsweg. Aber angesichts der vielen guten Erfahrungen, der offenen und ehrlichen Diskussionen und Gespräche, die ich schon jetzt erlebt habe, bin ich davon überzeugt, dass der Synodale Weg auch kein Holzweg sein wird.

Ich erwarte, dass dieser Synodale Weg einige Rahmenbedingungen des kirchlichen Lebens so verändern kann, dass wir auch in den Augen der breiten Öffentlichkeit wieder glaubwürdige Zeugen der Frohen Botschaft sein können. Ich hoffe vor allem, dass es uns gelingt, für die vielen engagierten Frauen in unserer Kirche Formen einer wirklichen geistlichen Mitverantwortung für die Verkündigung des Glaubens zu finden.

Christian Gärtner ist seit dem Jahr 2006 Vorsitzender des Eichstätter Diözesanrats.

 

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 49 vom 08. Dezember 2019

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