Zum Inhalt springen
24.08.2022

Von Drachen, Demos und Dorfräten

Abwechslungsreiche Tage bei Pfadfinder-Zeltlagern

Den Schatz im Auensee suchten (und fanden) die Pfadfinder aus Schwanstetten-Rednitzhembach auf einer Insel. Foto: vb

Zum Frühstück gab es für die Leiterinnen und Leiter fair gehandelten Kaffee und beim Abendessen im Zeltlager setzten die Köchinnen und Köche auf regionale und biologische Produkte. Nachhaltigkeit ist für den Stamm Horsadal der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) aus Roßtal (Dekanat Roth-Schwabach) kein Fremdwort. Der Markt Roßtal im Landkreis Fürth ist seit 2017 „Fair Trade“-Gemeinde und die Pfadfinder haben sich dem Gedanken der Bewegung ebenfalls verschrieben. In Gruppenstunden vor Ort, aber eben auch auf Zeltlagern spielt das Thema „Fairer Handel“ eine Rolle, gibt es fair gehandelte Produkte. 

Besuch in Partnerstadt

Alle zwei Jahre brechen die Roßtaler zu einem Stammeslager auf, diesmal waren die 50 Teilnehmenden mit dem Bus unterwegs nach Thalheim. Vor einigen Jahren ging es aber auch schon einmal mit der Bahn auf große Fahrt. Thalheim liegt im Erzgebirge und ist seit 1992 Partnerstadt von Roßtal. Das 30-jährige Jubiläum der Verbindung nahm die DPSG bewusst zum Anlass, um zum zweiten Mal nach Sachsen zu fahren. An Pfingsten waren die Roßtaler bereits in Frankreich: sie hatten Auzances besucht, eine weitere Partnerstadt der Marktgemeinde.

Das Motto für das achttägige Stammeslager heuer in Thalheim lautet „Holdaras. Retter des verlorenen Schatzes“. Die Geschichte dazu: Im Zeltlager leben vier Völker friedlich zusammen. Die ausgewogene Harmonie zeigt sich symbolisch an einer Waage, in der vier grüne Kugeln ausbalanciert in kleinen Behältern liegen. Gleich am Anfang des Stammeslagers erschien abends ein Drache und stahl die Kugeln. Aufgabe für die Kinder und Jugendlichen war es nun, den Frieden wieder zurückzubringen. Dazu galt es eine Vielzahl an Aufgaben zu erfüllen und Rätsel zu lösen. Wie Stammesvorstand Christian Schneider der KiZ verriet, gelang die Suche und am Ende herrschte wieder Harmonie und Frieden, hing die Waage im Gleichgewicht. Für den abendlichen Auftritt des Drachen konnten die Pfadinder auf eine Pappmaché-Figur zurückgreifen, die sie bereits vor zehn Jahren für ein Mittelalter-Lager gebastelt hatten. „Die stand als Deko seitdem in einem Gruppenraum“, berichtet Schneider. Schon vor 22 Jahren war er als Teilnehmer erstmals bei einem Pfadfinder-Zeltlager dabei. Seit 2009 gehört der heute 34-Jährige zum Vorstandsteam der DPSG in Roßtal. Jugendliche, die er einst in den Gruppenstunden betreute, sind heute Teil seines Teams der Gruppenleiterinnen und -leiter. Es sei schön zu sehen, wie sie in diese Aufgaben hineinwachsen, schwärmt Schneider. Zwar sei ein mehrtägiges Zeltlager durchaus mit Stress verbunden, aber „es ist positiver Stress“ und man sammle immer wieder neue Erfahrungen.

