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18.08.2021

„Vielseitig“ und „faszinierend“ „Ökumenisch in Langwasser“:

Pilotprojekt soll Kooperationsmöglichkeiten ausbauen

Projektleiterin Ilona Kühn am Eingang der Passionskirche in Langwasser. Foto: Pilz-Dertwinkel

Pilotprojekt soll Kooperationsmöglichkeiten ausbauen

Anfang des Jahres startete ein dreijähriges Pilotprojekt zur vertieften Ökumene in Nürnberg-Langwasser (Dekanat Nürnberg-Süd). Geleitet wird es von Ilona Kühn, die im Januar in der evangelischen Gemeinde Passionskirche ihren Arbeitsplatz bezogen hat. Sie soll Möglichkeiten eruieren, um die bereits vorhandene lebendige ökumenische Gemeinschaft der vier katholischen und vier evangelischenLangwasser-Kirchengemeinden auf eine neue Basis zu stellen. Geplant ist, Kooperationen auszubauen, Synergien zu nutzen und so die beiden christlichen Kirchen in der Öffentlichkeit besser erfahrbar zu machen. Erste Ideen sollen bis Ende 2023 umgesetzt werden können.

Um konkrete Projekte in Angriff nehmen zu können, müssen Strukturen geschaffen und Kontakte aufgebaut werden, das war der in ihrer Heimatgemeinde St. Margaretha, Heroldsberg, ehrenamtlich engagierten Katholikin klar. Dass sie während des Lockdowns die Stelle angetreten hat, hat die Aufgabe nicht gerade vereinfacht. Zunächst hat Kühn sich mit der Geschichte Langwassers und der hier ansässigen Kirchen vertraut gemacht. Einst hat man hier vier Quartiere mit eigenständigen Kirchengemeinden geschaffen, die nun wieder stärker zusammengeführt werden müssen. „Mein Respekt vor der Aufgabe wächst von Tag zu Tag“, sagt die Projektleiterin. Ihr Anspruch ist es, in der ihr zur Verfügung stehenden Zeit Projekte aus dem Aufgabenbereich „auf’s Gleis zu stellen“, damit daran gearbeitet werden kann, wenn sie nicht mehr da ist.

Erwartungen bestimmen Zunächst war Ilona Kühn mit Recherchen und dem Kennenlernen der einzelnen Gemeinden sowie deren Funktionalität beschäftigt und stellte fest, dass sie mit 15 Gremien zusammen-arbeiten muss. Sie hat jede Menge Einzelgespräche geführt, um auszuloten, welche Bedürfnisse beziehungsweise Erwartungen bezüglich Ökumene da sind und welche konkreten Vorstellungen bestehen. Die Ergebnisse wurden dann im „Ökumenischen Forum“ diskutiert. Dieses Treffen findet normalerweise zweimal pro Jahr statt bei dem Teilnehmer beider Konfessionen die Zukunft der Ökumene in Langwasser diskutieren. Im Vorfeld des Projekts war man sich einig, dass der Fokus auf die Verwaltung gelegt werden sollte. Das bedeutet, dass die einzelnen administrativen Bereiche aller kirchlichen Einrichtungen und Aufgaben untersucht werden müssen – mit der Zielsetzung, Doppelarbeit zu vermeiden und den Haupt- und Ehrenamtlichen mehr Freiräume für Pastoral und Seelsorge zu schaffen. Das könne nur zielführend sein, wenn es gelingt, die Menschen mitzunehmen, sie von der Notwendigkeit dieses Vorgehens zu überzeugen, so Kühn.

Als zentrales Organ und Anwalt der Ökumene wurde ein sechsköpfiger Projektbeirat mit je drei katholischen und evangelischen Mitgliedern ins Leben gerufen. Sie bringen aus den Gremien der jeweiligen Gemeinden Stimmungen, Bedenken und Vorschläge ein. Kühns Fazit zum jetzigen Zeitpunkt: Das Projekt ist in den Gemeinden angekommen und wird als gute Idee angesehen. Dass die Umsetzung nicht einfach ist, wird aber in den Gesprächen deutlich. „Je konkreter, desto komplizierter wird es“, stellt der Leitende Pfarrer des Pfarrverbands Langwasser, Dr. Karsten Junk, fest.

In der jüngsten Sitzung diskutierte der Beirat als erstes von vielen möglichen ökumenischen Projekten über eine gemeinsame Anlaufstelle für Kirche, die an einem zentralen Ort geschaffen werden soll. Diese Idee wird sowohl im Beirat und offensichtlich auch in den Gemeinden derzeit favorisiert und wird nun als erste weiterverfolgt. Jetzt gilt es, Arbeitsgruppen für dieses und noch festzulegende weitere Projekte einzurichten. Ilona Kühn hofft, dass man nach dem Sommer so weit ist. In diesen Gruppen sollen Haupt-wie Ehrenamtliche mitarbeiten. Jeder, der Interesse hat, kann sich beteiligen. Aktive Mitstreiter dafür zu finden, hat für Kühn aktuell erste Priorität. „Damit steht und fällt der Erfolg“, sagt sie.

Parallel arbeiten

Nachteilig könnte sich auswirken, dass derzeit katholische wie evangelische Christen in Langwasser mit Einschnitten und Problemen zu kämpfen haben – was Kräfte bindet. Für die vom Pfarrverband Langwasser mit Unterstützung des Bistums geplante Fusionierung der vier katholischen Pfarreien bis Ende 2022 muss ein pastorales Konzept erarbeitet werden. Die evangelischen Schwestergemeinden sollen bis Ende 2023 ihr hauptamtliches Personals um ein Drittel reduzieren. Beides hat Umstrukturierungen zur Folge. Wäre das ökumenische Projekt etwas zügiger an den Start gegangen, hätte man hier solide Vorarbeit leisten können, meint Kühn. Jetzt müsse parallel gearbeitet werden, was den Fortgang des gemeinsamen Vorhabens verlangsamen könnte. Das Argument, dass alle deshalb den Kopf voll hätten, lässt die Projektleiterin aber nicht gelten. Schließlich gehe es darum, die ökumenische Zukunft in die Hand zu nehmen und aktiv zu gestalten. Da dürfe man keine Zeit verlieren. Es bleibt wohl spannend.„Ich hätte nie gedacht, dass die Stelle so vielseitig und so faszinierend ist“, lautet Kühns Zwischenfazit.

Ulrike Pilz-Dertwinkel/jso

 


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