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27.07.2022

„Unter bitteren Tränen“ 1832 verließen die letzten Nonnen das Kloster Marienstein bei Eichstätt

1832 verließen die letzten Nonnen das Kloster Marienstein bei Eichstätt

Ein Kupferstich von Johann Frank zeigt die Mariensteiner Klosteranlage nach ihrem Wiederaufbau um 1680. Foto: Wikipedia

Ist in Eichstätt die Rede vom Frauenkloster, so meint man damit in aller Regel das Benediktinerinnenkloster St. Walburg. Das war nicht immer so: In der Bischofsstadt gab es fast 350 Jahrelang ein Kloster der Augustinerchorfrauen, eines von gerade einmal zwei Stiften des weiblichen Zweigs des Ordens. Die Gründung des Klosters geht zurück auf die Eichstätterin Walburga Eichhorn, die sich im 15. Jahrhundert gegen das Eheleben entschied und gemeinsam mit gleichgesinnten Frauen eine kleine freie religiöse Gemeinschaft gründete. Eichhorn stammte als Färberstochter aus dem wohlhabenden Tuchmachermilieu, auch ihre Gefährtinnen hatten ähnliche familiäre Hintergründe und konnten auf Vermögen zurückgreifen. Anfangs lebten die Frauen als Beginengemeinschaft in der Stadt, betätigten sich karitativ und unterrichteten Eichstätter Bürgerkinder. 

Unter Mariens Schutz

Durch spätmittelalterliche Klosterreformen wurde die Frauengemeinschaft um Eichhorn in ein Augustinerchorfrauenstift umgewandelt. Eichhorn hatte das Gelände rund um den Weiler „Steingrub“ erworben, woraus sich aufgrund der Schutzherrin der Gemeinschaft, der Gottesmutter Maria, die Bezeichnung „Mariastein“, heute Marienstein, entwickelte. 1470 wurde mit dem Klosterbau begonnen, im Jahr darauf erfolgte die Weihe. Walburga Eichhorn wurde zur ersten Priorin des Klosters. Aufgrund ihrer Geschäftstüchtigkeit sowie ihrer guten Beziehungen gelang es ihr, die finanzielle Unabhängigkeit des Klosters zu sichern. Sie erwarb Bauernhöfe und Felder in der Umgebung Mariensteins, in der Folgezeit hatte das Kloster Besitzungen in Kraftsbuch, Hitzhofen, Tauberfeld, Erkertshofen, Obereichstätt, Möckenlohe und Mörnsheim. Durchschnittlich lebten zur Blütezeit im Kloster Marienstein 40 Frauen, die Hälfte davon als Chorfrauen, der Rest als Arbeitsschwestern und Novizinnen. 

Bauernkrieg und Reformation brachten Unruhe in die ruhigen Abläufe des Klosterlebens: Marien-stein wurde mehrmals zum Zufluchtsort für Frauen, die aus Konfessionsgründen aus anderen Konventen vertrieben worden waren. Mitte des 16. Jahrhunderts etwa nahm man die aus dem Kloster Bergen vertriebenen Benediktinerinnen auf. Zwei Jahre später musste der Konvent Marienstein selbst fliehen und erhielt Zuflucht bei den Benediktinerinnen von St. Walburg. 

Eine harte Bewährungsprobe brachten die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges mit sich, als schwedische Truppen Kirche und Kloster plünderten und zerstörten. Die Nonnen hatten mit der Priorin Klara Staiger, die von 1631-50 Tagebuch führte und nach der bis heute eine Straße sowie ein Kindergarten in Eichstätt benannt sind, rechtzeitig auf die Willibaldsburg fliehen können. Aus jener Zeit existiert eine Sage, die sich in einer Sammlung des Geistlichen und Schriftstellers Alexander Schöppner aus dem 19. Jahrhundert findet: Der Legende zufolge soll im Kloster ein altes Kruzifixbild aufbewahrt worden sein. Als man einmal drei Tage lang Geruch und Rauch einer Feuersbrunst wahrgenommen hatte, aber keine Quelle ausmachen konnte, ging eine Schwester zu dem Kruzifix und suchte Hilfe und Rat. Angeblich begann dieses zu sprechen und nannte ihr den Ort des Feuers, das dann gelöscht werden konnte. Am 23. Juli 1633 schließlich soll das Kruzifixbild „Zähren vergossen und am ganzen Leib geschwitzt haben, so daß die hellen Wassertropfen in großer Menge herabgelaufen sind“. Dies sei eine Vorausdeutung auf die Zerstörung des Gotteshauses und des Klosters im Jahr 1634 gewesen, heißt es bei Schöppner.

Noch unter Klara Staiger wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen, der aber erst 1669 unter ihrer Nachfolgerin Agnes Sartor zum Abschluss gebracht wurde. Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster Marienstein zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgelöst, die verbliebenen Nonnen durften aber noch dort wohnen. Erst am 1. August 1832 verließen schließlich die letzten sechs Schwestern, „unter bitteren Tränen“, wie es heißt, das ehemalige Kloster Marienstein. 1838 gelangte das Kloster in Privatbesitz und wurde größtenteils abgebrochen. Die Klosterkirche wurde 1842 als Filialkirche St. Anna neu geweiht und steht bis heute.

 Verena Lauerer


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Ausgabe Nr. 33/34 vom 14./21. August 2022

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