Auf dem Zeitstrahl

Während in Thalheim 50 Pfadfinder ihre Zelte aufgeschlagen hatten, waren es in Reinwarzhofen bei Thalmässing (Dekanat Roth-Schwabach) rund 420. Auf dem Willy-Brandt-Zeltplatz fand das Bayernlager der Jungpfadfinder („Jupfis“) statt. Mit dabei: Neun- bis 13-Jährige aus den Stämmen Treuchtlingen und Gunzenhausen (Dekanat Weißenburg-Wemding). Zusammen mit Gleichaltrigen aus anderen bayerischen DPSG-Stämmen starteten sie unter dem Motto „bluRAL22 – mehr als nur ne Farbe“ eine abenteuerliche Zeitreise in die Vergangenheit: In einem Gewirr imaginärer Parteien mussten sie sich zurechtfinden, um mit ihrer Wahlentscheidung die Erde wieder in die richtige Zeitstrahlrichtung zu lenken. Spielszenen führten zurück in die 1970er-Jahre: Gegen eine mächtige „Atomkraft-ja-bitte-Partei“, welche die Umweltschützer glatt als „Biomüll“ abkanzelte. „Wir wollen eine strahlende Zukunft!“, warben die Vertreter der Kernenergie. „Unsere Forderung: Fünf Kilogramm Uran für jeden Haushalt – ums Endlager soll sich jeder dezentral selber kümmern.“

Die Geschichte bestimmte das Programm der ganzen acht Tage. Zudem gab es Ausflüge nach Regensburg, Nürnberg und Augsburg, ein Geländespiel, Workshops und weitere Aktionen. Wie die Verantwortlichen erklärten, ging es bei dem Zeltlager aber nicht nur um Abenteuer, Spaß und Spiel: „auch das Thema Demokratie und Mitbestimmung sind ein wichtiger Bestandteil“. So gab es im Lager Dörfer mit Dorfpaten und Dorfräten und immer wieder war Teamgeist gefordert. 

Kathi Schmid von der Lagerleitung, Antonia Bauer als Hauptverantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit und ihre Mitstreiterin Jutta Mohnkorn waren mehr als zufrieden, dass das Zeltlager „so gut angenommen wurde“. 2020 schon hatten die Planungen begonnen. „Wir hatten dabei ständig mit der Corona-Ungewissheit zu kämpfen“, erinnern sich die drei. Umso schöner sei die große Resonanz: „Aus allen Ecken Bayerns sind Stämme hier!“

Bei der Organisation galt es so manche Widrigkeit zu meistern, welche auch mit dem Klimawandel zu tun hat. So gab es beispielsweise ein „digitales Lagerfeuer“, mit dem originalen Knistern, aber eben mit künstlichem Licht. „Die Waldbrandgefahr ist einfach zu hoch“, betonten die Pfadfinderinnen. Dass es mal gefährlich werden kann, wenn Natur und Mensch aufeinandertreffen, machte das Landen eines Hubschraubers deutlich: Der eingeflogene Notarzt musste am Ende aber nur eine Schnittwunde versorgen. Wer im Lageralltag abschalten wollte und ruhige Momente suchte, der wurde beim „Spiri-Team“ fündig. Es lud Mädchen und Buben unter anderem zu individuellen Traumreisen ein. Für weiterführende spirituelle Angebote – ohne Zwang oder Verpflichtung – hielten sich Kuraten bereit. Natürlich kamen auch ganz praktische Aktionen nicht zu kurz. Auf Bambuszahnbürsten konnte der eigene Name eingebrannt werden und wer wollte,bekam Tipps zum Knoten des Halstuchs.

Vor zehn Jahren hatte es zuletzt ein „Jupfi“-Lager der bayerischen DPSG-Stämme gegeben. Dass jeder davon durchaus seine Eigenheiten hat, zeigte sich diesmal in Reinwarzhofen unter anderem beim Zeltaufbau. „Aber wir alle haben die gleiche Leidenschaft“, erklärte Bauer. Das galt insbesondere für die Helfer, die für das einwöchige Zeltlager bis aus Hamburg angereist waren.

15.000 Euro Förderung

Cowboys, Indianer und ein „Schatz im Auensee“ bestimmten das Programm beim Zeltlager der DPSG Schwanstetten-Rednitzhembach (Dekanat Roth-Schwabach). Zum ersten Mal kooperierten die Pfadfinder dabei mit der Filialkirchenstiftung Schwanstetten und boten das Lager nicht nur für Mitglieder an. Die offene Ausschreibung war eine Bedingung für eine finanzielle Förderung durch die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE), die Kooperation mit der Kirchenstiftung eine andere. DPSG-Stammesvorsitzender Richard Seidler war auf das Förderprogramm „ZukunftsMUT“ der DSEE aufmerksam geworden. Als Partner holte er Pfarrer Michael Kneißl und den Finanzchef der Kirchenstiftung, Anton Regler, mit ins Boot und beantragte einen Zuschuss. 15.000 Euro für das inhaltliche Programm des Ferien-lagers und für Neubeschaffungen gewährte die DSEE der DPSG. Die neuen Zelte und die neue Ausstattung für die Lagerküche stehen auch künftig für Freizeiten zur Verfügung, erklärte Seidler. „So haben auch Kinder und Jugendliche in den kommenden Jahren noch etwas von dem Geld.“

Der Aufbau der Zelte dauerte heuer rund neun Stunden. Ein zwölfköpfiger Helfertrupp war dazu bereits einen Tag vor dem Zeltlager-Start an den Auensee bei Joditz (Landkreis Hof) gereist. Später rückten dann 48 Kinder und Jugendliche an und bezogen die Zelte. Für die Busfahrt an den Auensee musste die DPSG lediglich die Kosten für Diesel tragen: Matthias Mehl, ein Arbeitskollege und Freund des Stammesvorsitzenden, übernahm ehrenamtlich alle Busfahrten.

Gleich am ersten Abend besuchte ein Schmetterlingsforscher das Zeltlager. Er erzählte von dem Schatz im Auensee und den Indianern, die von den Cowboys verfolgt würden, und nun Hilfe bräuchten. Die ganze Woche über spielte die Geschichte immer wieder eine Rolle und so bastelten die Teilnehmenden indianischen Kopfschmuck, Schlüsselanhänger und Traumfänger, mussten Aufgaben lösen und eine Schatzkarte entschlüsseln. Ein Crashkurs in Sachen „Spurenlesen und Wegzeichen erkennen“ half dabei. Am Ende entdeckten sie am fünften Zeltlagertag frühmorgens auf der Insel im Auensee eine große Holzkiste. Darin: Schoko-Goldmünzen und die heiß begehrten Aufnäher zum Zeltlager 2022. Bei ihrer Flucht vor den Cowboys hatten die Indianer Kanus zurückgelassen. Diese nutzten die Gruppe für eine zweistündige Fahrt auf dem Bleilochstausee. 

Neben Sonntagsgottesdienst und Tischgebeten gab es auch jeden Abend einen Abschlusskreis. „Hier wurde Rückschau gehalten und Gott für den schönen Tag gedankt“, heißt es im Nachbericht. 
Zwei Pfadfinder, die auch im evangelischen Posaunenchor Schwand spielen, waren morgens und abends mit ihren Trompeten im Einsatz und stimmten Weckruf und Abendlied an. Seidler blickt auf ein rundum gelungenes Lager zurück, mit „vielen tollen Erlebnissen, die sicherlich ein Leben lang in bester Erinnerung bleiben werden“.

Andrea Franzetti/Jürgen Leykamm

 


Beitrag als PDF

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2021):

Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,80 € (7,60 € einschl. 7 % MWSt. + 1,20 € Zustellgebühr); durch die Post monatl. 9,55 €; Einzelnummer. 2,20 €.

.

Kündigungen des Abonnements unter Einhaltung der Kündigungsfrist von sechs Wochen zum Quartalsende: ausschließlich schriftlich gegenüber der Willibaldverlag GmbH, der Agentur oder per E-Mail an 

kuendigung(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Keine Haftung bei Streik oder Fällen höherer Gewalt.